TV-Displays: EU-weites Cadmium-Verbot rückt in greifbare Nähe

Das Europaparlament hat für eine Cadmium-Neubewertung gestimmt. Sicherere Alternativen für die toxische und krebserregende Substanz sind nach Angaben der Parlamentarier mittlerweile verfügbar. EURACTIV Brüssel berichtet.

Cadmium wird für Displays von TV- und anderen elektronischen oder elektrischen Geräten auf dem europäischen Markt benutzt. Die Substanz war von der EU-Richtlinie zur Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten (RoHS) ausgenommen. Denn sicherere Alternativen bei deren Verabschiedung 2002 gab es nicht. Die RoHS verlangt die Ersetzung von Schwermetallen wie Blei, Quecksilber und Cadmium durch Alternativen, wenn das möglich ist.

Die Kommission hatte eine Verlängerung der Ausnahmeregelung bis Juli 2017 vorgeschlagen, da die cadmium-freie Quantenpunkt-Technologie noch nicht verfügbar sei.

Die Europaabgeordneten wiesen diese Behauptung als „augenscheinlich nicht korrekt“ zurück.

„Eine ganze Reihe Fernseher mit dieser Technologie sind weitgehend verfügbar auf dem europäischen Markt“, sagten die Europaabgeordneten. Sie lehnen den Kommissionsvorschlag zur Verlängerung der Ausnahmeregelung ab.

Auch die Ausnahme für die Beleuchtung sei nicht gerechtfertigt, erklärten die Abgeordneten. Sie stützen sich dabei auf eine Studie des Öko-Instituts, die im Auftrag der Kommission ausgeführt wurde.

Die Abstimmung fand am vergangenen Mittwoch statt. Eine überwältigende Mehrheit stimmte dafür. Bei 618 Ja-Stimmen gab es nur 33 Gegenstimmen und 28 Enthaltungen.

Die Ablehnung des Kommissionsvorschlags „vebietet Cadium nicht“ in europäischen Haushaltsgeräten, erklärte das Parlament in einer Mitteilung. „Es gibt daher keine Marktverzerrungen, da die derzeitige Ausnahme gültig bleibt bis sie aufgehoben wird.“

Stattdessen wird die Quantenpunkt-Technologie jetzt einer neuen Sicherheitsbewertung unterzogen. Das könnte eine möglicherweise langwierige Lobby-Schlacht auslösen.

Nanoco, ein Hersteller der cadiumfreien Quantenpunkte und anderer Nanomaterialien, begrüßte die Entscheidung des Parlaments. „Wir loben die Parlamentarier zu ihrer Entschlossenheit und ihrem Verständnis dafür, wie der Markt sich seit der anfänglichen Bewertung der Kommission verändert hat“, sagte Michael Edelman, Nanoco-CEO.

Andere, die sich für eine Verlängerung der Ausnahme einsetzten, werden weniger erfreut sein. Ein Cadmium-Verbot könnte die Energieeffizienz von Fernsehgeräten verringern und eine Reihe anderer toxischer Substanzen zu seinem Ersatz fördern, sagte Jim Willis, der frühere Vorsitzende der Arbeitsgruppe zu Nanomaterialien der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Das Risiko, durch Fernsehgeräte Kadmium ausgesetzt zu sein, sei „vernachlässigbar“, erklärte Willis In einem Standpunkt für EURACTIV. Denn Quantenpunkte auf Cadmium-Basis seien versiegelt und beschichtet und deshalb „nicht biologisch verfügbar“.

„Die einzigen Alternativen zu Quantenpunkten auf Cadmium-Basis in dieser Anwendung sind Quantenpunkte auf Indium-Basis, die erheblich giftiger, weniger energieeffizient, weniger stabil sind und eine viel schlechtere Farbleistung haben.“

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