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01/10/2016

Deutsche Wirtschaft fällt bei Innovationen zurück

Innovation

Deutsche Wirtschaft fällt bei Innovationen zurück

Foto: Reilly Butler (CC BY-SA 2.0)

Die deutsche Wirtschaft ist bei ihrer Innovationsstärke einer Studie zufolge international abgerutscht. Die Schweiz hingegen kann ihre Position als innovativste Volkswirtschaft der Welt auch im Jahr 2014 verteidigen. Zwölf der 20 innovationsstärksten Länder der Welt kommen aus Europa.

Im internationalen Vergleich von 35 Industrienationen belegt Deutschland im sogenannten „Innovationsindikator 2014“ den sechsten Platz. Die Studie wurde vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und zwei weiteren Instituten im Auftrag der Telekom-Stiftung und des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) angefertigt und am Mittwoch vorgestellt. Mit einem Indikatorwert von 56 Za?hlern liegt Deutschland demnach deutlich hinter den fu?hrenden La?ndern Schweiz (76 Punkte) und Singapur (65 Punkte). Der Abstand zu den unmittelbar vor Deutschland liegenden La?ndern Schweden (56), Belgien (58) und Finnland (60) ist relativ gering.

Gegenu?ber dem Vorjahr hat sich der Indikatorwert Deutschlands kaum vera?ndert, auch die Rangplatzierung ist dieselbe. Im la?ngerfristigen Vergleich konnte Deutschland seinen Aufholprozess, der 2005 startete, absichern, aber nicht fortfu?hren. Nach 2010 fand keine Verbesserung der deutschen Innovationsleistung im Vergleich zu den wichtigsten Wettbewerbern statt.

Die deutsche Wirtschaft hat im Vergleich zum Vorjahr einen Punkt eingebüßt und fiel vom dritten auf den fünften Rang zurück. Neben der Schweiz schnitten Südkorea, Taiwan und Norwegen besser als Deutschland ab. Wesentliche Ursachen für die leichte Verschlechterung der Innovationsleistung der Wirtschaft sind laut Studie vergleichsweise geringe Wagniskapitalinvestitionen, eine wenig dynamische Entwicklung der internationalen Patentanmeldungen, ein verhaltenes Wachstum der Beschäftigung in den wissensintensiven Dienstleistungen sowie ein langsamerer Zuwachs der FuE- Ausgaben der Unternehmen.

„Eine hohe Innovationsleistung der Unternehmen ist kein Selbstläufer. Wir brauchen eine stärkere staatliche Unterstützung privater Investitionen in Forschung und Entwicklung“, fordert Dieter Schweer, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des BDI. „Dazu gehören eine steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung und eine Verbesserung der steuerrechtlichen Rahmenbedingungen für Risikokapital“.

Im Bildungsbereich verbesserte sich der Indikatorwert Deutschlands im zweiten Jahr in Folge. Dies lag primär an besseren PISA-Ergebnissen, einer weiteren Internationalisierung der Hochschulausbildung und mehr Promovierten in natur- und ingenieurwissenschaftlichen Fächern. Gleichwohl bleibt die Bildung mit einem 11. Rang und nur 48 Punkten der Schwachpunkt Deutschlands im Innovationsindikator. „Gut, dass wir uns in diesem so entscheidenden Bereich verbessern. Doch auch eine Verbesserung von Rang 15 auf Rang 11 kann den Ansprüchen Deutschlands nicht genügen“, so Klaus Kinkel, Vorsitzender der Telekom-Stiftung. „Die unterschiedlichen bildungspolitischen Ansätze der einzelnen Länder sind ein ebenso gewaltiger Hemmschuh für ein besseres Bildungssystem wie das Kooperationsverbot, das lieber heute als morgen gänzlich abgeschafft werden muss.“

Die deutsche Wissenschaft konnte ihre Innovationsleistung im Innovationsindikator 2014 im Vorjahresvergleich verbessern und landet auf Rang 9. Der Beitrag des Staates zur deutschen Innovationsleistung hat sich ebenfalls verbessert. Damit wurde der seit 2002 andauernde positive Trend fortgesetzt. Im Bereich der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Innovationen liegt Deutschland mit Platz 11 im Mittelfeld der innovationsorientierten Volkswirtschaften.

Die Studie wird seit 2005 von der Deutsche Telekom Stiftung und dem BDI herausgegeben. Sie beleuchtet die für Innovationsfähigkeit wichtigen Felder Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Staat und Gesellschaft. Schwerpunkt der aktuellen Untersuchung ist ein Vergleich der drei großen Wirtschaftsräume Nordamerika, Asien und Europa. Hier konnte Europa seine Innovationsleistungen langsam, aber kontinuierlich verbessern. Zwölf der 20 innovationsstärksten Länder der Welt kommen aus Europa.

Im Fokus der diesjährigen Ausgabe des Innovationsindikators steht ein Vergleich der drei großen Wirtschaftsräume Nordamerika, Europa und Asien. Demnach hat Europa seit dem Jahr 2000 seine Innovationsleistung langsam, aber stetig verbessert und ist 2010 sogar an Nordamerika vorbeigezogen. Im Bereich Wissenschaft liegt Europa schon seit 2005 vor Nordamerika. Mit Blick auf internationale Leuchttürme wie Harvard, Stanford und das MIT sind die USA im Bereich wissenschaftlicher Forschungsexzellenz indes noch immer unangefochten führend. Die asiatischen Länder dagegen erreichen lediglich im Bereich Wirtschaft eine annähernd so gute Leistung wie Europa und Nordamerika.