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30/08/2016

Studie: Klimawandel steigert Sterblichkeitsrisiko für Herzkranke

Gesundheit und Verbraucherschutz

Studie: Klimawandel steigert Sterblichkeitsrisiko für Herzkranke

Der Klimawandel bedroht Umwelt und Gesundheit.

[S.I.B. Fotos/Flickr]

Hohe Temperaturen, Hitzewellen und extreme Temperaturschwankungen bedrohen weltweit zunehmend die Gesundheit vieler Menschen. Auch in Deutschland führt das zu wachsenden gesundheitlichen Risiken: Besonders Menschen mit Herzkrankheiten sind gefährdet, warnt nun eine Studie des Umweltbundesamtes.

Längere und intensivere Hitzeperioden belasten das Herz-Kreislaufsystem stark. Besonders unter älteren Menschen oder Personen, die an bestimmten chronischen Krankheiten leiden, führe das nachweislich zu mehr Todesfällen, so das Ergebnis eines Berichts des Deutschen Wetterdienstes (DWD) für das Umweltbundesamt (UBA). Um bis zu 15 Prozent erhöhen Hitzewellen demnach das Sterblichkeitsrisiko von Herzkranken.

“Tage mit raschen Temperaturänderungen gegenüber dem Vortag oder starken Temperaturschwankungen am gleichen Tag, werden mit einer erhöhten gesundheitlichen Belastung in Verbindung gebracht, daher ist es wichtig, dass wir uns auf den Klimawandel einstellen, um dessen gesundheitlichen Folgen so gering wie möglich zu halten”, sagte UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

Die Autoren der Studie untersuchten den Einfluss des Klimawandels auf die Gesundheit auf Basis von 19 regionalen Klimamodellen für Deutschland. Das Ergebnis: Die Belastung durch steigende Temperaturen wird sich bis zum Ende des 21. Jahrhunderts mehr als verdoppeln, während die Belastung durch niedrige Temperaturen eher sinken dürfte.

Dies werde selbst dann gelten, wenn das ambitionierte EU-Ziel erreicht werde, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf weniger als zwei Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, warnt das Bundesumweltministerium

Besonders West- und Süddeutschland bedroht

Häufigkeit, Dauer und Intensität von Hitzewellen werden deutlich zunehmen, prognostiziert die Untersuchung. Auch rasche Temperaturänderungen zum Vortag und innertägliche Temperaturschwankungen werden zunehmen. Besonders hart werde dies die schon heute sehr warmen Gebieten im Süden und Westen Deutschlands treffen, sagen die Forscher voraus.

“Falls es uns nicht gelingt uns anzupassen, könnte dies bis zum Ende des Jahrhunderts zu einer Vervielfachung der hitzebedingten Sterblichkeit aufgrund koronarer Herzkrankheiten um den Faktor drei bis fünf führen”, sagte Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes.

Um die Auswirkungen der erwarteten Klimaänderungen so gering wie möglich zu halten, hat die Bundesregierung im Jahr 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie (DAS) an die Folgen des Klimawandels und den dazugehörigen Aktionsplan auf den Weg gebracht hat.

Wie wichtig entsprechende Maßnahmen sind, unterstreichen auch andere Experten. Erst im Juni hatte eine internationale Forschergruppe in ihrem Bericht für die Fachzeitschrift “The Lancet” Alarm geschlagen: Der Klimawandel könnte jahrzehntelange Bemühungen in den Bereichen Gesundheit und Entwicklungszusammenarbeit zerstören, sollte die Politik nicht umgehend einen ambitionierten Aktionsplan verabschieden.

Hintergrund

Das Aufhalten des Klimawandels ist seit einigen Jahren ein wichtiges Thema auf der politischen Agenda. Auf dem G7-Gipfel in Bayern hatten sich die Staats- und Regierungschefs der G7 zur Einhaltung des Zwei-Grad-Ziels bekannt. Noch vor Ablauf des Jahrhunderts wollen die Industrieländer den Ausstoß von Treibhausgasen auf Null reduzieren. Bis 2050 wollen sie eine Treibhausgas-Reduktion im oberen Bereich von 40 bis 70 Prozent erreichen.

Deutschland will mit seiner nationalen Energiewende Vorreiter in der globalen Klimapolitik sein: Aushängeschild ist das Ziel der Bundesregierung, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 zu reduzieren.

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