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29/09/2016

Weltverbrauchertag 2016: Altersvorsorge weiter unter Beschuss

Gesundheit und Verbraucherschutz

Weltverbrauchertag 2016: Altersvorsorge weiter unter Beschuss

Die Schwerpunkt des diesjährigen Weltverbrauchertags sind sinkende Renditen bei der Altersvorsorge und die Gefahr des Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft

Foto: Rainer Jensen/dpa

Im Zentrum des jährlich am 15. März stattfindenden Weltverbrauchertags steht dieses Jahr die „Altersvorsorge in Zeiten des Zinstiefs“. Das Thema dürfte bei vielen Verbrauchern offene Türen einrennen, angesichts einer allgemein wachsenden Unsicherheit, wie überhaupt noch sinnvoll und nachhaltig für das Alter angelegt werden kann.

Unrentable Staatsanleihen, faule Immobilienkredite und ein stetig sinkender Garantiezins bei Lebensversicherungen – die Altersvorsorge steht seit Jahren unter heftigem Beschuss. Hinzu kommt ein gravierendes Imageproblem: Fast 40 Prozent der Deutschen hinterfragen mittlerweile den Sinn einer Altersvorsorge, knapp die Hälfte spart überhaupt nicht mehr.

Die vergangenen Freitag von der Europäischen Zentralbank (EZB) angekündigte Herabsetzung des Leitzinses dürfte Sparern einen weiteren Stoß versetzen, wenngleich die Niedrigzinspolitik der EZB unter ihrem Chef Mario Draghi nichts Neues ist. Bereits im September 2014 bewegte sich der Leitzins mit 0,05 Prozent in greifbarer Nähe zur symbolischen Null, was der EZB damals den Vorwurf des Sparkassen-Verbandschefs Georg Fahrenschon einbrachte, sie „enteigne die Sparer“. Mario Draghi verteidigte seine Linie bereits im Februar und versicherte, dass „der deutsche Sparer nicht betrogen werde“, solange die Inflation auf ihrem momentan geringem Niveau verharre.

Mit dem heutigen Weltverbrauchertag wollen Verbaucherschützer ein Zeichen setzen gegen die Geldvermehrungspolitik der EZB, deren Negativ-Effekte bestehende Vorsorgemodelle weiter aushöhlen könnte. Dorothea Mohn vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), der politischen Dachorganisation der deutschen Verbraucherstellen, empfiehlt Sparern daher, sich von Einlagen und versicherungsförmigen Kapitalanlagen zu verabschieden. Lebensversicherungen und Fonds seien „schlechte Produkte“, die kaum Sparerträge abwerfen, da die garantierte Mindestverzinsung des eingezahlten Geldes zu Lasten der Rendite gehe. Stattdessen schlägt Mohn vor, stärker auf aktienbasierte Anlagen auszuweichen.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Verbraucherschützer betrifft die Gefahr von Antibiotika in Lebensmitteln. Die internationale Verbraucherschutz-NGO Consumers International, bei der 220 Organisationen aus 115 Ländern untergebracht sind, befürchtet, dass durch den flächendeckenden Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft „hochresistente Super-Keime“ entstehen könnten. Dies bedeute den Übergang in ein „post-antibiotisches Zeitalter“, in dem lebenswichtige Medikamente ihre Wirkung verlieren und gewöhnliche Infektionen oder kleinere Verletzungen tödlich enden können. Insbesondere große Fast-Food-Ketten wie McDonald’s, Subway und KFC sollten der seit 1960 bestehenden Organisation zufolge ihre Marktmacht einsetzen und von ihren Zulieferern aus der Agrowirtschaft einfordern, auf den sytematischen Einsatz von Antibiotika zu verzichten.

Der vzbz betont gegenüber EurActiv, dass es bei beiden Theman wichtig sei, stärker als bisher die Barrieren in den Blick zu nehmen, die einen wirksamen Verbraucherschutz verhindern würden.