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30/07/2016

Streit um Glyphosat: Parlamentarier fordern EU-Kommission zum Handeln auf

Gesundheit und Verbraucherschutz

Streit um Glyphosat: Parlamentarier fordern EU-Kommission zum Handeln auf

Die Mehrheit der Deutschen ist einer Studie zufolge deutlich mit dem umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat belastet.

Foto: dpa

Abgeordnete des Europaparlaments und des Bundestags verlangen in einem offenen Brief an die EU-Kommission eine genaue Prüfung, ob der Unkrautvernichter Glyphosat nicht doch krebserregend ist.

Im Streit um die Neuzulassung des möglicherweise krebserregenden Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat haben sich Europa- und Bundestagsabgeordnete mehrerer Fraktionen in einem offenen Brief an die EU-Kommission gewandt. In dem Schreiben, das der Nachrichtenagentur AFP am Dienstag vorlag, fordern sie den EU-Kommissar für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, auf, einen Bericht des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) noch einmal genau zu prüfen.

Neben Abgeordneten aus dem grünen und linken Lager unterschrieb mit Josef Göppel (CSU) auch ein Politiker der großen Koalition den Brief.

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) arbeitet derzeit an einer Empfehlung, ob Glyphosat in der EU weiter zugelassen wird. Die Zulassung für das Pestizid endet Ende 2015. Im Zulassungsprozess ist Deutschland als Berichterstatter für die Koordination zuständig.

Das BfR hatte dazu die Gesundheits- und Umweltrisiken von Glyphosat überprüft und sieht nach eigenen Angaben “keine Hinweise auf krebserzeugende, reproduktionsschädigende oder fruchtschädigende Wirkung durch Glyphosat”. Die internationale Krebsforschungsagentur (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte das Pflanzengift dagegen als “wahrscheinlich krebserregend” ein.

Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner, der den Brief initiiert hat, wirft dem BfR vor, wichtige Studien zur Gefährlichkeit von Glyphosat in seiner Einschätzung nicht berücksichtigt zu haben. “Der fehlerhafte und verharmlosende Bericht” des BfR dürfe nicht die Basis für die Neuzulassung des Pflanzengiftes sein, erklärte Ebner.

Auch die Kampagnenorganisation Campact behauptet, das BfR habe wichtige Studien zur Gentoxizität und Kanzerogenität nicht berücksichtigt oder fehlerhaft ausgewertet. “Der Bericht spielt die Gesundheitsgefahren von Glyphosat systematisch herunter. Die Geheimniskrämerei und Vertuschung muss ein Ende haben“, sagte Gerald Neubauer von Campact.

Ob der Brief der Abgeordneten in der EU-Kommission auf offene Ohren stößt, ist ungewiss. Mitte September sagte ein EU-Sprecher, die Kommission beabsichtige, die Zulassung von Glyphosat vorläufig um weitere sechs Monate zu verlängern, um in Ruhe eine Entscheidung über die grundsätzliche Weiterverwendung oder das Verbot von Glyphosat treffen zu können.

Glyphosat ist weltweit das am weitesten verbreitete Pflanzengift. In Deutschland kommt das Mittel Schätzungen zufolge auf 30 bis 40 Prozent der Ackerflächen zur Anwendung.

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