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22/01/2017

WHO: 400 Europäer sterben täglich an Hepatitis

Gesundheit und Verbraucherschutz

WHO: 400 Europäer sterben täglich an Hepatitis

Demonstration in Spanien für die Bekämpfung von Hepatitis C.

[Fotomovimiento/Flickr]

Rund 400 Europäer sterben jeden Tag an den Folgen von Hepatitis B und C-Erkrankungen, überwiegend in Osteuropa. Und beinahe 30 Millionen Menschen leben mit der Infektion, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am heutigen Welt-Hepatitis-Tag erklärt. EurActiv Brüssel berichtet.

In den vergangenen vier Jahrzehnten ist die Zahl der Europäer mit Hepatitis B und C drastisch gestiegen – auch weil die politischen Entscheider nur zögerlich gehandelt haben.

Ein Virus verursacht die Erkrankungen, die vor allem die Leber beeinträchtigen. Der Krankheitsverlauf von Hepatitis ist oft asymptomatisch und schreitet nur langsam voran. Deshalb ist die Krankheit auch als „stiller Killer“ bekannt.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekommt Virushepatitis wenig Aufmerksamkeit von den politischen Entscheidern, das öffentliche Bewusstsein über die Krankheit ist kaum ausgeprägt.

Die meisten Länder befassen sich nur widerwillig mit Virushepatitis, so die WHO. Das gelte auch für den Zugang zu Behandlung und Prävention, was die Kosten für Medikamente und die Diagnose gesenkt hätte.

„Die tragischen Hepatitis-Todesfälle könnten verhindert werden, indem man Neuinfektionen stoppt und die Überprüfung sowie den Behandlungszugang für die Infizierten verbessert“, sagt Martin Donoghoe vom Gemeinsamen Tuberkulose, HIV/AIDS und Hepatitis-Programm der WHO/Europa.

„Das bedeutet, unsichere Bluttransfusionen und Praktiken bei Injektionen zu stoppen, Kinder gegen Hepatitis B zu impfen und zu gewährleisten, dass die am meisten Gefährdeten getestet werden und die Medikamente bekommen, die sie für die Behandlung von Hepatitis B und die Heilung von Hepatitis C benötigen“, so Donoghoe.

Es sind vor allem die Virus-Übertragung über das Blut und unsichere Injektionen, die die Zahl der Betroffenen in Europa ansteigen lässt. Der WHO zufolge ist die Einrichtung von Impfprogrammen die beste Art, die Krankheit zu bekämpfen.

Die Impfung Neugeborener ist der wirksamste und sicherste Weg für die Verhinderung einer Mutter-Kind-Übertragung der viralen Hepatitis B. Der Impfstoff bietet lebenslangen Schutz vor einer Infektion.

Die WHO arbeitet derzeit an einer globalen Strategie zur Bekämpfung der Virushepatitis. Das erklärte Ziel ist die Beseitigung der Krankheit als ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit. Damit sollen Millionen vor dem Tod durch eine chronische Lebererkrankung bewahrt werden. Im September wird Schottland Gastgeber des ersten Welt-Hepatitis-Gipfels sein. Dann soll der Virus auf die Agenda der politischen Entscheider kommen.

Hintergrund

Virushepatitis beeinträchtigt jedes Jahr Millionen Menschen, verursacht Behinderungen und den Tod. Die meisten Menschen mit Hepatitis B oder C wissen nichts von ihrer Infektion.

Hohe Infektionsraten, ein Produktivitätsverlust und die finanziellen Behandlungskosten sind eine große Belastung für Gesellschaften auf der ganzen Welt.

In dem Bericht Hepatitis B and C: An action plan for saving lives in Europe kommen Experten dennoch zu dem Schluss, dass die Weltgemeinschaft das Problem dieser stillen Pandemie noch nicht auf systematische und entschiedene Weise angeht.

Zeitstrahl

  • 28. Juli: Welt-Hepatitis-Tag
  • 2.-4. September: Erster Welt-Hepatitis-Gipfel in Glasgow, Schottland

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