Sind Sie spielsüchtig?

Eine Spielhalle – nicht grundlos umgangssprachlich auch als Spielhölle bezeichnet. [Foto: Supachai Katiyasurin/Shutterstock]

Der Übergang vom normalen zum pathologischen Spielen und Wetten ist oft fließend. Welche Symptome sollten aufhorchen lassen, welche Ursachen haben Süchte und was kann helfen? Fragen und Antworten.

Sie wird ganz gerne vergessen, die Glücksspielsucht. Dass wir von Substanzen abhängig werden können – egal ob Essen, Kaffee, Nikotin, Medikamente, Drogen oder Alkohol – ist hinlänglich bekannt. Dass wir süchtig werden können vom Nichtessen ist den meisten Menschen unter der Bezeichnung Anorexie ebenfalls ein Begriff. Auch Sport, Arbeit, Sex, Putzen oder Konsum können uns abhängig machen. Und eben auch das Spielen.

Für Betroffene wie Angehörige ist der Weg oft lang, sich die eigene Sucht oder die Sucht des Partners (die meisten Glücksspielsüchtigen sind Männer) oder des Freundes einzugestehen. Zu ihr gehört fast immer das Verbergen derselben, was alles nur schlimmer macht, denn es bringt die Betroffenen in einen Kreislauf aus Lügen, aus Scham über die fehlende Selbstkontrolle und aus erneuten Lügen.

Es gibt jedoch einige Indizien, anhand derer sich ein normales von einem pathologischen Spielverhalten unterscheiden lässt, wobei die Grenzen fließend sind.

Nachfolgend sollen einige Fragen zur Spielsucht geklärt werden sowie Hilfestellungen für Betroffene und Angehörige gegeben werden. Dabei werden auch eine Reihe von Adressen und Links vorgestellt, die auf weiterführende Angebote verweisen.

Wann spricht man von Spielsucht?

Von der ICD-10, der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, wird Pathologisches Spielen unter die abnormen Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle eingeordnet. Diese Form der Sucht zeichnet sich durch die Unfähigkeit eines Betroffenen aus, dem Impuls zum Spielen oder Wetten zu widerstehen. Dabei werden gravierende Folgen im persönlichen, familiären oder beruflichen Umfeld billigend in Kauf genommen. Alles dreht sich um das Spielen, alles andere ist nicht mehr wichtig.

Die Symptome

Die Symptome sind bei allen Spielsüchtigen ähnlich. Es beginnt meist mit einer intensiven gedanktlichen Beschäftigung mit den verschiedenen Gewinnstrategien und mit dem Beschaffen des dafür nötigen Kapitals. Oft bemerken die Suchtgefährdeten selbst die große Anziehungskraft, die das Spielen auf sie hat, entschließen sich jedoch bewusst oder unbewusst, diese ersten Zeichen der Abhängigkeit zu ignorieren.

Ebenfalls ein Symptom sind gescheiterte Versuche, das eigene Spielverhalten einzuschränken und sich zu disziplinieren. Darauf folgt oftmals ein Gefühl des Versagens und der Scham. Diese verstärkt sich durch häufiger werdende Verluste in der Spielhalle, unterbrochen von einigen Hochgefühlen bei Gewinnen, die jedoch durch Verluste wieder gedämpft werden.

„Selbstgesteckte Ziele des Glücksspielstaatsvertrags teils deutlich verfehlt"

Der Glücksspielstaatsvertrag wird dieses Jahr evaluiert. Er soll das Glücksspiel in legale Bahnen lenken und den Jugendschutz garantieren. Eine soeben erschienene interdisziplinäre Studie will richtungsweisend für die Novellierung sein.

Dann geht es darum, sich den Verlust wiederzuholen, in dem mehr gespielt wird. So entsteht ein Kreislauf. Süchtig macht nicht nur das Spielen selbst, sondern auch die Gefühle der Erregung, die mit dem Spielen einhergehen und die Dämpfung negativer Emotionen, die von Versagensängsten, Depressionen oder einer generellen Unzufriedenheit mit der Lebenssituation herrühren können. Manche Betroffene verstärken diese Hochgefühle noch durch die Einnahme von Substanzen wie Kokain. Wenn Sie wissen wollen, ob Ihr Spielverhalten auffällige oder pathologische Züge trägt, können Sie hier Ihr Verhalten testen.

