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30/08/2016

Teuer und schlecht: EU-Beschwerde gegen McDonald’s

Gesundheit und Verbraucherschutz

Teuer und schlecht: EU-Beschwerde gegen McDonald’s

Verbraucherschützer reichten bei der Brüsseler EU-Kommission eine formelle Beschwerde gegen McDonald's ein

[Vivid Lime/Flickr]

Verbraucherschützer legen sich mit dem Fastfood-Riesen McDonald’s an: Der US-Konzern nutze seine Geschäftspartner in Franchise-Restaurants in Europa aus, und das führe zu einer schlechteren Qualität und höheren Preisen, so ihr Vorwurf. Jetzt soll Brüssel über den Fall richten.

Schwerer Vorwurf gegen McDonald’s: Die US-Fastfoodkette nutze ihre Geschäftspartner in Franchise-Restaurants in Europa aus, und das führe zu einer schlechteren Qualität und höheren Preisen, kritisieren drei italienische Verbraucherschutzverbände und die internationale Dienstleistungsgewerkschaft SEIU. Sie reichten bei der Brüsseler EU-Kommission eine formelle Beschwerde gegen McDonald’s ein.

Die Behörde bestätigte den Eingang der Beschwerde am Dienstag. Diese werde nun untersucht, sagte eine Sprecherin. Der US-Konzern reagierte ebenfalls und stellte seine Zusammenarbeit mit den Franchisenehmern als für beide Seiten erfolgreich dar.

Vorgeworfen wird der Burger-Kette, ihre führende Stellung in Europa zum Schaden ihrer Geschäftspartner und letztlich der Kunden zu missbrauchen: McDonald’s verkaufe nicht nur Hamburger, “es ist auch der größte Franchisegeber und Immobilienbesitzer weltweit”, heißt es in der Beschwerde. Die Franchisenehmer, also Unternehmer, die ein Fastfoodrestaurant in Eigenregie betreiben und die Produkte vom Konzern kaufen, würden auf rechtswidrige Weise ausgenutzt.

Druck durch zu hohe Mieten

Der US-Konzern dränge Franchisepartnern zum Beispiel Mietverträge auf, die teilweise “zehn Mal über dem durchschnittlichen Marktpreis liegen”. Auf diese Weise nehme das Unternehmen einerseits auf direktem Weg viel Geld ein. Darüber hinaus gewinne es Vorteile für seine eigenen, direkt vom Konzern betriebenen Filialen. Einen Wechsel der Franchisenehmer zu anderen Marken machten die Verträge mit dem Konzern “fast unmöglich”.

Solche und vermeintliche weitere unfaire Praktiken schlagen sich den Vorwürfen zufolge in Angebot und Preisen nieder. Die meisten Menüs seien in von Franchisenehmern betriebenen Restaurants teurer als in konzerneigenen Filialen, wie eine Untersuchung ergeben habe. Beispielsweise koste eine kleine Portion Pommes Frites in Pariser Franchise-Restaurants 64 Prozent mehr als in den konzerneigenen Filialen in der französischen Hauptstadt.

Auch Service und Essensqualität litten darunter, dass der Konzern seine starke Stellung gegenüber den Franchisenehmern ausnutze, machten die italienischen Verbände Codacons, Movimento Difesa del Cittadino, Cittadinanzattiva sowie die Gewerkschaft SEIU geltend. “Wir bitten die Europäische Kommission dringend darum, die Vorwürfe zu prüfen und all seine Macht dazu zu nutzen, McDonald’s zur Rechenschaft zu ziehen”, erklärte Scott Courtney von SEIU.

McDonald’s: “Wir sind stolz auf unsere Franchisenehmer”

McDonald’s reagierte auf die Beschwerde, ohne konkret auf einzelne Punkte einzugehen. “Wir sind stolz auf unsere Franchisenehmer”, erklärte eine Konzernsprecherin. Dem Konzern liege an einer engen Zusammenarbeit und der Unterstützung der Partner. “Dieser Ansatz, mit dem Prinzip, Risiken und Belohnung zu teilen, ist über viele Jahre erfolgreich gewesen und hat geholfen, für unsere Franchisenehmer die besten Geschäftschancen und für unsere Kunden das beste Gesamterlebnis zu schaffen”, erklärte die Sprecherin gegenüber AFP.

Die EU-Kommission ist für die Durchsetzung des europäischen Wettbewerbsrechts zuständig, auch gegenüber Unternehmen aus den USA und anderen Drittländern, wenn sie auf dem europäischen Markt auftreten. Sie kann Strafen verhängen, die bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes einer Firma betragen.