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16/01/2017

Kampf gegen Mangelernährung: Angereicherte Lebensmittel könnten Teil der Lösung sein

Gesundheit und Verbraucherschutz

Kampf gegen Mangelernährung: Angereicherte Lebensmittel könnten Teil der Lösung sein

Der Lebensbaum auf dem Gelände der Mailänder Expo.

[Henriette Jacobsen]

„Die Welt ernähren, Energie fürs Leben“ – das ist das Motto der diesjährigen Expo in Mailand. Nach Angaben von Experten könnten angereicherte Lebensmittel ein Teil der Lösung für Mangelernährung sein und eine Antwort auf die Sorgen um die Lebensmittelsicherheit sein. EurActiv berichtet aus Mailand.

In der vergangenen Woche sprachen Experten bei der Expo in Mailand über die entscheidende Bedeutung angereicherter Lebensmittel für die Ernährung der Weltbevölkerung.

Die weltweite Nachfrage nach Lebensmitteln steigt täglich, aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung und der rasch voranschreitenden Verstädterung. Das erhöht noch einmal den Druck auf die bereits begrenzten Land-, