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04/12/2016

EU-Kommission fordert: Mindestens 20 Prozent europäische Inhalte bei Netflix

Innovation

EU-Kommission fordert: Mindestens 20 Prozent europäische Inhalte bei Netflix

Netflix soll laut EU-Kommission mindestens 20 Prozent europäische Inhalte anbieten.

[cellanr/Flickr]

Die EU-Kommission will dem Online-Streamingdienst Netflix eine 20-prozentige Mindestquote für europäische Inhalte verschreiben. EurActiv Brüssel berichtet.

Ein von EurActiv geleakter, bisher geheimer Kommissionsvorschlag wird die mittlerweile sechs Jahre alte EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste reformieren. Dabei sollen die bisher nur fürs Fernsehen gültigen Gesetze auch auf Online-Streamingdienste wie Netflix angewendet werden. Am 25. Mai werden Vizekommissionspräsident Andrus Ansip und Digitalisierungskommissar Günther Oettinger die Änderungen der Richtlinie bekanntgeben – zusammen mit einer ganzen Reihe anderer Vorschläge zum E-Commerce und Geoblocking.

Dem geheimen Dokument zufolge sollen gerechtere Ausgangsbedingungen zur Förderung europäischer Filme und Serien geschaffen werden. So wolle man On-Demand-Dienstleistern vorschreiben, mindestens 20 Prozent für europäische Werke im Angebotskatalog zu reservieren, um ihnen auf diese Weise eine angemessene Präsenz zu sichern. Unter der abgeänderten Richtlinie sollen EU-Länder Streaming-Dienste sogar dazu verpflichten können, finanzielle Mittel für die Produktion europäischer Filme oder Serien bereitzustellen. Ein Netflix-Sprecher weigerte sich, zu dem Vorschlag Stellung zu beziehen.

„Diese überraschende Einbindung ist nicht notwendig“, erklärt James Waterworth , Vizepräsident des Brüsseler Büros vom CCIA-Handelsverband, im Gespräch mit EurActiv. Netflix und andere Internetunternehmen wie Amazon sind Mitglied im CCIA. „Die Idee kultureller Quoten ist überholt und liegt im 21. Jahrhundert nicht mehr im Interesse der Kunden. Es hilft weder den Internet- noch Inhaltsinnovatoren“, betont Waterworth.

Aus Netflix-Kreisen heißt es, das Unternehmen biete ohnehin schon mehr als 20 Prozent europäische Inhalte an. Der Netflix-Service ist in 28 Ländern verfügbar, auch wenn das Streaming nicht überall in der jeweiligen Landessprache angeboten wird. Diesen Monat strahlte Netflix erstmals Marseille aus, seine erste in Europa produzierte Serie. Das Unternehmen gab bereits bekannt, dass es nun auch mehr Inhalte in Europa schaffen würde, unter anderem in Zusammenarbeit mit lokalen Sendern.

Letztere dürfen sich auf laxere Werbevorschriften in den Kommissionsvorschlägen freuen. So sollen stündliche Werbebegrenzungen entfallen und durch 20-prozentige Tageslimits von 7 bis 23 Uhr ersetzt werden. Schon seit einiger Zeit setzen sich Sender für mehr Flexibilität bei der Werbeschaltung ein. „TV-Filme, Kinofilme und Nachrichten könnten häufiger unterbrochen werden. Auch mehr einzelne Werbespots wären zulässig“, heißt es im Entwurf.

Video-On-Demand-Dienste müssen sich auch an die Vorschriften zum Schutz von Minderjährigen halten. Einige Sender beschränken sich bereits auf bestimmte Zeiten, in denen sie altersbeschränkte Inhalte zeigen. Die Kommission schlägt Einschränkungen vor wie zum Beispiel die Festlegung bestimmter Sendezeiten, Altersüberprüfungen oder andere technische Verfahren. Die für Minderjährige besonders ungeeigneten Inhalte wie Gewaltverherrlichung und Pornografie müssen durch strikte Maßnahmen wie Verschlüsselung oder PIN-Codes gesichert werden.“

Hintergrund

Zeitstrahl

  • 25. Mai 2016: EU-Kommission legt Reformvorschlag zur Richtlinie über audiovisuelle Medien vor.

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