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01/10/2016

Zahl der HIV-Infektionen in Europa auf Rekordhoch

Gesundheit und Verbraucherschutz

Zahl der HIV-Infektionen in Europa auf Rekordhoch

Die Zahl der HIV-Infektionen in Europa ist 2014 auf 142.000 angestiegen. Foto: dpa

Europa verzeichnet für 2014 die bislang höchste Zahl von HIV-Infektionen. Besonders in Osteuropa ist der Anstieg rasant, wie aktuelle WHO-Zahlen belegen. Obwohl der Anteil der Flüchtlinge unter den Erkrankten rückläufig ist, warnen die Experten davor, diese Menschen „sozial auszugrenzen“.

In Europa und Zentralasien sind noch nie so viele HIV-Neuinfektionen registriert worden wie im vergangenen Jahr. Die Weltgesundheitsorganisation WHO und das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gaben am Donnerstag die Zahl der HIV-Diagnosen für 2014 mit 142.000 an – ein Rekord seit dem Auftreten der Aidserkrankung in den achtziger Jahren.

„Wir rufen die europäischen Länder auf, mutige Maßnahmen zu ergreifen und die HIV-Epidemie ein für alle Mal zu stoppen“, sagte Zsuzsanna Jakab, die Leiterin des Regionalbüros Europa der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die den Bericht veröffentlichte.

Vor allem in den östlichen Ländern der europäischen WHO-Region sei ein Anstieg zu verzeichnen – darin einbezogen sind auch Russland und Kasachstan. So hat Russland insgesamt 85.252 neue Infektionen gemeldet, im Vorjahr waren es 79.728. Die Zahl der Infektionen wird dabei jener der Diagnosen gleichgesetzt, die Dunkelziffer könnte somit höher sein. In den 28 EU-Ländern zusammen mit Island, Liechtenstein und Norwegen seien 21 Prozent neue HIV-Fälle aufgetreten. In Westeuropa nehme die Zahl hingegen ab.

In Ländern wie Estland, Rumänien oder Luxemburg werde das Virus vor allem durch heterosexuelle Kontakte oder verunreinigtes Drogenbesteck übertragen. In Ländern wie Deutschland, Ungarn oder Kroatien werde das Virus überwiegend bei Geschlechtskontakten unter Männern weitergegeben. Die Zahl der HIV-Diagnosen von Männern, die Sex mit Männern haben, sei im vergangenen Jahrzehnt in einem alarmierenden Tempo gestiegen, heißt es in dem Bericht.

Immer weniger Flüchtlinge unter HIV-Infizierten

In Deutschland wurde das Aids-Virus 2014 dem ECDC-Bericht zufolge bei 3.525 Menschen festgestellt. Das sind sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Das Robert Koch-Institut schätzt derweil, dass sich nur rund 3.200 Menschen direkt in Deutschland infiziert haben. Der Wert ist seit Jahren konstant. Es gebe eine Reihe von „Auslandsinfektionen“, die in Deutschland diagnostiziert werden.

Insgesamt stammten 31 Prozent der HIV-Träger nicht aus dem Land, in dem ihre Infektion attestiert werde, teilte die WHO mit. Knapp ein Drittel der Neuinfektionen betreffe Einwanderer. Allerdings wiesen WHO und ECDC zugleich darauf hin, dass die Zahl der HIV-Infizierten unter Flüchtlingen und Migranten in den vergangenen zehn Jahren in Europa um 41 Prozent zurückgegangen sei.

Mit Blick auf Migranten und Flüchtlinge warnte die WHO vor „sozialer Ausgrenzung“. „Wenn Flüchtlinge und Migranten in ihren Aufnahmeländern Opfer sozialer Ausgrenzung werden, wächst das Risiko, dass sie sich mit HIV anstecken“, erklärte die WHO-Direktorin für Europa, Zsuzsanna Jakab.

Die Organisation fordere daher alle europäischen Länder auf, Flüchtlingen und Migranten ungeachtet ihrer rechtlichen Stellung Zugang zu Prävention und HIV-Behandlungen zu ermöglichen. In Osteuropa stecken sich vor allem Heterosexuelle mit dem HI-Virus an. Auch verseuchte Spritzen bei Drogenabhängigen sind weiterhin eine bedeutende Infektionsquelle. Dagegen seien im EU-Raum samt Island, Liechtenstein und Norwegen homosexuelle Männer besonders betroffen.

Nach einem Bericht der Vereinten Nationen haben sich 2014 weltweit zwei Millionen Menschen mit dem Aids-Virus infiziert. Damit sind die Neuansteckungen sind seit dem Jahr 2000 um mehr als ein Drittel gesunken. 36,9 Millionen Menschen tragen das Virus in sich. 1,2 Millionen Menschen starben im vergangenen Jahr an Krankheiten im Zusammenhang mit Aids.