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07/12/2016

Stille Killer: Unbekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Fokus der Glasgower Gesundheitskonferenz

Gesundheit und Verbraucherschutz

Stille Killer: Unbekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Fokus der Glasgower Gesundheitskonferenz

Bei der Gesundheitskonferenz stehen weitgehend unbekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf der Agenda. Foto: EC

Immer mehr Menschen leiden an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Vor allem schlechte Ernährung und eine zunehmend bewegungsarme Lebensweise stehen diesbezüglich im Fokus von Untersuchungen. Eine große Gesundheitskonferenz in Schottland rückt nun einige teilweise unbekannte Herz-Kreislauf-Erkrankungen in den Fokus, die genetisch bedingt sind. EurActiv Brüssel berichtet.

Die 83. Konferenz der Europäischen Arteriosklerose-Gesellschaft (EAS) findet in dieser Woche im schottischen Glasgow statt. Mit dieser Veranstaltung will man die wissenschaftliche Diskussion, die Diagnose und die Therapie von Arteriosklerose erleichtern. Arteriosklerose ist eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bei der sich die Arterien verhärten und verengen.

Rund 2.000 Delegierte werden zu der Konferenz erwartet. Sie wollen auch Arterienkrankheiten hervorheben, die selten erwähnt werden – und die manchmal nicht mit der Lebensweise zusammenhängen, sondern genetisch bedingt sind.

Dazu gehört die familiäre Hypercholesterinämie (FH), eine genetische Störung, die durch hohe Cholesterinwerte gekennzeichnet ist.

Im Februar befragten die Europaabgeordneten die Kommission zum Informationsmangel über „böses“ Cholesterin. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind von dieser Krankheit mittlerweile 54 Prozent der Europäer betroffen.

Einem Bericht der Cardiovascular Resource Group von 2011 zufolge leiden in den fünf größten EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) 133,3 Millionen Menschen an erhöhten LDL-Cholesterinwerten.

Die beiden Europaabgeordneten Roberta Metsola von der Europäischen Volkspartei (EVP) und die Sozialdemokratin Marlene Mizzi (S&D) schickten kürzlich schriftliche Anfragen an die EU-Kommission.

In ihren Fragen an die Kommission äußern Metsola und Mizzi ihre Sorge darüber, wie schnell sich erhöhte Cholesterinwerte in Europa ausbreiten und weisen auf die dadurch entstehende Gefahr für EU-Bürger hin. Sie werfen der EU und den Mitgliedsstaaten vor, nicht genug zum Schutz der Bürger vor den Gefahren hoher Cholesterinwerte zu unternehmen.

Die Kommission habe keine speziellen Programme zur Bekämpfung schlechten Cholesterins. Es gebe aber mehrere Initiativen, die sich auf die Erforschung der Erkrankung und die Schärfung des Bewusstseins dafür konzentrieren, schreibt Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis in seiner Antwort auf die Anfrage Metsolas.

Für eine Erkrankung wie FH können mehr Untersuchungen ein Schritt in die richtige Richtung sein. Denn Patienten mit hohen Cholesterinwerten haben oft keine Symptome. Das häufigste Problem bei FH ist die Entwicklung einer koronaren Arterienerkrankung in einem sehr viel jüngeren Alter, als es in der allgemeinen Bevölkerung angenommen würde.

Darauf wies Alberto Catapano, Präsident der EAS, bei einer Konferenz im Europaparlament im Dezember hin. Früherkennungen seien entscheidend und könnten dabei helfen, FH in einer ganzen Familie zu diagnostizieren, so Catapano.

„Wenn man es bei einer Person feststellt, kann man FH in vielen Familien auch bei drei weiteren Personen diagnostizieren. Das kann also eine sehr kosteneffiziente medinzinische Maßnahme sein“, erklärte er. 

Das Europaparlament solle in Betracht ziehen, auf ein EU-weites Register zu drängen, um die großen Unterschiede zwischen den europäischen Ländern bei FH-Untersuchungen anzugehen.

Doch auch nach der Diagnose von FH gibt es Schwierigkeiten. Denn die Befolgung der Behandlung ist nicht immer einfach. Einer US-Studie zufolge sind rund 40 Prozent der unter „bösem“ Cholesterin leidenden Frauen nicht in der Lage, die medizinischen, für die Kontrolle der Krankheit notwendigen Anordnungen einzuhalten.

Nach Angaben der Women Heart-Studie halten nur 62 Prozent der an der Studie teilnehmenden Frauen die Medikationspläne ein.

Die Frauen nannten schlechte Kommunikation zwischen den Patienten und behandelnden Ärzten, die Kosten für die Medikamente und den Widerstand der Versicherungsgesellschaften gegen die bevorzugten Medikamente und gegen Spezialisten-Besuche als Hauptursachen dafür, die Behandlung nicht einhalten zu können.

Hintergrund

Im weltweiten Vergleich leiden die Europäer am meisten unter zu hohen Cholesterinwerten. 54 Prozent aller Europäer sind nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) davon betroffen.

Einem Bericht der Cardiovascular Resource Group von 2011 zufolge leiden in den fünf größten EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) 133,3 Millionen Menschen an erhöhten LDL-Cholesterinwerten. In den USA sind 135,1 Millionen Menschen davon betroffen.

Die Statistiken in dem Bericht zeigen einen kontinuierlichen Anstieg der Zahlen in den letzten Jahren.

Zeitstrahl

  • 22. März- 25. März: Konferenz der Europäischen Atherosklerose-Gesellschft (EAS) in Glasgow