EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

29/08/2016

Brüssel gibt Gas im globalen Wettrennen um fahrerlose Autos

Innovation

Brüssel gibt Gas im globalen Wettrennen um fahrerlose Autos

Google entwickelt und testet bereits selbstfahrende Autos in den USA.

[Wikipedia]

Aufwind für autonomes Fahren: Zum ersten Mal trifft sich die neue Expertengruppe der EU-Kommission zu autonomen Fahrzeugen – der jüngste Versuch der Kommission, fahrerlose Autos in der EU zu entwickeln. EurActiv Brüssel berichtet.

Fahrzeughersteller, Verbraucherorganisationen, NGOs, die Kommission und nationale Vertreter werden in den nächsten zwei Jahren vermehrt zusammenkommen, um gemeinsam einen Plan für die Entwicklung selbstfahrender Fahrzeuge aufzustellen. Diese Automobile sollen dann bis 2030 in Europa erhältlich sein – so das Ziel der Kommission. In der Gruppe wird man außerdem über die Einführung neuer Gesetze diskutieren, um autonome Fahrzeuge auf offenen Straßen zuzulassen.

Die Kommission hat ihre Anstrengungen zur Förderung solcher Fahrzeuge beschleunigt und im Laufe der letzten Monate Fahrzeugfunktionen vernetzt. Bis zum kommenden Sommer wird die EU allen Erwartungen nach eine neue Vernetzungs- und Fahrzeugstrategie präsentieren. Im vergangenen September einigten sich die Automobilindustrie und Telekommunikationsunternehmen darauf, eine Forderungsliste zur Weiterentwicklung von Vernetzung und autonomen Fahrzeugfunktionen für die Kommission zu entwerfen.

Die neue Expertengruppe GEAR 2030 ist jedoch die erste kommissionseigene Initiative, die sich dem tatsächlichen Einsatz fahrerloser Autos auf europäischen Straßen widmet. Die EU-Vertreter hinter den Förderbemühungen befürchten, dass kapitalstarke Entwickler aus den USA, Japan und anderen Ländern mit rasender Geschwindigkeit davonziehen werden. Noch in diesem Monat verkündete die Obama-Regierung, sie werde über die nächsten zehn Jahre hinweg vier Milliarden Dollar in die Entwicklung autonomer Fahrzeuge investieren.

Laut einem Kommissionsdokument zu den Plänen der Gruppe, dürfe man die Frage nach dem Wettbewerb nicht vernachlässigen. “Fahrzeughersteller befinden sich in einem weltweiten Wettrennen bei der Fahrzeugautomatisierung und der Vernetzung mit IT-Unternehmen (z. B. Google, Apple und Tesla)”, heißt es im Dokument.

Ein Google-Sprecher verweigerte eine Stellungnahme zur Gruppe, in der weder Google selbst noch andere Technologieunternehmen vertreten sind. Der IT-Konzern entwickelt und testet derzeit eigene fahrerlose Fahrzeuge in den USA. Telekommunikationsunternehmen sind ebenfalls kein Teil der Gruppe.

Der Dachverband der Europäischen Automobilhersteller (ACEA), Mitglied der GEAR-2030-Gruppe, hat bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Artikels ebenfalls noch nicht Stellung bezogen.

EU-Binnenmarktkommissarin El?bieta Bie?kowska und Klimakommissar Miguel Arias Cañete leiteten das am Dienstag stattfindende Treffen. Günther Oettinger, Digitalisierungskommissar, und Marianne Thyssen, Beschäftigungskommissarin, waren ebenfalls anwesend.

Auf dem europäischen Markt verfügen bereits einige Automobilmodelle über ein geringes Automatisierungsniveau. In einem an die Teilnehmer der Gruppe ausgehändigten Dokument steht, dass in dem Moment, in dem hochautomatisierte Fahrzeuge zur Verfügung stehen, EU-weite Gesetze zur Haftung nach Autounfällen sowie zur Regulierung der Cyber-Sicherheit, Führerscheinen und neuer Straßenverkehrsregeln nötig sein könnten.

Ein großes Hindernis für die Zulassung fahrerlose Fahrzeuge ist die UN-Straßenverkehrskonvention. Ihr zufolge müssen Fahrer ihr Auto jederzeit unter Kontrolle haben. 73 Länder haben die Übereinkunft unterschrieben, darunter fast alle EU-Mitgliedsstaaten. Ein Kommissionsvertreter sagte EurActiv, dass sich die Menschen der möglichen Einschränkungen bewusst seien, die das UN-Abkommen mit sich bringe. Mehrere EU-Länder reichten 2014 Änderungsvorschläge für die Konvention ein, die zumindest teilweise autonome Fahrzeuge zulassen, solange sie sich von einem menschlichen Fahrer ausschalten lassen. Das Kommissionsdokument erklärt, dass es laufende Diskussionen über weitere Änderungen zur Beseitigung der Hindernisse für vollautomatisierte Fahrzeuge gebe.

Zeitstrahl

  • 26. Januar 2016: erstes hochrangiges Treffen der Expertengruppe GEAR 2030.

Weitere Informationen