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01/10/2016

Studie: Feinstaub könnte Alzheimer verursachen

Gesundheit und Verbraucherschutz

Studie: Feinstaub könnte Alzheimer verursachen

Feinstaub ist auch in Autoabgasen enthalten. Er könnte auch Alzheimer triggern, zeigt eine Studie.

Foto: Safia Osman /Flickr

Autoabgase, Kohlekraftwerke, Viehhaltung: Vieles in unserer Umwelt verursacht große Mengen Feinstaub – und könnte damit für Alzheimer mitverantwortlich sein, zeigt eine Studie.

Der Verdacht ist nicht neu: Schon in den vergangen Jahren deuteten mehrere Studien darauf hin, dass verschmutzte Luft Hirnschäden verursachen könnte. Probanden, die in einer Gegend mit etwa zwei Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft leben, hätten ein um 46 Prozent höheres Risiko, einen „stillen“ Schlaganfall zu erleiden, berichteten etwa Forscher des Beth Israel Deaconess Medical Center und der Boston University School of Medicine.

Krebs, Atemwegserkrankungen, Herzinfarkt: Dass Feinstaub gesundheitsschädlich ist, betonen Forscher schon seit Langem. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht von jährlich weltweit etwa sieben Millionen Toten aus. Allein in Deutschland sterben  Jahr für Jahr rund 35.000 Menschen an den Folgen von Luftverschmutzung, berichtete kürzlich ein Forscherteamim Fachmagazin „Nature“.

Nun liefert eine Studie von Barbara Maher von der britischen Universität Lancaster und und weiteren Forschern Hinweise darauf, dass sich gefährliche Partikel aus dem Feinstaub im Gehirn ablagern. Das Einatmen größerer Mengen Feinstaub-Partikel könnte somit zu Alzheimer führen – einer Krankheit, die üblicherweise vor allem bei Menschen ab dem 65. Lebensjahr auftritt und durch zunehmende Demenz gekennzeichnet ist.

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Die Forschergruppe aus Großbritannien, Mexiko und den USA untersuchte dazu  37 Hirnproben von Patienten mit neuro-degenerativen Erkrankungen aus Manchester und Mexiko-Stadt. Sie alle waren ihr Leben den schädlichen Feinstaubwolken ausgesetzt gewesen, etwa in Manchester oder Mexiko-Stadt. Acht Proben aus Manchester stammten von Menschen, die zwischen 62 und 89 Jahre alt geworden waren und an Alzheimer oder einer Vorstufe erkrankt gewesen waren.

In allen Proben – nicht nur in den Hirnen der Demenzkranken – fanden sich Eisenoxid-Partikel, die laut den Wissenschaftlern die gleiche Zusammensetzung und Oberflächenmerkmale haben wie Eisenoxid-Partikel in Feinstaub.

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„Eisenoxid wird mit dem Entstehen von freien Sauerstoffradikalen in Verbindung gebracht – und die Bildung von Sauerstoffradikalen steht in Zusammenhang mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer“, schreiben die Forscher in der Studie, die im Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) veröffentlicht wurde.

Alzheimer, so betonten die Forscher, ist normalerweise bei unter fünf Prozent aller Betroffenen erblich bedingt. Sie vermuten, dass Umwelteinflüsse als Auslöser und Beschleuniger größere Relevanz haben.