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27/05/2016

Luftverschmutzung: Feinstaub und Stickoxid in vielen deutschen Städten bedrohlich hoch

Gesundheit und Verbraucherschutz

Luftverschmutzung: Feinstaub und Stickoxid in vielen deutschen Städten bedrohlich hoch

Feinstaub, Ozon, Stickstoffdioxid: Laut Bundesumweltministerium ist die Belastung mit Luftschadstoffen in vielen deutschen Städten zu hoch.

[ [Christliches Medienmagazin pro/Flickr]

Die Belastung der Luft mit Feinstaub, Stickstoffdioxid und Ozon überschreitet in vielen deutschen Städten die zulässigen Grenzwerte. Dies zeigt ein neuer Bericht des Bundesumweltministeriums. Unter den Metropolen mit der höchsten Luftverschmutzung tauchen einige nicht zum ersten Mal auf.

Luftschadstoffe sind gesundheitsgefährdend und können bis zum Tod führen. Um diese Gefahren zu verringern, bestehen in Deutschland Grenzwerte. Doch diese werden immer noch an vielen Orten regelmäßig überschritten.

Wer in Stuttgart lebt ist deutschlandweit zurzeit der höchsten Luftverschmutzung ausgesetzt. Dies zeigt nun ein Bericht des Bundesumweltministeriums, der als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion zu Gebieten mit hoher Schadstoffbelastung in Deutschland veröffentlicht wurde. Darin sind die Messwerte zusammengefasst, die das Umweltbundesamt seit mehrere Jahren online veröffentlicht.

Stuttgart weist demzufolge einen Jahreswert beim Stickstoffdioxid auf, der zum Teil mehr als doppelt so hoch wie der zulässige Grenzwert liegt. Auf die Hauptstadt des Bundeslandes Baden-Württemberg folgen München, Reutlingen, Düren, Kiel, Limburg und Freiburg.

Ein weiteres ernsthaftes Problem stellt Feinstaub dar. In Stuttgart wurde der hier zulässige Grenzwert von maximal 40 Mikrogramm bis zu einer Partikelgröße von zehn Mikrometern pro Kubikmeter Luft im Jahr 2013 an 91 Tagen überschritten. Nach Stuttgart folgen bei der Feinstaubbelastung Reutlingen auf dem zweiten Platz, Markgröningen, Tübingen, Gelsenkirchen, Hagen und Leipzig.

Feinstaub bleibt große Gefahr

Zulässig sind bei Feinstaub höchstens 35 Überschreitungen pro Jahr. Denn im Feinstaub enthaltene Partikel stehen im Verdacht, Krankheiten wie Asthma, Krebs und Herz-Kreislauf-Beschwerden zu begünstigen. Kürzlich hatten Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München sogar zudem nachgewiesen, dass Luftschafstoffe die Erkrankung von Kleinkindern an Diabetes Typ 1 beschleunigen kann.

Der bundesweit höchsten Ozonbelastung sind die Bewohner vom Fichtelberg bei Oberwiesenthal ausgesetzt. Der Zielwert wurde dort an 46 Tagen im Jahr überschritten.

„Die Umwelt- und Gesundheitsbelastung ist vielerorts verheerend“, sagte der Bundestagsabgeordnete Peter Meiwald. Offensichtlich versagten die Regelungen des Bundes an zahlreichen Stellen.

Dass sich das Problem zeitnahe bewältigen lässt, halten die meisten Behörden und Institute für unwahrscheinlich. Zuletzt hatte auch das Umweltbundesamt Zweifel geäußert, „ob der ab 2020 geltende EU-Grenzwert für die noch kleineren Partikel PM2,5 in städtischen Wohngebieten eingehalten werden kann“.

Jürgen Resch, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, ermahnte die Bundesregierung zu schnellem Handeln gegen Feinstaub und Stickoxide. „Andere Länder machen vor, wie das geht“, sagte Resch. In der Schweiz müssten alle Baufahrzeuge und Lokomotiven zwangsweise mit Partikelfiltern ausgerüstet sein – hierzulande bestehe keine solche Pflicht. Auch an Busse stellten Städte wie Madrid oder Stockholm deutlich höhere Forderungen.

„Erschreckend ist, an wie vielen Messstellen die Grenzwerte überschritten werden“, sagte die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn. In fast jedem Bundesland gebe es kritische Regionen.

EU-Recht verpflichtet Staaten zur Eindämmung von Emissionen

Die EU-Kommission ermahnte Deutschland Ende vergangenen Jahres wegen der zu starken Luftverschmutzung durch Feinstaub – insbesondere in Stuttgart und Leipzig – und drohte mit rechtlichen Schritten, sollte die Bundesregierung nicht handeln.

Nach EU-Recht sind die Mitgliedstaaten zur Eindämmung der Emissionen verpflichtet. Welche Maßnahmen im Einzelnen ergriffen werden, steht im deutschen Ermessen. Werden die Grenzwerte aber nicht bald eingehalten, kann die Kommission im Rahmen eines Vertragsverletzungsverfahrens den Europäischen Gerichtshof anrufen.

Hintergrund

Luftschadstoffe sind weltweit - so auch in der EU und Deutschland - ein ernsthaftes Problem für die Gesundheit.

Die Europäische Umweltagentur hat in ihrem im März vorgestellten Sachstandsbericht konstatiert, dass allein Feinstaub in der Luft für jährlich rund 430.000 vorzeitige Todesfälle in der EU verantwortlich ist. Insbesondere in städtischen Gebieten sehe sie trotz Maßnahmen wie Fahrverboten oder strengeren Vorgaben für die Industrie keinen Grund für Entwarnung, so die Behörde.

Weltweit kommen derzeit einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge jährlich sieben Millionen Menschen durch die Luftverschmutzung ums Leben – mehr als durch Verkehrsunfälle.

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