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27/08/2016

Gesundheitsbericht: Ungleichheiten innerhalb der EU trotz Verbesserungen

Innovation

Gesundheitsbericht: Ungleichheiten innerhalb der EU trotz Verbesserungen

Die Gesundheit in der EU hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich verbessert. Foto: [Faisal Aljunied/Flickr]

Die EU-Staaten in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte bei der Gesundheit ihrer Bevölkerung. Eine Studie zeigt aber auch: Es gibt weiterhin große Ungleichheiten zwischen den Mitgliedsstaaten – und in den Ländern selbst. EurActiv Brüssel berichtet.

Der Bericht “Health at a Glance: Europe 2014” vergleicht die Gesundheitsdaten in Europa. Darunter fallen Risikofaktoren für die Gesundheit und der Zugang zu qualitativ hochwertiger Gesundheitsversorgung in der EU. Diese Faktoren werden unter Benutzung der von der Kommission entwickelten Gesundheitsindikatoren der Europäischen Gemeinschaft (ECHI) analysiert.

Die Lebenserwartung stieg in den Mitgliedsstaaten seit 1990 im Durchschnitt um mehr als fünf Jahre. Dennoch gibt es zwischen den Ländern mit der höchsten und der niedrigsten Lebenserwartung weiterhin eine Lücke von acht Jahren. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt 2012 bei 79,2 Jahren. Die Länder mit der höchsten Lebenserwartung sind Frankreich, Italien und Spanien. Die Menschen in Bulgarien, Lettland, Litauen und Rumänien leben durchschnittlich am kürzesten.

Große Unterschiede bestehen auch weiterhin innerhalb der Mitgliedsstaaten. Die Gesundheit und Lebenserwartung hängt weiterhin vom sozioökonomischen Hintergrund ab. Menschen mit höherem Bildungsstand und Einkommen leben mehrere Jahre länger und haben durchschnittlich eine bessere Gesundheit.

In einigen zentral- und osteuropäischen Ländern haben gut ausgebildete Männer im Alter von 65 Jahren eine um vier bis sieben Jahre höhere Lebenserwartung als ihre schlechter ausgebildeten Altersgenossen. Im Durchschnitt leben Frauen EU-weit sechs Jahre länger als Männer. Diese Geschlechterlücke  liegt bei nur einem Jahr, wenn man die gesunden Lebensjahre (definiert als die Zahl der Lebensjahre von Aktivitätseinschränkung) zugrunde legt. 

Dem Bericht zufolge sind die Ungleichheiten auf viele Faktoren zurückzuführen. Sie liegen auch außerhalb des Gesundheitssystems. Dazu zählt die Umwelt, in der die Menschen leben sowie ihre individuellen Lebens- und Verhaltensweisen. Doch auch Unterschiede beim Zugang zur Gesundheitsversorgung und die Qualität der Versorgung spielen eine Rolle.

Auswirkungen der Gesundheitsausgaben

Die Qualität im Gesundheitswesen könnte sich in Zukunft noch verschlechtern. Denn viele Regierungen strichen die Gesundheitsausgaben während der Krise zusammen. Zwischen 2009 und 2012 sanken die Ausgaben effektiv (Inflationsbereinigt) in der Hälfte der Mitgliedsstaaten.

In diesem Zeitraum sanken die Gesundheitsausgaben um 0,6 Prozent pro Jahr. Von 2000 bis 2009 stiegen sie jährlich um 4,7 Prozent. Der Rückgang hängt mit Einsparungen von Mitarbeitern und Gehältern im Gesundheitswesen zusammen. Daneben gelten die Gebührensenkung der Zahlungen für die Gesundheitsversorger, niedrigere Arzneimittelpreise und eine höhere Patientenbeteiligung als ausschlaggebend.

In einigen Ländern wie Deutschland, Österreich und Polen stiegen die Ausgaben für Gesundheit seit 2012 leicht an. In Griechenland, Italien, Portugal und Spanien sowie in Tschechien und Ungarn gingen sie weiter zurück.

Die meisten Mitgliedsstaaten haben eine (beinahe) flächendeckende Gesundheitsversorgung für einige grundlegende Gesundheitsdienstleistungen. Allerdings steht in Bulgarien, Griechenland und Zypern ein erheblicher Anteil der Bevölkerung ohne Krankenversicherung da. Doch auch in diesen Ländern unternehmen die Regierungen Anstrengungen, die Gesundheitsversorgung auch für Unversicherte zugänglich zu machen. 

Hintergrund

Die Schuldenkrise zwang einige Regierungen zu drastischen Einsparungen beim Gesundheitswesen, um das Defizit des Staatshaushalts unter Kontrolle zu bekommen.

Griechenland führte sehr einschneidende Maßnahmen durch. Aber auch andere Länder wie Frankreich, Spanien und Tschechien unternahmen ähnliche Schritte. 

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