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17/01/2017

Patientenorganisationen warnen: Europa bemerkt Hepatitis-Krise nicht

Gesundheit und Verbraucherschutz

Patientenorganisationen warnen: Europa bemerkt Hepatitis-Krise nicht

Jedes Jahr sterben 120.000 Europäer an Hepatitis B und C.

[Shutterstock]

Die Zahl der Europäer, die mit Hepatitis B und C leben, steigt – vor allem in Osteuropa. Doch der Zugang zu einer Behandlung ist nicht ausreichend. Patientengruppen führen das auf Finanzierungsprobleme und Unwissenheit zurück. EurActiv Brüssel berichtet.

Die Zahl der Europäer mit Hepatitis B und C ist in den vergangenen vierzig Jahren drastisch gestiegen. Jedes Jahr sterben in Europa 120.000 Menschen daran. Doch viele Menschen mit Hepatitis C wissen gar nicht, dass sie die Krankheit haben. Sie wird von einem Virus verursacht, der hauptsächlich die Leber beeinträchtigt. Hepatitis C tritt oft ohne Symptome auf, die Krankheit schreitet nur langsam voran.

Experten zufolge haben Teile Europas gute Verfahren bei Interventionen. Doch für die meisten Länder sei eine qualitativ hochwertige Hepatitis-Versorgung eine große Herausforderung.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt der EU und ihren Mitgliedsstaaten die Entwicklung und Umsetzung eines Hepatitis-Aktionsplans mit folgenden Eckpunkten: Bewusstseinsbildung, Prävention und Behandlung.

Patientenorganisationen wie der Europäische Verband zum Studium der Leber, die Welt-Hepatitis-Allianz und die Europäische Vereinigung von Leberpatienten sowie die Pharmaindustrie trafen sich im vergangenen Jahr. Dabei vereinbarten sie Empfehlungen zur Hepatitis-Bekämpfung und erstellten einen neuen Bericht.

Der Bericht Hepatitis B and C: An action plan for saving lives in Europe soll den Entscheidungsträgern und den Gesundheitseinrichtungen die Bewältigung viraler Hepatitis erleichtern.

Die Regierungen müssten im Gegensatz zu AIDS/HIV, Tuberkulose und Malaria viele Mittel für Hepatitis selbst aufbringen, da es keinen weltweiten Finanzierungsmechanismus gebe, sagt Charles Gore von der Welt-Hepatitis-Allianz bei der Vorstellung des Berichts am Mittwoch in Brüssel.

„Das bedeutet, sie müssen, was ganz wichtig ist, in der Lage sein, einen Investitionsfall zu machen, um Ressourcen zuzuteilen. Der Bericht ist dazu da, den Regierungen zu helfen, das zu tun“, so Gore.

Schulung und Sensibilisierung der Gesetzgeber, der Öffentlichkeit und der Fachkräfte im Gesundheitswesen ist dem Bericht zufolge entscheidend zur Verbesserung der Prävention und der Handhabung von Hepatitis C.

Auch die Verbindung zwischen Hepatitis C und Leberkrebs sollte herausgestellt werden.

Sorgen um Osteuropa

In Europa hätten 13,3 Millionen Menschen Hepatitis B, 14 Millionen würden mit Hepatitis C leben, sagt Antons Mozalevskis vom WHO-Zusammenarbeitszentrum zu HIV und viraler Hepatitis.

„Die europäische Region ist sehr verschieden, was die Verbreitung, über 60 Prozent der Infizierten leben in Osteuropa, und frische Infektionen betrifft. Die Raten steigen dort noch immer“, so Mozalevskis.

Frankreich und Moldawien sind zwei gute Beispiele für die extremen Unterschiede bei der Handhabung von Hepatitis C in Europa.

Frankreich hat drei aufeinander folgende nationale Pläne umgesetzt. Damit will das Land eine Ausbreitung verhindern. Außerdem soll die Erkennungsrate bei Hepatitis C erhöht und der Behandlungszugang erweitert werden. Rumänien hat keinen nationalen Plan und die Erkennungs- und Behandlungsraten sind niedrig.

Hintergrund

Virale Hepatitis beeinträchtigt jedes Jahr Millionen Menschen. Die Krankheit verursacht Behinderungen und kann tödlich sein. Doch noch immer wissen die meisten Menschen mit Hepatitis B oder C nichts von ihrer Infektion.

Die hohen Infektionsraten, der dadurch entstehende Produktivitätsverlust und die Behandlungskosten sind weltweit eine schwere Belastung für die Gesellschaften.

Experten zufolge geht die globale Gemeinschaft diese stille Pandemie noch nicht systematisch und entschieden genug an.

Zeitstrahl

  • 2.-4. Sept.: Erster Welt-Hepatitis-Gipfel in Glasgow, Schottland.

Weitere Informationen

Nichtregierungsorganisationen