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29/08/2016

Neue EU-Gesetze zielen auf Gesundheit von Tier und Mensch

Gesundheit und Verbraucherschutz

Neue EU-Gesetze zielen auf Gesundheit von Tier und Mensch

Die Präsentation der Petition einer Welpenaufzucht in Wales.

[National Assembly for Wales / Flickr]

Tierseuchen gefährden auch die Gesundheit des Menschen. Dem will eine neue Verordnung des EU-Parlaments nun präventiv ein Ende bereiten. EurActiv Brüssel berichtet.

Das neue Tiergesundheitsgesetz wird zum ersten Mal das Wohlbefinden der Tiere mit öffentlicher Gesundheit auf EU-Ebene in Verbindung setzen. “Diese direkte Verbindung und der Fokus auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Antibiotika werden uns dabei helfen, gegen antimikrobielle Resistenzen zu kämpfen”, erklärt Jasenko Selimovic, EU-Abgeordneter (ALDE) und Berichterstatter. Das Parlament soll den Gesetzestext in einer Plenarsitzung im März offiziell verabschieden. Dieser widmet sich vor allem der Prävention und Kontrolle übertragbarer Tierkrankheiten.

Neue und wiederkehrende Tierseuchen tauchen in letzter Zeit immer häufiger auf. Hierfür gibt es zahlreiche Gründe wie zum Beispiel den Klimawandel.

Für 2016 hat die EU fast 161 Millionen Euro zugesagt, um Bekämpfungs-, Kontroll- und Überwachungsprogramme zur Ausrottung von Tierseuchen und Zoonosen (übertragbare Krankheiten) zu unterstützen. Außerdem will man die Gelder nutzen, um die Gesundheit von Tier und Mensch zu verbessern.

Im Rahmen der jüngsten Eurobarometer-Umfrage gaben mehr als vier von fünf Teilnehmern an, Landwirten sollten “zu Recht” die Subventionen gekürzt werden, wenn sie sich nicht an die vorgeschriebenen Standards der Tiergesundheit halten.

Fokus: Prävention

Das neue Gesetz schlägt außerdem Maßnahmen vor, die den Ausbruch von Tierkrankheiten wie der Vogelgrippe oder der afrikanischen Schweinepest verhindern oder unterbrechen sollen. EU-Bauern und andere Tierbesitzer- oder Händler “werden verpflichtet sein, die Prinzipien guter Haltung zu achten und vorsichtigen, verantwortungsbewussten Gebrauch von Tiermedizin zu machen”, heißt es im Entwurfstext. Der EU-Kommission komme dabei eine Aufsichtsfunktion zu. “Die EU-Kommission hat im Blick zu behalten, wie Tierantibiotika in den Mitgliedsstaaten tatsächlich genutzt werden. Zu diesem Zweck wird sie regelmäßig vergleichbare und ausreichend detaillierte Informationen veröffentlichen”, so der Text.

 

Ein allgemeiner Ansatz

Um die Wirksamkeit der Seuchenprävention zu garantieren, entschieden sich die EU-Gesetzgeber, sowohl das Parlament als auch den Rat bei der Erstellung einer Liste potenziell gefährlicher Krankheiten mit einzubeziehen. Diese soll in Absprache mit Experten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EBL) aufgesetzt werden.

Auch mehrere Interessengruppen wie zum Beispiel Landwirtsverbände, tierärztliche Vereinigungen und Tierschutzorganisationen werden Notfallpläne entwerfen und aktualisieren. “All diese Kontrollmaßnahmen haben das Wohlergehen der Tiere zu berücksichtigen und betroffenen Tieren, auch Streunern, unnötige Schmerzen, Stress oder anderes Leid zu ersparen”, lautet der Gesetzesvorschlag.

Nationale Datenbank für Haustiere

Um die Ausbreitungsmöglichkeiten von Krankheiten einzuschränken, sollen auch Haustiere unter den neuen EU-Gesetzentwurf fallen.

Damit herumstreunende Tiere keine Krankheiten übertragen können, integrierten EU-Abgeordnete Vorschriften, denen zufolge sich berufliche Tierhalter- und Verkäufer registrieren lassen müssen. Außerdem wird die Kommission den EU-Mitgliedsstaaten vorschreiben können, nationale Datenbanken für Hunde und andere Haustiere einzurichten soweit erforderlich.

Tierärzte seien laut Gesetzentwurf rechtlich dazu verpflichtet, “Bewusstsein zu schaffen für das Zusammenspiel von Tiergesundheit, Tierschutz und menschlicher Gesundheit”. Darüber hinaus hätten sie Besitzer über die Resistenz gegen Behandlungen aufzuklären, insbesondere über Antibiotikaresistenz.

Tiergesundheitsbranche ist zufrieden

Die IFAH-Europe vertritt die europäischen Hersteller von Tierarzneimitteln, -impfstoffen und anderen Tiergesundheitsprodukten. Sie begrüßt das neue Tiergesundheitsgesetz. Es bestätige ganz klar, wie wichtig die Tiergesundheit in Europa sei. “Seuchenprävention und -kontrolle durch eine verantwortungsbewusste Verwendung von Tierarzneimitteln und -impfstoffen dienen nicht nur dem Wohlergehen der Tiere. Sie stärken auch die landwirtschaftliche Nachhaltigkeit sowie die Gesundheit von Tier und Mensch”, erklärt IFAH-Generalsekretärin Roxane Feller. Da Krankheiten nicht vor Landesgrenzen Halt machten, sei es von größter Wichtigkeit, alles für den Schutz von Mensch und Tier in Europa zu tun.

“Tiergesundheitsunternehmen in Europa investieren kontinuierlich in innovative Möglichkeiten, Tierkrankheiten zu verhindern und zu kontrollieren”, so Feller. “Sie hoffen, dass die derzeitige Arbeit an der Regulierung von Fütterungsarzneimitteln und Tiermedikamenten die Tierseuchenverordnung stärkt. So können durch ein verbessertes Regelwerk mehr Ressourcen für Innovationen erschlossen werden.”

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