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28/09/2016

„Wir brauchen ein Verkaufsverbot von Energy-Drinks für Minderjährige“

Gesundheit und Verbraucherschutz

„Wir brauchen ein Verkaufsverbot von Energy-Drinks für Minderjährige“

Ob auch in Deutschland ein Verkaufsverbot für Minderjährige kommt, ist fraglich.

[ Simon Desmarais/Flickr]

Die EU-Kommission will erweiterte Werbung für Energy-Drinks zulassen. Verbraucherschützer warnen vor falschen Gesundheitsversprechen und den Folgen für Kinder und Jugendliche.

Entweder sie „verleihen Flügel“ oder „pushen mit der vollen Monster Ladung“. Das versprechen zumindest die Werbekampagnen bekannter Energy-Drink-Hersteller. Mit einem Gesetzesentwurf der EU-Kommission sollen nun weitere Werbeversprechen für Koffein erlaubt werden. Sollte der Entwurf im Europaparlament die notwendige Mehrheit finden, könnten Hersteller ihre Produkte bald mit „Ausdauerleistung“, „Konzentration“ und „Wachsamkeit“ bewerben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte diese Wirksamkeit zuvor wissenschaftlich untersucht und bestätigt.

Für die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch spielt das jedoch keine Rolle. „Es geht nicht darum, ob diese Wirkungen tatsächlich eintreten, sondern um die gesundheitlichen Folgen für Kinder und Jugendliche“, sagte Oliver Huizinga, Experte für Lebensmittelmarketing, im Gespräch mit EurActiv.de.

Foodwatch hatte sich bereits zuvor mehrfach für die Einführung eines Verkaufsverbotes von Energy-Drinks an Minderjährige ausgesprochen. Vorbild hierbei sind Lettland und Litauen. In den beiden baltischen Ländern ist die Abgabe von Energy-Drinks an Jugendliche unter 18 Jahren verboten. In Deutschland hingegen scheint ein solches Verbot bisher kein Thema zu sein. Der für Verbraucherschutz zuständige Bundeslandwirtschaftsminister blockt jedoch ab. Es gebe bereits zahlreiche Gesundheitshinweise auf den Dosen und daher vorerst auch keine Gründe für ein Abgabeverbot, so Christian Schmidt.

Seit Dezember 2015 steht auf koffeinhaltigen Getränken nun der Hinweis: „Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen.“ Laut Foodwatch liegt genau hier das Problem. „Wenn Kinder die Produkte nicht verzehren sollen, dann fragt man sich, warum sie sie dennoch palettenweise kaufen dürfen“, meint Huizinga. Nur Altersbeschränkungen seien zielführend. Zumindest die aktuellen Statistiken aus Litauen scheinen dies zu bestätigen. Dort sind die Verkaufszahlen von Energy-Drinks infolge des Verbotes eingebrochen.

Auch der zuständige Ausschuss für Lebensmittelsicherheit im EU-Parlament spricht sich gegen den Entwurf der Kommission aus. „Wir wollen Unternehmen nicht auch noch dabei helfen, eine Menge Geld mit falschen Gesundheitsversprechen zu verdienen“, fasst die dänische Europaabgeordnete Christel Schaldemose die Position des Ausschusses zusammen. Wenn der Entwurf morgen im Parlament zur Abstimmung kommt, könnten die Abgeordneten ihn noch mit einer absoluten Mehrheit zu Fall bringen.

Inwieweit man rechtlich gegen eventuell irreführende Werbeversprechen von Unternehmen vorgehen kann, bleibt unklar. Zumindest in den USA hatte eine Klage wegen Falschwerbung gegen den Energy-Drink-Riesen Red Bull Erfolg. Die Kläger bekamen nicht nur Recht, sondern auch Schadensersatz in Millionenhöhe, da ihnen, anders als in der Werbung versprochen, keine Flügel gewachsen waren.