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29/07/2016

Verbraucherschützer fordern: “TTIP ohne Kosmetika”

Gesundheit und Verbraucherschutz

Verbraucherschützer fordern: “TTIP ohne Kosmetika”

Das TTIP-Handelsabkommen steht derzeit unter keinem guten Stern. Das Greenpeace-Leak könnte die Verhandlungen mit den USA weiter erschweren.

[Joel Schalit/Flickr]

Die Regulierung von Kosmetikprodukten gehört laut Verbraucherschützern aus den TTIP-Verhandlungen ausgeklammert, da die EU sonst ihre hohen Standards “verraten würde”. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Regulierungsstandards von Kosmetika zu beiden Seiten des Atlantiks lägen so weit auseinander, dass die Harmonisierung von Vorschriften im Rahmen der Transatlantischen Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) nicht möglich sei, warnt die dänische Verbraucherschutzgruppe Forbrugerrådet Tænk. Ein Beispiel: In der EU gibt es für die Kosmetikbranche eine Liste mit 1.378 verbotenen Inhaltsstoffen; in den USA sind lediglich elf Substanzen unzulässig.

“Wir sind nicht etwa gegen Freihandelsabkommen. Aber mit dieser Petition fordern wir die Verhandlungsführer der EU-Kommission auf, schriftlich zu garantieren, dass die Kosmetikverordnung nicht Teil der Verhandlungen wird”, heißt es in einer Stellungnahme. Die EU-Kosmetikverordnung umfasst sämtliche Güter, die sich als Kosmetik- oder Pflegeprodukte bezeichnen lassen, wie zum Beispiel Cremes, Deos, Zahnpasta, Shampoo, Lidschatten und Handseife.

Forbrugerrådet Tænk befürchtet, europäische Verhandlungsführer seien versucht, in den letzten Gesprächsrunden einen Kompromiss bei den strengeren EU-Vorschriften für chemische Produkte einzugehen, um in anderen Bereichen die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. “Hormonhemmende, krebserregende oder allergene Substanzen sind derzeit noch EU-weit verboten, würden jedoch dann auf einmal wieder in europäischen Supermarktregalen zu finden sein”, warnt die Organisation.

Die EU-Kommission leitet die Verhandlungen im Namen aller 28 EU-Mitgliedsstaaten. Im März vergangenen Jahres änderte sie ihre Haltung zu Kosmetika im TTIP-Abkommen. Anstelle eines Bezuges auf die “gegenseitige Anerkennung” verbotener kosmetischer Inhaltsstoffe, spricht man nun lediglich von einer “Kollaboration” bei wissenschaftlichen Sicherheitsverfahren zur Bewertung der Substanzen.

John Chave, Direktor des europäischen Industrieverbands General of Cosmetics Europe, meint in einem Gespräch mit EurActiv, verbotene Substanzen würden durch TTIP nicht wieder auf den EU-Markt gelangen.

Die TTIP-Verhandlungen begannen im Jahr 2014. Damals glaubte man noch, man würde das Freihandelsabkommen vor 2016 abschließen. Stattdessen hoffen die Verhandlungsführer nun, das Abkommen noch vor Beendigung der zweiten Amtszeit des US-Präsidenten Barack Obamas zu finalisieren. Derzeit ist noch unklar, wann die nächsten Gesprächsrunden stattfinden werden.

Am 26. Januar wird die EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström an einem transatlantischen Verbraucherdialog in Brüssel teilnehmen.

Zeitstrahl

  • Ende 2016: Offizielle Frist zur Finalisierung des TTIP-Abkommens.

Weitere Informationen

EurActiv Deutschland:  Agrarminister Schmidt: Bei TTIP kein Durchbruch absehbar (14. Januar 2016)

EurActiv Deutschland: Landwirte warnen: TTIP ist unser "Niedergang" (11. Januar 2016)