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01/10/2016

Deutschland bei Forschungsinvestitionen auf der Überholspur

Innovation

Deutschland bei Forschungsinvestitionen auf der Überholspur

Investitionen in Forschung und Entwicklung gehen in Deutschland vornehmlich in den Fahrzeugbau. Doch auch für öffentliche Institutionen wie Universitäten wachsen die FuE-Ausgaben.

[Universität Wien]

Deutschland holt bei Investitionen für Forschung und Entwicklung auf: Laut einer aktuellen DIW-Studie liegt die Bundesrepublik unter den ersten fünf Industrieländern. Nutznießer sind allerdings nur eine kleine Zahl von Industriebranchen.

Die EU hat sich mit der Lissabon-Strategie 2000 das Ziel gesetzt, innerhalb von zehn Jahren die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) auf drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu steigern. Deutschland hat dieses Ziel 2012 so gut wie erreicht, heißt es in einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

„Die FuE-Intensität der Bundesrepublik lag über dem Durchschnitt der OECD-Länder, aber auch vor den USA und weit vor Frankreich und Großbritannien“, stellte das Institut fest.

Führend ist der Studie zufolge Südkorea mit einer Quote von 4,4 Prozent. Es folgen Finnland, Schweden und Japan mit Quoten zwischen 3,6 und 3,4 Prozent. Deutschland rangierte mit rund 3,0 Prozent auf Rang fünf. Die USA kamen auf 2,8 Prozent. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2012.

Deutschland hat dem DIW zufolge bei Forschung und Entwicklung seit 2005 jedoch mit relativ hohem Tempo zugelegt. „In den letzten Jahren gab es nur ein Land, in dem die Forschungsinvestitionen schneller gewachsen sind als in Deutschland, und das war Südkorea“, sagt die Leiterin der Untersuchung, die DIW-Wissenschaftlerin Heike Belitz.

Fahrzeugbau größter Nutznießer

85 Prozent der privaten Forschungsinvestitionen fließen in Deutschland in das verarbeitende Gewerbe. Zum Vergleich: In den USA sind es nur 70 Prozent, in Frankreich knapp 50 Prozent und in Großbritannien 37 Prozent. Die FuE-Aufwendungen sind dabei in Deutschland im Wesentlichen auf drei Branchen konzentriert, den Kraftfahrzeugbau, die Computer- und Elektrotechnik sowie den Maschinenbau. Fast ein Drittel der Investitionen in Deutschland wird allein im Kraftfahrzeugbau getätigt.

Die DIW-Studie hat auch den Zusammenhang zwischen Forschungsinvestitionen und Wirtschaftswachstum unter die Lupe genommen. „Eine Erhöhung der Forschungsausgaben führt schon im Folgejahr zu einem signifikanten Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP)“, erklärt Studienleitern Belitz. Demnach fu?hre ein Anstieg des Wachstums der gesamtwirtschaftlichen Forschungsausgaben um einen Prozentpunkt kurzfristig zu einer Erhöhung des Wachstums des Bruttoinlandsprodukts um durchschnittlich etwa 0,05 bis 0,15 Prozentpunkte, so die Studie. Deutschland rangiere im oberen Bereich dieser Spanne.

Auch öffentliche Investitionen steigend

Doch nicht nur die privaten Investitionen hätten in den vergangenen Jahren aufgeholt. Seit 2007 gebe es der Studie zufolge ein wesentlich stärkeres Wachstum der Forschungsinvestitionen im Bereich der o?ffentlichen Forschung, also in staatlichen Forschungseinrichtungen und Hochschulen. „Es gibt ein wesentlich sta?rkeres Wachstum der Forschungsinvestitionen im Bereich der o?ffentlichen Forschung. Darin sehen wir in gewisser Weise einen Politikwechsel, der aber sicher wesentlich dazu beigetragen hat, dass Deutschland heute so gut dasteht“, so Studienleiterin Belitz.

Die DIW-Experten warnen jedoch davor, sich auf den aktuellen Spitzenwerten auszuruhen. Staat und Privatwirtschaft dürften in den kommenden Jahren nicht nachlassen: „Für ein Land, das seinen Wohlstand zu einem bedeutenden Anteil der FuE-intensiven Industrie und den produktionsnahen wissensintensiven Dienstleistungen verdankt, bleiben Forschung und Entwicklung zentrale Voraussetzungen für das künftige Wachstum.“

Weitere Informationen

DIW-Studie: Wachstumstreiber FuE (25. August 2015)