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28/09/2016

Weiter hohe Kosten trotz Rückgang tödlicher Herzinfarkte in EU

Gesundheit und Verbraucherschutz

Weiter hohe Kosten trotz Rückgang tödlicher Herzinfarkte in EU

Die Gesamtkosten kardiovaskulärer Erkrankungen belaufen sich Schätzungen zufolge auf 196 Milliarden Euro im Jahr.

[Department of Foreign Affairs and Trade / Flickr]

Immer weniger Menschen sterben EU-weit an Herz- und Schlaganfällen, zeigen neue Daten. Dennoch verursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen weiterhin hohe Kosten. EurActiv Brüssel berichtet.

Die am 4. Mai veröffentlichen Eurostat-Zahlen zeigen: 2013 starben etwa 1,1 Millionen Menschen an einem Herzinfarkt (644.000) oder Schlaganfall (433.000). Damit sind diese beiden Herz-Kreislauf-Erkrankungen für 21,6 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Die Eurostat-Zahlen zeigen aber auch, dass die Sterberaten im Vergleich zum Jahr 2000 zurückgegangen sind. Damals machten Herzinfarkte 16,6 Prozent und Schlaganfälle 11,5 Prozent der Todesfälle aus. Das entspricht einem Rückgang um 12,9 beziehungsweise 8,7 Prozent.

Frankreich ist Klassenbester

In Frankreich kamen 2013 am wenigsten Menschen aufgrund von Herz-Kreislauf-Problemen ums Leben: sechs Prozent wegen eines Herzinfarkts und 5,7 Prozent wegen eines Schlaganfalls. 2000 lagen diese Werte noch bei 8,3 beziehungsweise 7,2 Prozent. Besonders gut schneiden die Franzosen im Vergleich zu den Deutschen (14,4 und 6,5 Prozent) und Italienern (11,9 und 9,7 Prozent) ab. Insgesamt starben in Frankreich 34.154 Menschen an einem Herzinfarkt und 32.573 an einem Schlaganfall. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 129.127 beziehungsweise 58.673 und in Italien 71.572 beziehungsweise 58.373.

An unteren Ende der Skala für tödliche Herzattacken stehen zwei baltische Staaten: Litauen mit 36,7 Prozent und Lettland mit 28,9 Prozent. Bei den Schlaganfällen sind es zwei Balkanstaaten, nämlich Bulgarien mit 19,7 Prozent und Rumänien mit 18,7 Prozent.

Laut Eurostat gab es den prägnantesten Rückgang von tödlichen Herzinfarkten in Estland. Dort sank ihr prozentualer Anteil an den Todesfällen von 32,3 Prozent 2000 auf 23 Prozent 2013. Die Zahl der Schlaganfalltodesopfer sank am stärksten in Portugal (von 19,8 auf 11,5 Prozent).

Wirtschaftliche Kosten bleiben hoch

Bis zu 75 Prozent der gesunkenen Sterberaten habe man durch die Minderung von Risikofaktoren erzielen können, erklärt Susanne Løgstrup, Direktorin des Brüsseler EHN-Netzwerks (European Heart Network), welches sich aus Herzstiftungen und NGOs zusammensetzt. Vor allem dazu beigetragen haben ihr zufolge verringerte Cholesteringehalte, Raucherprävalenz und verbesserte Blutdruckwerte, aber auch medikamentöse und operative Behandlungen.

Mit einem Anteil von 20 Prozent an den gesamten Todesursachen seien Herzinfarkte und Schlaganfälle jedoch noch immer eine schwere Last. „Die zunehmende Pflege im Krankenhaus sowie chirurgische Eingriffe verursachen jedoch wirtschaftliche und gesellschaftliche Kosten“, so Løgstrup. Die Gesamtkosten kardiovaskulärer Erkrankungen, von denen Herzinfarkt und Schlaganfall am weitesten verbreitet sind, belaufen sich schätzungsweise auf ganze 196 Milliarden Euro im Jahr. „Darüber hinaus machen Ungleichheiten bei den Herz-Kreislauf-bedingten Todesfällen die Hälfte der überschüssigen Sterberaten in den niedrigeren Gesellschaftsgruppen der meisten europäischen Länder aus“, betont sie.

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