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01/10/2016

Verderben Frankreichs Köche den Bayer-Monsanto-Brei?

Gesundheit und Verbraucherschutz

Verderben Frankreichs Köche den Bayer-Monsanto-Brei?

Frankreichs Köche verurteilen die "Invasion der agrarchemischen Industrie auf unseren Tellern".

[Hotel de la Paix Genève CC BY-SA 2.0/Flickr]

EU-Abgeordnete hegen große Zweifel an der Fusion von Bayer und Monsanto. Jetzt erhalten sie Unterstützung von Frankreichs Küchenchefs, die sich in einem offenen Brief gegen den wachsenden Einfluss der agrarchemischen Industrie stellen. EurActiv Frankreich berichtet.

Am gestrigen Donnerstag sandten 55 Europaabgeordnete ein Schreiben an die Kommission, in dem sie ihre Sorgen angesichts des bevorstehenden Zusammenschlusses der Chemieriesen Bayer und Monsanto zum Ausdruck brachten. Der von der grünen EU-Politikerin Michèle Rivasi verfasste Brief wurde von 54 anderen Parlamentsabgeordneten unterzeichnet, hautsächlich Mitgliedern der linksgerichteten EU-Fraktionen (S&D, Grüne/EFA und GUE/NGL).

Darin fordern die Gesetzgeber die Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission dazu auf, sich der Fusion anzunehmen – sei es auch nur, weil die Umsätze des entstehenden Super-Konzerns mit 23 Milliarden Euro weit über der Prüfgrenze der Kommission von fünf Milliarden liegen würden. Allein in Europa belaufen sich ihre Erträge auf weit mehr als 250 Millionen Euro. Darüber hinaus sind Deutschlands Bayer und das US-amerikanische Monsanto Hauptakteure auf den gleichen Pflanzenschutzmittel- und Saatgutmärkten.

30 Prozent des weltweiten Saatguts

2013 kam eine Studie des American Centre for Food Safety zu dem Ergebnis, dass die Lebensmittelpreise unweigerlich steigen würden, sollte die Fusion genehmigt werden. Auf der Grundlage dieser Untersuchungen warnen die Europaabgeordneten, dass Bayer durch die Übernahme 30 Prozent des weltweiten Saatguts und 24 Prozent des globalen Pestizidmarktes kontrollieren würde. „Immer mehr Europäer sind sich bewusst, wie dringend wir auf eine nachhaltige Landwirtschaft hinarbeiten müssen. Die Übernahme würde also gegen ihren Willen gehen“, heißt es in dem Schreiben.

Weder Bayer noch Monsanto reagierten bisher auf EurActivs Bitte um Stellungnahme.

Schon im Juni hatte die EU-Kommission zwei Grünen EU-Politikern aus Deutschland, Sven Giegold und Martin Häusling, versprochen, die Fusion zu überprüfen. Die Unternehmenskonzentration im Pflanzenschutzsektor sei gestiegen, bestätigte auch EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in einem Interview mit EurActiv Frankreich. „Die Landwirtschaft geht jeden etwas an und ist daher ein sehr wichtiges Thema. Wir haben bereits eine hohe Konzentration auf dem Markt für Pflanzenschutzmittel feststellen können. Gleiches gilt in der Forschung und Entwicklung. Das dürfen wir nicht vergessen.“

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Ungeahnte Unterstützung

Die Nachricht des anstehenden Zusammenschlusses erhitze jedoch nicht nur die Brüsseler Gemüter. Auch in Frankreichs bekanntesten Küchen regt sich Widerstand. Viele berühmte Küchenchefs warnen, welch ernsthafte Konsequenzen sich ergeben könnten, wenn Agrarkonzerne so viel Einfluss auf die Lebensmittelkette hätten – unter ihnen Olivier Roellinger von Cancale, Yannick Alléno des Pariser Restaurants Pavillon Ledoyen sowie die Bras-Brüder, denen ein bekanntes Restaurant in Laguiole in der Auvergne gehört.

In einem offenen Brief „gegen die Invasion der agrarchemischen Industrie auf unseren Tellern“ bezeichnen die Gourmets die geplante Fusion als „Bedrohung unserer Küche, aber […] auch als Sorgenkind der Landwirte und Produzenten, deren Anbaufreiheit eingeschränkt wird. […] In Zukunft wird es aufgrund von Gen-Pflanzen, Roundup und anderen chemischen Fabrikprodukten keine Anbauvielfalt mehr geben.“

Zahlreiche Petitionen fordern ein Verbot der Übernahme – eine von ihnen sammelte bereits über 500.000 Unterschriften.