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26/09/2016

Weniger Antibiotika auf dem Teller

Gesundheit und Verbraucherschutz

Weniger Antibiotika auf dem Teller

Die weltweite Resistenz gegen Antibiotika steigt. Eine Ursache ist ihr Einsatz in der Tierzucht.

Foto: dpa

Zuchttiere sollen künftig weniger Antibiotika verabreicht bekommen. Über einen entsprechenden Gesetzentwurf hat heute das Europaparlament entscheiden.

Tierarzneimitteln wirken sich nicht nur negativ auf die Umwelt aus. In den vergangenen Jahren sind auch die Antibiotika-Resistenzen weltweit angestiegen. Das gilt auch für unbeabsichtigte Nebenwirkungen der Medikamente, die durch den Verzehr von Fleisch aufgenommen werden.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte im Herbst 2015 die erste globale Kampagne für eine verbesserte Verwendung von Antibiotika gestartet. Im Rahmen ihrer im November durchgeführten „World Antibiotic Awareness Week“ sollte daran erinnert werden, dass die Resistenzen gegen Antibiotika weltweit zunehmen.

Von der WHO werden unter anderem nationale Aktionspläne gegen Antibiotika-Resistenzen gefordert.  In Deutschland hatte man bereits mit der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie (DART) 2020 vorgelegt.

In Deutschland müssen bestimmte landwirtschaftliche Betriebe halbjährlich Daten über die im Betrieb angewendeten Antibiotika, die gehaltenen und behandelten Tiere sowie zur Anzahl der Behandlungstage in ihren Beständen an die zuständigen Überwachungsbehörden melden.

„Manche Landwirte verabreichen ihren Tieren starke Medikamente, um schlechte und nicht artgerechte Tierhaltung auszugleichen. Der großflächige Einsatz von Antibiotika bei Tieren beschleunigt aber die Entstehung weiterer multiresistenter Keime. Deshalb ist es höchste Zeit, dass der Einsatz in der Tierhaltung generell gesenkt wird. Mit dem neuen Gesetz schaffen wir dafür eine gute Grundlage“, erklärt Susanne Melior ( S&D-Fraktion), ordentliches Mitglied des Ausschusses für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI).

Bereits auf der Konferenz der EU-Gesundheitsminister Anfang des Jahres in Amsterdam hatten sich die Minister darauf geeinigt, neue Lösungsansätze zur Eindämmung der Antibiotika-Resistenz zu finden.

Jetzt soll der vorbeugende Einsatz von Antibiotika durch ein neues Gesetz prinzipiell verboten werden. Die Daten über die verabreichten Mengen sollen in Zukunft zentral gesammelt werden, um so einen besseren Überblick über die europaweite Verwendung zu erhalten.

Mit der heutigen Abstimmung hat das Parlament formal den Standpunkt des Umweltausschusses bestätigt. Damit können die Verhandlungen mit Rat und Kommission aufgenommen werden. Das Ergebnis muss dann erneut formal von Rat und Parlament angenommen werden, bevor das Gesetz in Kraft tritt.

„Damit ist die Grundlage geschaffen, dass wir künftig weniger Antibiotika auf den Teller bekommen“, sagte Gesine Meißner, gesundheitspolitische Sprecherin der liberalen Fraktion und der FDP im Europäischen Parlament.

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