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30/09/2016

Korruptions-Bericht: Gazprom transparenter als Google, Amazon und Apple

Innovation

Korruptions-Bericht: Gazprom transparenter als Google, Amazon und Apple

Einem neuen Bericht zufolge ist Gazprom trotz EU- und US-Sanktionen transparenter als Amazon, Apple oder Google. Foto: [Martin Griffiths/Flickr]

Google, Amazon und Apple gehören zu den intransparentesten Unternehmen der Welt. Sogar die russischen Energiekonzerne Gazprom und Rosneft glänzen mit mehr Offenheit, heißt es in einem Bericht von Transparency International. EurActiv Brüssel berichtet.

Die US-Technikriesen Google, Amazon und Apple erzielten auf einer Skala von eins bis zehn in einer Transparency International-Rangliste weniger als drei Punkte. Die Rangliste bewertet die 124 Unternehmen der Forbes-Liste der weltweit größten Unternehmen.

Die Anti-Korruptions-Organisation Transparency International geht von 90 Unternehmen auf dieser Liste aus, die ihre im Ausland bezahlten Steuern nicht offenlegen. 54 dieser multinationalen Konzerne, die zusammen einen Wert von 14 Billiarden US-Dollar (ungefähr 11,2 Billiarden Euro) aufweisen, geben Einnahmen aus dem Ausland überhaupt nicht an. Diese Auskünfte werden insbesondere in Entwicklungsländern benötigt. Damit soll sichergestellt werden, dass die Unternehmen ihre Steuern dort bezahlen, wo sie sie bezahlen sollten.  

Die Unternehmen werden nach ihren Auslands-Finanzauskünften, Daten über ihre Tochtergesellschaften und Beteiligungen, sowie nach der Offenlegung ihrer Anti-Korruptions-Maßnahmen bewertet. Das Endergebnis ist der Durchschnitt aus den Bewertungen dieser drei Faktoren.

Sieben der am besten abschneidenden multinationalen Unternehmen kommen aus Europa. Der italienische Öl- und Gaskonzern Eni schließt mit einem Durchschnitt von 7,3 am besten ab, gefolgt von Vodafone aus dem Vereinigten Königreich mit 6,7 Punkten. Am schlechtesten schneidet die Bank of China ab – sie kommt auf nur einen Punkt.

IBM erzielt einen Durchschnitt von 2,9. Apple erreicht genau wie Visa, Petrochina und der US-Finanzdienstleister Citigroup 2,7 Punkte.

Google erreicht in der Bewertung nur 2,2 von zehn möglichen Punkten. Amazon steht mit zwei Punkten auf einer Stufe mit der staatlichen chinesischen Industrie- und Handelsbank und dem Energiekonzern China Shenhua.

Die Beteiligungsgesellschaft Berkshire Hathaway mit dem Vorstandsvorsitzenden und größten Anteilseigner Warren Buffett kommt lediglich auf einen Durchschnitt von 1,6 Punkten.

Der russische Ölriese Rosneft erreicht mit 4,2 einen vergleichsweise respektablen Wert. Gazprom kommt auf einen Schnitt von 3,5  –  genau wie Microsoft.

Folgende Liste nennt die 13 intransparentesten Unternehmen. Die erste farbige Spalte zeigt das Vorhandensein von internen Programmen gegen Korruption, die zweite die organisatorische Transparenz und die dritte die Berichterstattung. 

Die EU-Kommission untersucht die Steuerregelungen für Amazon, Apple und Google in EU-Ländern wie Irland, Luxemburg und den Niederlanden. Die Kartellrechts-Beamten werden darüber entscheiden, ob steuerliche Vorzugsbehandlungen durch die Regierungen als illegale Beihilfe zu bewerten sind.

Dem staatlichen Gasriesen Gazprom wird vorgeworfen, als verlängerter Arm Russlands politischen Einfluss zu nehmen. Gazprom hat das Monopol auf Gasexporte aus Russland. Das Unternehmen verkauft sein Gas an die EU-Kunden unter geheimen, bilateralen Abkommen. Gerade in der Ukraine-Krise spielte es eine wichtige Rolle. Gazprom erhöhte die Preise oder drohte, den Gashahn zuzudrehen.

Sowohl die EU als auch die USA verhängten im September Sanktionen gegen Gazprom. Die westlichen Sanktionen trafen auch den staatlichen Ölkonzern Rosneft.

Rohstoffkonzerne nicht fit für EU-Rechnungslegungsgesetze

Die weltgrößten Öl-, Gas- und Bergbauunternehmen werden für die neuen EU-Regeln zu mehr Transparenz und gegen Korruption nicht bereit sein, so die Einschätzung des Transparency-Berichts. Die neuen EU-Regeln treten 2015 in Kraft. 

Rohstoffkonzerne müssen unter der neuen Rechnungslegungsrichtlinie ihren Zahlungsverkehr, zum Beispiel die Steuerzahlungen an Regierungen, für jedes Land und für jedes Projekt offenlegen.

Das Gesetz wird bei großen Unternehmen angewendet, die in der EU registriert und an den EU-Börsen aufgelistet sind. Das US-Pendant, ein Teil des Dodd-Frank-Acts, verzögert sich wegen eines laufenden Gerichtsverfahrens.

Insgesamt 24 Rohstoffkonzerne in dem Bericht würden unter die neuen EU- und US-Regeln fallen. Von diesen legen 19 Konzerne die Steuerzahlungen und den im Ausland erwirtschafteten Umsatz nur sehr bruchstückhaft offen. Sie geben über ihre Aktivitäten in den meisten Ländern, in denen sie tätig sind, keine Informationen preis.   

Nur BHP Billiton, Statoil und die indischen Unternehmen ONGC und Reliance offenbaren die geleisteten Steuerzahlungen an beinahe alle Länder, in denen sie aktiv sind.  

„Wir brauchen mehr Transparenz der multinationalen Konzerne, deren Macht in der Weltwirtschaft der der größten Länder sehr nahe kommt“, sagt der Vorsitzende von Transparency International, José Ugaz. „Schlechtes Verhalten seitens der Unternehmen schafft die Korruption, die Armut und Instabilität verursacht.“

Von den deutschen Konzernen schnitt die Deutsche Telekom auf Platz sieben am besten ab, gefolgt von Eon. Auch BASF belegte einen guten Platz.

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