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26/09/2016

Digitalisierung: EU-Kommission will mit „EU-Cloud“ an die Weltspitze

Innovation

Digitalisierung: EU-Kommission will mit „EU-Cloud“ an die Weltspitze

Für eine schnelle Digitalisierung Europas fordern Experten schon lange mehr Unterstützung durch die Politik.

flickr.com/photos/qscag/8164424558

Mehr Digitalisierung der Industrie:  Mit einer Cloud-Initiative will EU-Forschungskommissar Moedas die EU-Datenwirtschaft weltweit führend machen.

Der EU-Kommission hat eine Strategie zur Digitalisierung der europäischen Industrie vorgestellt. Ziel der Initiative ist es, die EU wieder in die Spitzengruppe der weltweiten Forschungs- und Industriestandorte zurückzuführen, wie mehrere EU-Kommissare am Dienstag in Brüssel sagten. Im Mittelpunkt der Pläne steht die Schaffung eines gemeinsamen EU-Speicherzentrums für digitale Daten, einer sogenannten Cloud, in dem Informationen aus allen Mitgliedstaaten zusammenlaufen sollen.

Die EU-Kommission spricht dabei von der „Europäischen Cloud für offene Wissenschaft“. Die sei nötig, weil Europa zwar zu den weltweit größten Produzenten wissenschaftlicher Erkenntnisse gehöre, aber die gewaltige Menge an Daten („Big Data“), die bei der Forschung entstehe, aufgrund unzureichender und uneinheitlicher Infrastrukturen nur bedingt nutzen könne. Das sei ein Nachteil für die gesamte EU-Wirtschaft. „Die Europäische Cloud-Initiative wird dazu beitragen, den Wert der ‚Big Data‘ besser zu erschließen“, sagte EU-Digitalkommissar Günther Oettinger.

2020 soll die Cloud als europäische Großinfrastruktur für Hochleistungsrechner, Datenspeicher und Netze fertig sein. Kostenlosen Zugriff auf die Daten sollen in der Entwicklungsphase zunächst nur Forschungs- und Wissenschaftseinrichtungen haben, später aber alle Unternehmen und öffentliche Dienste in der EU. „Der Nutzen der offenen Daten für Europas Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft wird enorm sein“, sagte EU-Forschungskommissar Carlos Moedas.

Neben der Cloud-Initiative will sich die EU-Kommission schwerpunktmäßig noch um vier andere Bereiche der digitalen Welt kümmern: den schnellen Mobilfunkstandard 5G, das Internet der Dinge, Daten-Technologien und Cybersicherheit. Die Entwicklung all dieser Bereiche soll EU-weit nach gleichen Standards verlaufen.

Auch zu diesem Zweck möchte die EU-Kommission die Forschung und Entwicklung auf dem Feld der Industrie-Digitalisierung von der Ebene der Einzelstaaten auf die EU-Ebene heben. Die 30 bereits bestehenden nationalen und regionalen Initiativen in der EU, etwa Industrie 4.0 in Deutschland, Smart Industry in den Niederlanden oder Nouvelle France Industrielle in Frankreich, sollen zusammengeführt werden. Die EU-Kommission will das durch Finanzhilfen, Koordination und Gesetzesinitiativen erreichen.

„Die entscheidenden Veränderungen der Wirtschaft und Gesellschaft in diesem und im kommenden Jahrzehnt werden alle durch die Digitalisierung kommen und alle Sektoren betreffen“, sagte Oettinger.

Im Mai 2015 hatte die EU-Kommission eine „Strategie für einen digitalen Binnenmarkt in Europa vorgestellt“. Die am Dienstag präsentierten Pläne zur Digitalisierung der europäischen Wirtschaft waren in dieser Strategie angekündigt worden. Vertreter der EU-Kommission bezeichnen die fortschreitende Digitalisierung häufig als „vierte industriellen Revolution“, deren Entwicklungen die EU nicht verpassen dürfe.