EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

17/01/2017

Todesfälle durch Herzerkrankungen: Schere zwischen Ost- und Westeuropa geht immer weiter auf

Gesundheit und Verbraucherschutz

Todesfälle durch Herzerkrankungen: Schere zwischen Ost- und Westeuropa geht immer weiter auf

Trotz des Rückgangs der HKL-Erkrankungen warnen Experten vor den Folgen der Zunahme von Krankheitsauslösern wie Fettleibigkeit.

[Cliff Johnson/Flickr]

Die Fälle von Herz-Kreislauferkrankungen gehen zurück. Doch die große Diskrepanz zwischen West- und Osteuropa bei der Sterberate bleibt bestehen. EurActiv Spanien berichtet.

Acht europäische Länder, darunter Frankreich, die Schweiz, Spanien und das Vereinigte Königreich verzeichnen die niedrigsten Sterberaten bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKL) für Frauen, mit weniger als 250 Todesfällen pro 100.000 Frauen. In der Ukraine und in Turkmenistan liegt diese Rate bei 1.000 Todesfällen pro 100.000 Frauen. Bei Männern liegt sie gar bei 1.500 Todesfällen.

In Frankreich, Israel und Spanien gab es keine Unterschiede bei den Sterberaten zwischen Männern und Frauen.

Frauen sind anfälliger für Herz-Kreislauf-Erkrankungen (HKL) als Männer. Doch die Sterberate ist ungefähr gleich hoch (35 und 36 Prozent jeweils), wenn man die Daten der unter 75-Jährigen vergleicht.

Bei Menschen unter 65 kehrt sich diese Wahrscheinlichkeit um. Männer sterben eher an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. Die Sterberaten liegen bei 30 Prozent und bei 26 Prozent.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden vor allem mit einem hohen Lebensalter in Verbindung gebracht. Dennoch sind sie für mehr als 1,4 Millionen Tote der unter 75-Jährigen und 700.000 der unter 65-Jährigen verantwortlich, wie eine Studie von Nick Townsend vom British Heart Foundation’s Centre on Population Approaches for Non-Communicable Disease Prevention der Universität Oxford zeigt.

Es gibt innerhalb Europas ein großes Ost-West-Gefälle bei der Zahl der vorzeitigen Todesfälle. Frankreich, Luxemburg und die Schweiz verzeichnen weniger als 80 Todesfälle pro 100.000 Männer in der Altersgruppe der unter 75-Jährigen. In Ländern wie Weißrussland und Usbekistan liegt die Zahl in der gleichen Altersgruppe bei 650 Todesfällen.

In Ländern wie Norwegen und Spanien liegt die Sterberate bei HKL-Erkrankungen bei unter 35 Toten pro 100.000 Frauen. Das gilt auch für Frankreich und die Schweiz. In Turkmenistan und Usbekistan sind es 350 Todesfälle. Ähnliche Unterschiede gibt es auch bei den unter 65-Jährigen.

Mehr als vier Millionen Menschen sterben in Europa an HKL-Erkrankungen

Diese Zahlen zeigen die Signifikanz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für die Bevölkerung. Vier Millionen Menschen sterben jedes Jahr alleine in Europa an ihnen. Damit verursachen sie Todesfälle von 49 Prozent der Frauen und rund 41 Prozent der Männer.

„Koronare Herzerkrankungen töten jedes Jahr 20 Prozent der Frauen in Europa, während zwei Prozent an Brustkrebs sterben. Ich denke, es wird für viele Leute überraschend sein zu lernen, wie viele Frauen in Europa an Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Vergleich zu anderen Krankheiten sterben“, erklärt Townsend.

Insgesamt gibt es einen Rückgang bei den Fällen der HKL-Erkrankungen. Dennoch warnen Experten vor den Unterschieden innerhalb Europas, vor der hohen Sterberate der HKL-Erkrankungen im Vergleich zu anderen Krankheiten. Auch die Zunahme der Krankheitsauslöser wie Fettleibigkeit sollte „ein Weckruf für die Fachkräfte im Gesundheitswesen in ganz Europa sein“.

Steigende Fettleibigkeit– und Diabeteszahlen werden dem Rückgang „entgegenwirken“, was zu „einer Umkehr dieses positiven Trends“ führt. Oder sie werden eine „zusätzliche Belastung“ für die Gesundheitssysteme bei der Behandlung von Menschen mit hohem Risiko auf eine HKL-Erkrankung sein.

Zu viel Arbeit könnte ebenfalls negative Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit haben, wie eine andere Studie befindet. Nach Angaben einer Veröffentlichung in der britischen Fachzeitschrift The Lancet erhöhen mehr als 55 Arbeitsstunden pro Woche das Risiko auf ein kardiovaskuläres Ereignis um 33 Prozent und das Risiko auf die Entwicklung einer koronaren Erkrankung um 13 Prozent.

Eine neue Studie des Deutschen Wetterdienstes zeigt: Hohe Temperaturen, Hitzewellen und extreme Temperaturschwankungen sind eine immer größere Bedrohung für die Weltbevölkerung. Denn längere und intensivere Hitzeperioden stellen eine ernsthafte Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar.