WHO-Studie: Unkrautvernichter Glyphosat „wahrscheinlich krebserregend“

Die Grünen fordern eine neue Riskikobewertung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das Planzengift als "wahrscheinlich krebserregend" ein. [campact/Flickr]

Eine Studie der internationalen Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation stuft den weit verbreiteten Unkrautvernichter Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Die Grünen fordern nun eine neue Risikobewertung durch die Bundesregierung.

Die Grünen fordern eine neue Prüfung der Risiken des möglicherweise krebserregenden Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat. Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufe das Pflanzengift als „wahrscheinlich krebserregend“ ein und könne dies durch seine am Mittwoch vorgelegte Monografie auch wissenschaftlich belegen, erklärte der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europaparlament, Martin Häusling, am Donnerstag. Es sei unverständlich, dass Deutschland dem Mittel im laufenden EU-Wiederzulassungsverfahren einen „Persilschein“ ausgestellt habe.

Die Bundesregierung und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) müssten „jetzt endlich aufhören mit ihrer Glyphosat-Verharmlosung“, forderte auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Wenn sich das Urteil der WHO-Experten bestätige, dürfe es keine Neuzulassung für das Mittel geben. Häusling forderte die EU-Kommission und die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) auf, die Risikobewertung Deutschlands zurückzuweisen und eine Neubewertung einzufordern. Die Beurteilung durch das BfR „taugt nicht als Grundlage für ein Wiederzulassungsverfahren“.

Zuvor hatten bereits die Verbraucherschutzminister der Länder in Deutschland ein EU-weites Verbot für das Pflanzenschutzmittel gefordert. Dabei sei aus „Vorsorgegründen die Abgabe an und die Anwendung durch Privatpersonen zu verbieten“.

Glyphosat ist in der EU noch bis Ende 2015 offiziell zugelassen, eine turnusmäßige Neuzulassung ist derzeit im Gange. Im EU-weiten Zulassungsprozess ist Deutschland als Berichterstatter für die Koordination zuständig. Das BfR hatte dazu die Gesundheits- und Umweltrisiken von Glyphosat überprüft und sieht nach eigenen Angaben „keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat“.

Das BfR teilte am Donnerstag mit, die IARC-Monografie im Auftrag der Bundesregierung zunächst „wissenschaftlich“ zu prüfen – „hinsichtlich neuer bislang nicht berücksichtigter Unterlagen, der Bewertungsergebnisse, der Qualität und Methodik“. Das Ergebnis werde auch an die Efsa geschickt.

Zugleich wies das Bundesinstitut darauf hin, dass in vielen in der Wissenschaft diskutierten Studien zu einer möglichen krebserregenden Wirkung Glyphosats der Wirkstoff nicht isoliert als Reinsubstanz verwendet werde, sondern als handelsübliches Produkt aus verschiedenen Komponenten. Ihre Aussagekraft sei „eher gering“, da die Beistoffe toxischer sein könnten und die Zusammensetzung der Mittel oft nicht beschrieben werde.

Glyphosat ist weltweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Es kommt in der Landwirtschaft, insbesondere im Obst- und Getreideanbau zum Einsatz, aber auch in Kleingärten.

Der Marktanteil dieses Herbizids könnte in Zukunft noch weiter steigen – sollte der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen in einigen EU-Staaten zugelassen werden. Gentechnisch veränderte Pflanzen wie Mais besitzen größtenteils eine Resistenz gegen Glyphosat. Dadurch können die Herbizide auf den Feldern ausgebracht werden, um Unkraut und andere Pflanzen zu vernichten, ohne dabei jedoch die Nutzpflanzen zu schädigen.

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