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03/12/2016

Kinder: Die verborgenen Opfer von Herzkrankheiten

Innovation

Kinder: Die verborgenen Opfer von Herzkrankheiten

In Frankreich werden jedes Jahr zwischen 6.500 und 8.000 Kinder mit Herzfehlern geboren. Foto: Todd Huffman (CC BY 2.0)

?Herzkrankheiten sind die Todesursache Nummer 1 in den ersten Lebensmonaten eines Säuglings. In Frankreich werden jedes Jahr bis zu 8.000 Kinder mit einer Herzkrankheit geboren. EurActiv Frankreich berichtet.

Der Französische Kardiologenverband (FFC) veröffentlichte ein Weißpapier zur Herz-Kreislaufgesundheit. Darin beschreiben die Kardiologen die Probleme rund um angeborene Herzfehler und wie man sie am besten angeht. 

Angeborene Fehler sind die verbreitetste und tödlichste Form von Herzkrankheiten bei Säuglingen. Allein in Frankreich sind jedes Jahr zwischen 6.500 und 8.000 Neugeborene davon betroffen. 

Blutgefäßbehandlungen und operative Eingriffe helfen oft gegen diese Fehler. Aber mindestens 85 Prozent der betroffenen Säuglinge werden später weiter daran leiden. 

Fortschritte beim fötalen Ultraschall erleichtern die Diagnose von Fehlern während der Schwangerschaft. Sie ermöglichen den Ärzten die richtige Behandlung zu einem frühen Zeitpunkt im Leben des Säuglings. So verbessern sie deren Chancen auf ein gesundes Erwachsenenleben. 

Nachuntersuchungen bis in das Erwachsenenalter

Beim Eintritt ins Erwachsenenalter profitieren viele Patienten nicht mehr von spezifischer Versorgung für ihre angeborene Krankheit. Sehr oft kehren sie erst später, nach ernsthaften Komplikationen, zu ihrer ursprünglichen medizinischen Versorgung zurück. 

Der FFC empfiehlt eine Überwachung der Säuglinge mit angeborenem Herzfehler in spezialisierten medizinischen Zentren, während sie heranwachsen. Selbst unter den Kardiologen gibt es nur wenige Experten im Bereich der angeborenen Herzkrankheiten. 

„Allen betroffenen Erwachsenen sollte eine lebenslange Überwachung durch einen auf angeborene Erkrankungen spezialisierten Kardiologen angeboten werden“, so der FFC. Der Mangel an Spezialisten sei ein Problem. Der Verband ermittelte lediglich 60 Spezialisten in ganz Frankreich. 

Dem Weißpapier zufolge kann eine unzureichende Patientenüberwachung später zu Komplikationen wie Herzrhythmusstörungen, hohem Blutdruck oder Herzversagen führen. 

In ganz Europa sind Herzkrankheiten die Ursache von ungefähr vier Millionen Todesfällen pro Jahr. Nach Angaben der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie sind beinahe die Hälfte dieser Todesfälle in der EU zu verzeichnen.

Einige angeborene Herzfehler können eine ernsthafte Herausforderung für Frauen im gebärfähigen Alter darstellen. Sie erhöhen das Sterberisiko während der Schwangerschaft und der Geburt drastisch. Die Todesrate unter schwangeren Frauen fällt – dennoch sind in Frankreich 15 Prozent aller Todesfälle während der Entbindung auf Herzkrankheiten zurückzuführen. 

Der FFC empfiehlt jungen Frauen mit angeborenen Herzfehlern, bei der Wahl ihrer Verhütungsmethoden genau achtzugeben und den Rat eines Kardiologen zu suchen, bevor sie ein Kind zeugen.