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30/07/2016

Salafisten spannen ihre Netze in der EU

Globales Europa

Salafisten spannen ihre Netze in der EU

Radikale Islamisten in Frankfurt am Main feiern den salafistischen Hassprediger Pierre Vogel. Foto: Boris Roessler/dpa

Die salafistische Szene predigt öffentlich den “Heiligen Krieg” und sendet immer mehr junge Muslime in Ausbildungscamps, um sie zum Jihad zu radikalisieren. Derzeit sammeln sich radikale Salafisten im Frankfurter Raum, wo sie den “2. Islamischen Friedenskongress” planen. Die Sicherheitsbehörden beobachten die wachsende Vernetzung innerhalb der EU.

Die gefährliche Salafismus-Strömung hat sich während der letzten Monaten innerhalb der EU personell verstärkt. Nahezu alle Jahresberichte der Abwehrbehörden in den einzelnen Ländern stellen nunmehr die sicherheitsgefährdenden Bestrebungen der Islamisten an führende Stelle. Tatsache ist, fast sämtliche Terroristen wurden von der salafistischen Ideologie geprägt bzw. radikalisiert. Bekanntlich strebt jene die völlige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft an, um eine islamistische Ordnung auch in der EU herzustellen.

Dabei betreiben die "politischen Salafisten" eine massive Propagandatätigkeit; speziell per Internet befindet sie sich auf hohem Niveau. Primär soll sie die Ideologie zum "Jihad" und damit den "Heiligen Krieg" vorbereiten, aber auch den Einzelnen radikalisieren und gewaltbereite Salafisten verstärkt motivieren. Die Jihadisten setzen auf terroristische Gewalt, die sie für völlig legitim erachten, da sie der angeblichen "Verunglimpfung des Propheten (durch den "ungläubigen" Westen) entgegentreten". Von den Sicherheitsbehörden werden sie daher als "die größte Gefahr" bewertet.

Mehr salafistische Verbindungen in der EU

In jüngster Zeit sind die internationalen Verbindungen der Salafisten innerhalb der EU gewachsen, wenn auch noch nicht gefestigt und im Einzelfall von persönlichen Kontakten der führenden "Gotteskrieger" abhängig.

Das Weltbild der Salafisten habe vor allem für Konvertiten und muslimische Migranten der zweiten und dritten Generation eine hohe Anziehungskraft, so der hessische Verfassungsschutz. Dies ist immer wieder in Ländern Westeuropas festzustellen. Oft sind es ebenfalls junge Menschen aus zerrüttetem Elternhaus oder in einer Identitätskrise, die bei den Salafisten geistig-moralischen Halt suchen. Der Weg, ein echter Gotteskrieger zu werden, wird ihnen in bekanntlich nicht wenigen Moscheen in den EU-Ländern aufgezeigt.

Weg zur Kampfausbildung

Bisher benutzten sie dabei den Luftweg in den Iran oder direkt nach Pakistan, um dort in verschiedenen Camps eine militärische-terroristische Ausbildung für den "Heiligen Krieg" zu durchlaufen. Ihre Personalien bleiben den westlichen Sicherheitsstellen durchweg nicht verborgen.

Für manche von ihnen waren die Strapazen indessen in den rauen Gebirgen schon zu groß. Auch ihre deutlichen Verluste während des letzten Jahres durch Drohnen der Pakistani und der USA werden nicht ohne Wirkung gewesen sein. So nutzen die meisten Kampfwilligen aus den EU-Staaten neuerdings den meist visafreien Luftweg in die Türkei. Vom Süden des Landes ist es nur eine kurze Strecke zu den islamistischen Kampftruppen in Syrien; die Grenze zu überqueren, ist einfach. Nicht kontrollierbar von hier erscheint ebenfalls die Route nach Ägypten, das seit vergangenem Jahr ebenfalls eine Drehscheibe für eine Weiterreise in die Jihad-Kampfgebiete ist.

Eine wichtige Rolle spielen dabei nicht zuletzt die Sprachschulen in Alexandria, wo Salafisten primär das Terroristen-ABC erlernen. Dennoch scheinen die Abwehrstellen in den einzelnen EU-Staaten relativ gut über die Situation informiert zu sein: Man darf sehr sicher sein, dass sich gegenwärtig rund 1.000 junge Menschen aus Ländern der Europäischen Union im arabischen Bürgerkriegsland Syrien aufhalten und ein Großteil von ihnen an den Kämpfen für den Islam teilnehmen, darunter auch 60 Deutsche.

Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer stellen sie ein besonders hohes Sicherheitsrisiko dar. Ihre dann erfolgten Anschläge und Attentate sind bekannt und nicht selten. Gegenwärtig planen die Salafisten sogar den "2. Islamischen Friedenskongress", der am 7. September in Frankfurt am Main stattfinden soll.

Reaktionen der EU-Regierungen

Einige Regierungen der EU versuchen die "Gotteskrieger" durch Beschwichtigungen, Zugeständnisse und Nachgeben zu besänftigen. Eine solche Haltung wirkt auf diese jedoch gegenteilig wie ein demütiges Schuldeingeständnis. Sie wird von ihnen als erneutes Indiz für die angeblich klägliche Schwäche der Europäer aufgefasst, was sie nur zu noch weitergehenden Nötigungen ermutigt – und die Frage aufwirft, wie viel Kraft das christliche Abendland dem radikalen Islam heute noch entgegenzusetzen vermag.

Friedrich-Wilhelm Schlomann

Links


Zum Thema auf EurActiv.de: 
Immer mehr Salafisten operieren in Europa (26. März 2013) 

Frankfurter Allgemeine Zeitung: Der Rhein-Main-Salafismus (19. August 2013)