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26/09/2016

Studie belegt alarmierende Umweltschäden durch konventionelle Landwirtschaft

Gesundheit und Verbraucherschutz

Studie belegt alarmierende Umweltschäden durch konventionelle Landwirtschaft

Massentierhaltung ist eine der Ursachen für starke Umweltbelastungen durch die intensive Landwirtschaft, sagt das Umweltbundesamt.

[LID/Flickr]

Zerstörung der Artenvielfalt, immense Produktion von Treibhausgasen und Belastung von Gewässern mit Schadstoffen und Arzeimitteln aus der Massentierhaltung: Die Landwirtschaft verursacht in Deutschland enorme Umweltschäden, warnt eine Studie des Umweltbundesamts. Eine Umstellung auf ökologischen Landbau und strengere Richtlinien seien dringend notwendig.

Die Landwirtschaft ist mit über 50 Prozent der mit Abstand größte Flächennutzer Deutschlands. Und sie ist ein bedeutender deutscher Wirtschaftszweig.

Doch der intensive Landbau schädigt die Umwelt noch immer in besorgniserregendem Maß. Dies zeigt nun eine Studie des Umweltbundesamts (UBA). Sowohl der Einsatz von Pflanzenschutz- und Düngemitteln als auch die Intensivtierhaltung tragen demnach immens zu Schäden für Mensch und Natur bei, so das 40-seitige Papier.

„Während in den letzten 30 Jahren die meisten Branchen durch Innovation und technischen Fortschritt große Erfolge bei der Reduzierung der Stoffeinträge in die Umwelt erreichen konnten, zeigen sich bei den landwirtschaftlichen Emissionen nur geringe Verbesserungen“, heißt es in der Studie. Bei der Nachhaltigkeit stagniere die Landwirtschaft seit Jahren auf einem hohen Niveau und zeige – wenn überhaupt – nur geringe Verbesserungen.

Landwirtschaft ist zweitgrößter Verursacher von Treibhausgasen

Einer der heiklen Punkte ist der Ausstoß von Treibhausgasen.

Moornutzung und Rodung von Wäldern für die Landwirtchaft, aber auch Düngemittel, Bodenbearbeitung und Tierhaltung verursachen der Untersuchung zufolge einen immensen Ausstoß klimawirksamer Emmissionen. 2012 emittierte die Landwirtschaft in Deutschland rund 70 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente – rund 7,5 Prozent der gesamten Treibhausgas-Emissionen dieses Jahres. Die Landwirtschaft sei hierbei nach der Industrie, die einen Anteil von rund 84 Prozent hat, der zweitgrößte Verursacher in Deutschland.

Zudem sei durch die intensive Landwirtschaft auch die Biodiversität zunhehmend gefährdet. Denn der Ackerbau belaste die Umwelt mit Stickstoff, Phosphor und Schwermetallen. Pflanzenschutzmittel mit Breitbandwirkung würden nicht nur Schädlinge tilgen, sondern auch andere nützliche Insekten töten. Damit aber verschwinde die Nahrungsgrundlage vieler Vögel und Säugetiere. Das traurige Resultat: Statt den für 2010 angestrebten Stopp beim Artenverlust nebst Trendwende erreicht zu haben, verschwinden immer mehr Arten aus der Agrarlandschaft.

Stickstoff-Emission überschreitet Zielwerte der Bundesregierung bedenklich

Vor allem der Stickstoffüberschuss im Landbau ist den Autoren zufolge noch immer bedenklich hoch, denn 60 Prozent der Stickstoffemissionen kommen aus der Landwirtschaft. Dennoch stagniert seit Jahren der nationale Stickstoffbilanzüberschuss auf einem hohen Niveau. Den Zielwert der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung übersteigt er mit druchschnittlich 97 Kilogramm pro Hektar um knapp 20 Kilogramm pro Hektar. Damit ist die Landwirtschaft in Deutschland mit einem Beitrag von 57 Prozent die größte Quelle für Einträge von Stickstoff in die Umwelt.

Während die EU-Kommission die Stickstoffbelastung weiter verringern will und derzeit die entsprechende Richtlinie überarbeitet, hat Deutschland bislang nicht einmal die bisherige Nitrat-Rahmenrichtlinie eingehalten. Nun aber will die Bundesregierung – auch auf Druck der Kommission – den Stickstoffüberschuss von 97 Kilogramm pro Hektar und schrittweiseauf 50 Kilogramm pro Hektar herunterdrücken. Ein Ziel, dass auch die Präsidentin des Umweltbundesamts, Maria Krautzberger, wiederholt gefordert hatte.

Anfang Januar hatte bereits der Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) in einem Sondergutachten Alarm geschlagen. Der Eintag von reaktivem Stickstoff in die Umwelt sei in Deutschland viel zu hoch und müsse mindestens halbiert werden. Um dieses Ziel zu erreichen, schlugen die Regierungsberater einige harte Maßnhamen vor. So solle der reduzierte Mehrwertsteuersatz auf Fleisch, Eier und Milchprodukte abgeschafft werden, da er die tatsächlichen Kosten der Massentierhaltung verschleiere. Schweinemäster sollten künftig dazu verpflichtet werden, Abgasreinigung in ihren Stall einzubauen. Und Landwirte sollten bei Überschreitung ihrer Düngerkontingente Strafe zahlen müssen.

Ökolandbau könnte wesentlichen Beitrag zum Umweltschutz leisten

Die aktuelle UBA-Studie formuliert ihre Empfehlungen, um all diesen Problemen entgegenzuwirken, dagegen allgemeiner. Zum einen gelte es, im konventionellen Landbau strengere Richtlinien zu befolgen. So müssten Stickstoff und Phosphor effizienter eingesetzt, Nährstoffüberschüsse begrenzt, die Tierhaltung auf bestimmte Flächen eingegrenzt und Düngemittel vorsichtiger ausgebracht werden, schreiben die Wissenschaftler.

Als zweite Empfehlung nennt die Studie die Umstellung auf ökologischen Landbau. Sie könnte einen „wesentlichen Beitrag zur Reduzierung umweltbelastender Stoffausträge in die Umwelt“ leisten.

Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen übte harsche Kritik an der Politik von Bundesagrarminister Christian Schmidt: „Der Landwirtschaftminister ist ein Ökolandbau-Verhinderungsminister, denn er lässt trotz zunehmender Nachfrage die umweltverträgliche Landwirtschaft im Stich“, sagte Hofreiter. „Nitratminister“ Schmidt kümmere sich nicht um die Grundwasserqualität und die gesundheitlichen und finanziellen Kosten seiner „verfehlten Politik“.

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