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25/09/2016

Mobilfunktechnik: Oettinger unterzeichnet 5G-Partnerschaft mit China

Innovation

Mobilfunktechnik: Oettinger unterzeichnet 5G-Partnerschaft mit China

Günther Oettiinger und der chinesische Minister für Industrie und Informationstechnologie, Miao Wei, nach der Unterzeichnung der 5G-Partnerschaft in Peking.

[European Commission]

Die EU unterzeichnete heute ein Abkommen für die gemeinsame Forschung zur Entwicklung von 5G-Mobilfunknetzen, die in Europa ab 2020 zur Verfügung stehen sollen. EurActiv Brüssel berichtet.

Der EU-Kommissar für digitale Wirtschaft und Gesellschaft, Günther Oettinger, und der chinesische Minister für Industrie und Informationstechnologie Miao Wei unterzeichneten ein Abkommen, das Ziele für 5G-Standards, Forschung und den Zeitrahmen für die Einführung der neuen Technologie vorgibt.

In einer Stellungnahme erklärte  Oettinger: „5G wird weltweit das Rückgrat unserer digitalen Volkswirtschaften und Gesellschaften bilden. Deshalb setzen wir uns intensiv für einen globalen Konsens und eine weltweite Zusammenarbeit im Bereich der 5G-Technik ein. Mit der heute unterzeichneten Partnerschaft mit China hat sich die EU im weltweiten Wettlauf um die Verwirklichung von 5G bis 2020 jetzt mit den wichtigsten Partnern in Asien zusammengetan. Dies ist ein entscheidender Schritt, damit 5G ein Erfolg wird.“

Im vergangenen Jahr unterzeichnete die EU bereits ähnliche Abkommen mit Südkorea und Japan.

Drahtlose 5G-Netze werden die Internetverbindungen beschleunigen. Die Kommission erklärte 5G zum zentralen Faktor für neue Technologien und das aufstrebende Internet der Dinge. Dadurch wird sich die Anzahl der mit dem Internet verbundenen Geräte immer größer.

China und die EU vereinbarten auch, sich beim Funkfrequenzbedarf für den Einsatz der 5G-Technologie auszutauschen.

Die Kommission sieht die Partnerschaft als Schub für europäische Unternehmen, die den chinesischen Markt erobern wollen. Firmen aus Europa werden Zugang zu den Forschungsprogrammen Chinas im Bereich 5G bekommen.

Die chinesische EU-Botschafterin Yang Yanyi forderte bereits im Juni eine 5G-Partnerschaft. Damals besuchten chinesische Banken Brüssel, um Investitionen in den EU-Technologiesektor zu diskutieren.

Die Kommission sicherte bis jetzt 700 Millionen Euro an Investitionsfonds zu, die an die 5G-Forschung in Europa gehen.

Bei der Einführung von 4G-Netzen seien durch die langsame Freigabe von Bandbreiten im 800-MHz-Frequenzbereich grobe Fehler gemacht worden, sagte die Kommission bei der Ankündigung ihrer Pläne für den digitalen Binnenmarkt im Mai

Um ähnliche Fehler bei der Einführung 5G-Technologie zu vermeiden, richtete die Kommission 2013 eigens den Verband „5G Infrastructure Association“ (5G PPP) ein. Wichtige europäische Technologieunternehmen gehören dieser öffentlich-privaten Partnerschaft an: Orange, Nokia, Deutsche Telekom und Telefónica. Auch das chinesische Unternehmen Huawei ist Mitglied. Die Partnerschaft wurde eingerichtet, um der Kommissionszusage von Investitionen in Höhe von 700 Millionen Euro in die 5G-Forschung entsprechen zu können.

„5G-Netze werden Europas Rückgrat in der Ära des Internets der Dinge sein“, sagt Alessandro Gropelli, Sprecher des Europäischen Verbands der Telekommunikationsbetreiber (ETNO). „ETNO-Mitglieder setzen sich für die 5-PPP der Kommission ein. Diese Partnerschaft ist entscheidend, um sicherzugehen, dass die EU beim Rennen um die Einführung der 5G-Netze führt.“

Allerdings hinkt das EU-Ziel einer 5G-Einführung für 2020 dem anderer Länder hinterher: Die chinesischen Telekomunternehmen kündigten an, 2018 mit frühzeitigen Testläufen der 5G-Netze in China zu beginnen. Einem Verizon-Vorstand zufolge wird das Unternehmen bereits im kommenden Jahr mit dem Test der 5G-Netze in den USA beginnen.

Oettinger besuchte in der vergangenen Woche das Silicon Valley und Washington. Er reiste für die heutige Ankündigung von den USA aus nach China.

Am 11. September startete die Kommission zwei öffentliche Konsultationen zum Ausbau des schnellen Internets und zur Überarbeitung der bestehenden Telekommunikationsregeln. Sie enden am 7. Dezember.

Hintergrund

In den neunziger Jahren war Europa führend im Bereich der GSM-Technologie. Doch die USA und Asien überholten Europa bei der Entwicklung der schnelleren 4G-Übertragungstechnik.

Im Dezember 2014 kündigte die EU an, in den nächsten sieben Jahren 700 Millionen Euro (953 Millionen US-Dollar) in die 5G-Forschung investieren zu wollen. Unternehmen sollen demnach mehr als drei Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen.

Die EU startete im vergangenen Frühjahr eine öffentlich-private Partnerschaft. Dafür sollen 700 Millionen Euro unter dem Horizon 2020-Progamm zur Forschung und Innovation vorgesehen sein. Die Partner aus der Industrie wollen das Fünffache dieses Betrages beisteuern.