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28/09/2016

EU erhält Friedensnobelpreis

Globales Europa

EU erhält Friedensnobelpreis

Zur Abwechslung eine gute Nachricht für die zwei EU-Präsidenten Herman Van Rompuy (Rat, l.) und José Manuel Barroso (Kommission, r.). Das norwegische Nobelpreiskomitee hat die EU mit dem Friedensnobelpreises 2012 ausgezeichnet. Foto: Rat der EU

Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die Europäische Union. Das Nobelpreiskomitee in Oslo ehrt die EU als „erfolgreiches Friedensprojekt“.

Der Friedensnobelpreis 2012 geht an die Europäische Union. Das gab das norwegische Nobelpreiskomitee am Freitag in Oslo bekannt.

"Die EU und ihre Vorgängergemeinschaften haben über sechs Jahrzehnte zur Förderung des Friedens und Aussöhnung, der Demokratie und Menschenrechte in Europa beigetragen", heißt es in der Erklärung des Komitees. Das grausame Leiden während des Zweiten Weltkrieges habe gezeigt, dass es eines neues Europa brauche.

Auszüge aus der Erklärung

"Innerhalb von 70 Jahren haben Deutschland und Frankreich drei Kriege geführt. Heute ist ein Krieg zwischen Deutschland und Frankreich undenkbar. Das zeigt, wie – mithilfe großer Anstrengungen und den Aufbau gegenseitigen Vertrauens – aus historischen Feinden enge Partner werden können."

"In den 1980er Jahren sind Griechenland, Spanien und Portugal der EU beigetreten. Die Einführung der Demokratie war eine Bedingung für ihren Beitritt. Der Fall der Berliner Mauer machte die EU-Mitgliedschaft für zahlreiche Staaten Mittel- und Osteuropas möglich, was zugleich der Beginn einer neuen Ära in der europäischen Geschichte war. Die Teilung zwischen Ost und West wurde dadurch großteils beendet; die Demokratie wurde gestärkt, viele ethnisch begründete nationale Konflikte wurden beigelegt."

"Die Aufnahme Kroatiens als Mitglied im kommenden Jahr, die Eröffnung der Beitrittsverhandlungen mit Montenegro und die Verleihung des Kandidatenstatus an Serbien stärken alle den Prozess der Aussöhnung auf dem Balkan. Im vergangenen Jahrzehnt hat die Möglichkeit einer EU-Mitgliedschaft der Türkei die Demokratie und Menschenrechte in diesem Land ebenfalls vorangebracht."

"Die EU durchlebt derzeit eine schwere wirtschaftliche Krise und erhebliche soziale Unruhen. Das Anliegen des Nobelpreiskomitees ist es, das Augenmerk auf das zu lenken, was es als das wichtigste Ergebnis der EU betrachtet: der erfolgreiche Kampf für Frieden und Aussöhnung und für Demokratie und Menschenrechte. Der Stabilisierungsfaktor der von der EU ausgeht, hat dazu beigetragen, den Großteil Europas von einem Kontinent des Krieges in einen Kontinent des Friedens zu verwandeln. Die Arbeit der EU steht für die ‚Brüderlichkeit zwischen den Nationen‘ und führt zu einer Form des ‚Friedenskongresses‘, auf den sich Alfred Nobel in seinem Testament 1895 als das Kriterium zur Vergabe des Friedenspreises bezieht."

Reaktionen

Guido Westerwelle (FDP), Bundesaußenminister: "Das ist eine großartige Entscheidung, die mich stolz und glücklich macht. Die europäische Integration ist das erfolgreichste Friedensprojekt der Geschichte. Aus den Trümmern von zwei schrecklichen Weltkriegen sind Frieden und Freiheit gewachsen, aus Erbfeinden sind gute Freunde und untrennbare Partner geworden. Der Nobelpreis ist uns großer Ansporn, jetzt erst recht unsere eigenen Probleme zu lösen, mit unserem europäischen Modell der Kooperation Beispiel zu geben und unsere europäischen Anstrengungen für eine friedliche Entwicklung der Welt noch zu verstärken."