Ein tröstlicher Fakt zur Sucht

Jede Form der Sucht ist eine Krankheit. Sie hat nichts mit fehlender Willensstärke, Disziplinlosigkeit oder einem schlechten, unreifen Charakter zu tun. Zwischen 100.000 und 300.000 Menschen in Deutschland gelten als spielsüchtig. Und das sind nur jene, die sich in Programmen befinden. Experten gehen von höheren Zahlen aus.

Suchtpolitik in Deutschland zwiespältig

Dass so viele Menschen der Sucht erliegen, hat ebenfalls mit einer zwiespältigen politischen Haltung zu tun. Der Staat verdient einerseits am Glücksspiel und soll andererseits seiner Verantwortung bewusst werden, seine Bürger zu schützen. Daraus ergeben sich rechtliche Grauzonen und Schlupflöcher für die Betreiber von Spielhallen.

Gleichzeitig ziert sich der deutsche Staat, das Glücksspiel vollends zu legalisieren, was Experten wie etwa Heino Stöver, der in der sozialwissenschaftlichen Suchtforschung  an der Fachhochschule in Frankfurt tätig ist, kritisiert. So lange Sportwetten und Online-Casinos verboten blieben, könne der Markt auch nicht reguliert werden, sagte Stöver gegenüber Euractiv. Verbote seien nachweislich nicht zielführend. „Junge Menschen spielen trotzdem und zwar auf fremden Foren, in anderen Ländern. Wir verlieren durch die Verbote den Kontakt zu den Zielgruppen“, glaubt Stöver.

Was hilft? Eine stationäre oder ambulante Therapie

Ein wichtiger erster Schritt bei allen Süchten ist die Einsicht des Betroffenen, süchtig zu sein. Menschen, die gegen ihren Willen behandelt werden, etwa, weil sie sich im Strafvollzug befinden, weisen signifikant schlechtere Voraussetzungen für eine Heilung auf als Patienten, die sich selbst einweisen. Auch Geduld ist wichtig, denn bei vielen Menschen reicht der erste Entzug nicht aus.

Glücksspielsucht in Deutschland rückläufig

Der süchtige Glücksspieler ist 30, männlich und sozial eher schwächer. Doch seine Zahl nimmt in Deutschland trotz tausender Spielautomaten ab.

Je nach Schwere der Sucht wird eine stationäre einer ambulanten Therapie vorgezogen. Hierbei befindet sich der Patient in einer Klinik. So wird sein Alltag komplett durchbrochen, was einer Neustrukturierung zuträglich ist. Die Angebote sind vielseitig, hier geht es zu einer Übersicht der Kliniken, die speziell Programme für Spielsüchtige entwickelt haben. Noch mehr Informationen zu Instituten und Einrichtungen sind hier zu finden.

Ambulante Therapien, oftmals in Form einer Verhaltenstherapie, können sinnvoll sein, die Behandlung nach einer stationären Therapie fortzuführen und damit die Integration in den Alltag zu erleichtern. Im Fall einer milderen Abhängigkeit können wöchentliche Sitzungen ausreichen, um Wege aus der Sucht aufzuzeigen. Hier finden sich Adressen von auf Sucht und Spielsucht spezialisierten Therapeuten in ganz Deutschland.

Und nach der Therapie?

Nach Beendigung einer Therapie, egal ob stationär oder ambulant, ist es empfehlenswert, sich eine Selbsthilfegruppe zu suchen, um sich auszutauschen und vor allem, um nicht rückfällig zu werden. Nach Postleitzahlen geordnet gibt es hier eine Übersicht der aktiven Gruppen.

Wie die Anonymen Alkoholiker gibt es auch die Anonymen Spieler, die sich regelmäßig treffen; wo überall kann man hier einsehen.

Die Psychologie ist der Meinung, dass hinter Süchten oftmals andere Dinge stehen, die verdrängt oder betäubt werden sollen. Etwa Traumata, Missbrauch, Erfahrungen von (sexueller) Gewalt, Depressionen, Trauer oder Verlust. Es kann hilftreich sein, begleitend zur Therapie oder zum Besuch einer Selbsthilfegruppe Bücher zu diesem Thema zu lesen, um sich der eigenen Erfahrungen und Verhaltensmuster bewusst zu werden. Hier gibt es eine Liste mit Büchern zum Thema.