Comicfiguren sollen von ungesunden Lebensmitteln verschwinden

BEUC: „Wir wollen nicht, dass die Figuren verschwinden, aber Hersteller sollten sie verantwortungsbewusster benutzen.“ [judylcrook/Flickr]

Der Europäische Verbraucherverband (BEUC) hat Lebensmittelhersteller dazu aufgerufen, keine Comicfiguren mehr auf Lebensmitteln für Kinder abzubilden. Diese würden ein negatives Ernährungsverhalten fördern.

Laut BEUC seien Cartoon-Charaktere eine „mächtige und überzeugende Marketingmethode, die auf Kinder abzielt.“ Der Verband hob auch hervor, dass diese Methode fast immer für ungesunde Produkte angewendet werde. In einer Studie über Marken-Maskottchen in 13 Ländern fand BEUC bei mehr als 100 Produkten nur ein einziges Beispiel, in dem eine kindgerechte Figur Obst und Gemüse bewarb.

„Kinder können nicht zwischen Werbung und Unterhaltung unterscheiden. Das ist etwas, was die Vermarkter verstanden haben. Aber die Gesundheit der Kinder sollte wichtiger sein als Profite”, so BEUC Generaldirektorin Monique Goyens. Ihrer Ansicht nach machen beliebte Comicfiguren in Werbung für ungesunde Produkte es für Eltern schwerer, auf eine ausgewogene Ernährung ihrer Kinder zu achten.

Goyens ruft Regierungen deswegen dazu auf, Lebensmittelhersteller unter Druck zu setzen, solche Figuren verantwortungsbewusster zu benutzen. Produzenten sollten „echten Einsatz” für den Schutz der Kinder zeigen, indem sie Cartoons von den Verpackungen ungesunder Nahrung verbannen. „Wir wollen nicht, dass Tony der Tiger oder die Minions aus der Werbung verschwinden. Wir wollen, dass sie für gesündere Produkte werben“, erklärt Goyens.

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Übergewicht bei Kindern

Nach Zahlen der Europäischen Kommission werden jährlich ungefähr 7 Prozent des Gesundheitsbudgets für Krankheiten wie Fettleibigkeit ausgegeben. Ein EU-Aktionsplan zu Adipositas im Kindesalter für die Jahre 2014-2020 wurde gebillligt. Am kommenden Freitag treffen sich die EU-Gesundheitsminister, um eine Zwischenbilanz des Plans zu ziehen.

Übergewicht bei Kindern ist auch eine Hauptpriorität des maltesischen Ratsvorsitzes. Das Land hat eine hohe Adipositas-Rate bei Kindern. Laut Schätzungen werden 10 Prozent des Gesundheitsbudgets Maltas für Maßnahmen gegen und die Behandlung von Fettleibigkeit aufgewendet, und 17 Prozent der vermeidbaren Todesfälle können auf Adipositas zurückgeführt werden. „Übergewichtigkeit belastet unser Gesundheitswesen also überaus stark, ebenso wie die Gesundheit unserer nationalen Bevölkerung“, sagte Maltas Gesundheitsminister Chris Fearne in einem Interview mit EURACTIV.com im vergangenen Dezember.

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Im Februar veröffentlichten der maltesische Ratsvorsitz und die Kommission einen Bericht, in dem sie fordern, Übergewicht bei Kindern solle bereits früh bekämpft werden, und die Bereitstellung gesunder Mahlzeiten in Schulen sei dabei ein wichtiger Startpunkt.

Da Kinder einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen und in vielen europäischen Ländern mindestens eine Mahlzeit am Tag dort zu sich nehmen, seien Schulen ein „ideales Umfeld, um gesunde Ernährung zu fördern“, so der Bericht. Ein möglicher Vorteil neben einem besseren Angebot an nahrhaften und sicheren Lebensmitteln sowie der Gesundheit seien auch „positive Effekte in Bezug auf die Anwesenheit und Leistung im Unterricht.“