Martin Schulz
(SPD), Präsident des Europäischen Parlaments: "Es ist eine große Ehre, dass die Europäische Union den Friedensnobelpreis erhält. Dieser Nobelpreis ist eine Auszeichnung für alle Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union. Wir im Europäischen Parlament sind zutiefst berührt. Die Europäische Union hat unseren Kontinent friedlich vereint und aus ehemaligen Erzfeinden Freunde gemacht. Diese historische Leistung ist zu Recht preiswürdig. Die Werte Menschenwürde, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtstaatlichkeit und der Respekt vor den Menschenrechten sind das Fundament unserer Europäischen Union. Diese Grundwerte sind Maßstab für all unser Handeln, sowohl nach Innen hin als auch nach Außen. Einige Länder verhandeln derzeit ihren Beitritt zur Europäischen Union, was zeigt, dass die Anziehungskraft unserer Gemeinschaft trotz der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen nach wie vor ungebrochen ist. Die Prinzipien der Europäischen Union und die Werte der Versöhnung mögen anderen Regionen der Welt als Inspiration dienen. Vom Balkan bis zum Kaukasus ist die Europäische Union ein Leuchtturm für Demokratie und Verständigung."

Herbert Reul (CDU), Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europaparlament: "Das ist eine großartige Auszeichnung für das Friedensprojekt EU. Von Frieden und Wohlstand durch die europäische Einigung hat gerade Deutschland enorm profitiert. Bei allem Ringen um den besten Weg zur Überwindung der Euro-Krise dürfen wir den Erfolg des Friedensprojektes EU nie aus den Augen verlieren. Und wir Europäer müssen es schaffen, auch außerhalb Europas den Frieden zu befördern."

Markus Ferber
, Vorsitzende der CSU-Gruppe im Europäischen Parlament: "Mit dieser Auszeichnung erhält das 60jährige Friedensprojekt seine verdiente Anerkennung. Die Europäische Union ist Paradebeispiel für erfolgreiche Zusammenarbeit ehemals verfeindeter Nationen. Den Friedennobelpreis gerade in der tiefsten Krise der Gemeinschaft zu erhalten, ist ein wichtiges Signal und Ansporn für die Zukunft. Dass ich in den letzten 18 Jahren an diesem erfolgreichen Projekt durch meine Arbeite als Europaabgeordneter mitwirken konnte, erfüllt mich mit besonderem Stolz."

Rebecca Harms, Ko-Vorsitzende der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament: "Die Entscheidung des Nobelkomitees ist so überraschend und so gewagt wie mutig! Die EU, unperfekt und unfertig, ist trotzdem von 1957 bis jetzt ein einzigartiges Einigungs- und Friedensprojekt! Es ist wunderbar, dass das Nobelkomitee uns Europäer in der Krise an unsere Stärken erinnert!"

Daniel Cohn-Bendit, Ko-Vorsitzender der Grünen-Fraktion im Europäischen Parlament: "Wir freuen uns über die Verleihung des Friedensnobelpreises an die Europäische Union. Nun muss die EU diesen Friedensauftrag auch ernst nehmen und dafür eintreten, dass sie als Friedensmacht im UN-Sicherheitsrat mit einem Sitz präsentiert ist. Der Nobelpreis ist auch ein Auftrag, dass die EU sich für den sozialen Frieden in den Krisenländern der Gemeinschaft verantwortlich fühlen muss."

Manuel Sarrazin
(Grüne), Bundestagsabgeordneter: "Der Friedensnobelpreis freut uns als Europäer und ist verdient. Dieser Preis gebührt einem einmaligen Projekt für Frieden und Demokratie. Deutschland kann glücklich sein, dass es die EU gibt. Der Nobelpreis ehrt den gemeinschaftlichen Umgang in der EU, der in den letzten Jahren vor allem von Kanzlerin Merkel massiv angegriffen worden ist. Das ist ein Preis für die EU, die neue Staaten integriert, statt zwischen Euro-Zone und nicht Euro-Zone hohe Mauern zu bauen."

Weitere Reaktionen

Europa-Union Deutschland (EUD): Herzlichen Glückwunsch, Europäische Union!


mka

Links


Nobelprize.org:
The Nobel Peace Prize 2012: European Union (EU) (12. Oktober 2012)

Nobelprize.org: The Nobel Peace Prize 2012: EU