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19/01/2017

Lebensmittelverschwendung: Britisches Oberhaus fordert Kommission zum Handeln auf

Gesundheit und Verbraucherschutz

Lebensmittelverschwendung: Britisches Oberhaus fordert Kommission zum Handeln auf

Unmengen von Lebensmitteln landen jedes Jahr in der Tonne.

[Ian Barbour/Flickr]

Das britische Oberhaus fordert die Kommission zusammen mit Parlamenten aus 16 anderen EU-Mitgliedsstaaten dazu auf, bei Lebensmittelabfällen hart durchzugreifen. Einen entsprechenden Brief schickten sie am Mittwoch an Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. EurActiv Brüssel berichtet.

Geschätzte 89 Millionen Tonnen Lebensmittel werden jedes Jahr in ganz Europa verschwendet- eine Zahl, die den Aufruf des britischen Oberhauses nach einem härteren Durchgreifen unterstreicht. Wenn nichts unternommen wird, könnte diese Zahl bis 2020 auf ungefähr 126 Millionen Tonnen steigen.

Weltweit endet demnach die Hälfte aller produzierten Nahrungsmittel – was zwei Milliarden Tonnen entspricht- jedes Jahr im Müll, wie der Bericht Global Food; Waste Not, Want Not von 2013 aufführt.

Daher schlugen die Gesetzgeber eine „Green Card“ für das Thema vor, in der sie eine Reihe von Maßnahmen zur Müllreduzierung fordern. Dazu gehören EU-weite Richtlinien für Lebensmittelspenden und eines stärkeres Monitoring der grenzüberschreitenden Lieferketten.

„Lebensmittelabfälle sind ein großes Problem, nicht nur für uns im Vereinigten Königreich, sondern in ganz Europa. Mit diesen sechzehn Parlamenten, die unterzeichneten, haben wir der Kommission gezeigt, dass es den kollektiven Wunsch gibt, zusammenzuarbeiten, um dieses Problem anzugehen. Wir freuen uns zu sehen, mit welchen Vorschlägen die Kommission aufwartet“, sagt Rosalind Scott, Vorsitzende des EU-Energie- und Umweltunterausschusses im britischen Oberhaus.

Bis jetzt konnten nationale Parlamente Einwände gegen bestimmte EU-Gesetze auf Basis des Subsidiaritätsprinzips einbringen.

Doch sie hatten nicht die Möglichkeit oder die Mittel, ihre Vorschläge für neue Initiativen zu kombinieren. Die Green-Card-Idee basiert auf dem Bericht des EU-Ausschusses von 2014 über die Rolle der nationalen Parlamente in der EU. Sie ermöglicht es nationalen Parlamenten, sich für Vorschläge an die Kommission zusammenzutun.

Zum jetzigen Zeitpunkt unterstützen 16 von 41 Kammern die erste Green Card der nationalen Parlamente. Dazu gehören die Parlamente Frankreichs, Portugals und der Niederlande.

Der Vorsitzende des EU-Ausschusses im Oberhaus, Timothy Boswell sagte: „Herr Juncker und seine Kollegen machten deutlich, dass sie mehr mit den nationalen Parlamenten zu tun haben wollen, deshalb hoffe ich aufrichtig, dass die Kommission sich aufrichtet und unseren Vorschlag beachtet. Wir haben gezeigt, dass wir zusammenarbeiten können, über nationale Grenzen hinweg, um den nationalen Parlamenten und den Bürgern, die sie vertreten, mehr Mitspracherecht bei der Gestaltung der EU zu geben.“

Hintergrund

Die Ressourceneffizienz ist eine der sieben Leitinitiativen von Europa 2020, der EU-Wachstumsstrategie für nachhaltige und integrative Wirtschaft. Die EU-Staats- und Regierungschefs billigten sie 2010.

Das Konzept ist gleichbedeutend mit der Entkoppelung von Wirtschaftswachstum von der Nutzung natürlicher Ressourcen wie Rohstoffen, Wasser, Luft oder Ökosystemen.

Die Kommission veröffentlichte im September 2011 ihren Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa. Sie empfahl die Einführung von Indikatoren und Zielen zur Messung des Verbrauchs natürlicher Ressourcen in ganz Europa.

Im Juni 2012 gründete sie eine Plattform zur Ressourceneffizienz. Die Plattform bringt nationale Regierungen, internationale Organisationen und Interessenvertreter an einen Tisch und soll festlegen, wie der Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa umgesetzt werden kann.