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26/08/2016

Studie: Luftschadstoffe beschleunigen Erkrankung an Typ 1 Diabetes

Gesundheit und Verbraucherschutz

Studie: Luftschadstoffe beschleunigen Erkrankung an Typ 1 Diabetes

Feinstaub ist auch in Autoabgasen enthalten. In hohen Mengen kann er bei Kindern die Erkrankung an Diabetes Typ 1 beschleunigen, zeigt eine Studie.

© Safia Osman (CC BY-NC-ND 2.0)

Feinstaub aus Abgasen ist in den vergangenen Jahren mehr in den Fokus gerückt. Zahlreiche Studien haben bereits gezeigt, dass er die Wahrscheinlichkeit steigert, an Atemwegs- oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu sterben. Eine aktuelle Untersuchung zeigt nun, dass eine hohe Feinstaubbelastung auch die Erkrankung an Typ I Diabetes bei Kindern beschleunigen kann.
 

Feinstaubbelastung führt zu einer früheren Manifestation von Typ 1 Diabetes bei Kleinkindern. Dies haben Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München  nachgewiesen. Umweltfaktoren, so zeigt die Untersuchung, entscheiden somit zumindest auch über die Erkrankung.

“Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Einwirkung von Schadstoffen, die durch Verkehr verursacht werden, die Erkrankung an Diabetes vom Typ 1 beschleunigt”, so die Autoren der Untersuchung, Andreas Beyerlein, Miriam Krasmann sowie ihre Kollegen. Dies gelte ihren Daten zufolge jedoch nur für sehr junge Kinder.

Die Wissenschaftler hatten die Daten von 671 jungen Typ 1 Diabetes Patienten ausgewertet, die zwischen April 2009 und Mai 2013 im Bayerischen Diabetesregister DiMelli (Diabetes Incidence Cohort Registry) erfasst wurden. Konkret glichen sie den Zeitpunkt der Diagnose des Typ 1 Diabetes bei Kleinkindern mit dem Kontakt gegenüber bestimmten Luftschadstoffen am Wohnort ab. Zudem untersuchten sie die Blutproben der Patienten auf diverse Entzündungsmarker zum Zeitpunkt der Diagnose. Die Forscher berücksichtigten zudem andere mögliche Faktoren wie die Diabetes-Krankengeschichte in der Familie der Kinder, der Bildungsgrad der Eltern und der Body Mass Index in ihrer Analyse.

Schadstoffe aus Abgasen steigern Risiko in Großstädten

Dabei zeigte sich, dass kleine Kinder aus einem Wohnumfeld mit hoher Luftschadstoffbelastung im Schnitt knapp drei Jahre früher einen Typ 1 Diabetes entwickelten , als Kinder derselben Altersstufe aus Gegenden mit geringen Belastungswerten. Dieser Zusammenhang bestand bei Feinstaubpartikeln mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern und Stickstoffdioxid. Beide entstehen unter anderem im Straßenverkehr.

Dass andere typische Erscheinungen des Lebens in einer Stadt beteiligt sein könnten, halten die Wissenschaftler für unwahrscheinlich. “Unsere Resultate waren unabhängig vom Grad der Verstädterung der untersuchten Gebiete“, so die Forscher. Das weise darauf hin, dass für den beobachteten Zusammenhang Luftschadstoffe verantwortlich sind, und nicht etwa ein anderer Lebensstil in Städten oder die höheren Temperaturen in urbanen Gegenden.

Der Typ 1 Diabetes ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindes- und Jugendalter. Global werden jährlich 65.000 neue Fälle bekannt, die jährliche Steigerungsrate wird auf drei Prozent geschätzt. Allein in Deutschland werden jährlich rund 2.100 bis 2.300 Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bis 14 Jahren registriert. Mehrere Studien wiesen ein Ansteigen der Neuerkrankungsrate für Typ-1-Diabetes um drei bis vier Prozent pro Jahr nach. Die Studie legt nun die Vermutung nahe, dass zwischen diesem Anstieg der Fälle und der zunehmenden Urbanisierung ein Zusammenhang bestehen könnte.

Luftverschmutzung größtes auf Umweltfaktoren basierendes Gesundheitsrisiko

Dass Smog und Abgase das Risiko für zahlreiche Leiden wie Krebs, Lungenerkrankungen sowie Herz- und Kreislaufleiden immens erhöhen, ist indes nicht neu. Zuletzt hatte die Europäische Umweltagentur Anfang März ihren Sachstandsbericht vorgestellt. Demnach ist Feinstaub in der Luft für jährlich rund 430.000 vorzeitige Todesfälle in der EU verantwortlich. Der Bericht, der alle fünf Jahre erstellt wird, sieht trotz Maßnahmen wie Fahrverboten oder strengeren Vorgaben für die Industrie keinen Grund für Entwarnung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Luftverschmutzung als das größte auf Umweltfaktoren basierende Gesundheitsrisiko weltweit ein und schätzt die Zahl der Toten infolge von schmutziger Luft auf weltweit sieben Millionen Menschen jährlich.

Die US-Umweltbehörde regierte 2013 auf die in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegenen Nachweise der gesundheitsschädlichen Wirkung von Feinstäuben mit einer Korrigierung ihrer Grenzwerte. Der Langzeitgrenzwert für den lungengängigen Feinstaub mit einem Durchmesser unter 2,5 Mikrometern wurde von 15 auf 12 Mikrogramm pro Kubikmeter gesenkt. In der EU liegt der annähernd vergleichbare Wert zurzeit noch bei 25 Mikrogramm pro Kubikmeter.

In Deutschland sind die besonders großen Smog-Episoden heute zwar selten geworden. Aber die Grenzwerte für die Luftqualität werden noch immer häufig überschritten. Durch die inzwischen recht effektive Filterung der gröberen Partikel hat der Anteil der kleineren, lungengängigen Partikel – dem sogenannten Feinstaub – am Abgas zugenommen. Produziert wird Feinstaub vor allem durch die Industrie, Ofenheizungen, Motoren und die Landwirtschaft.

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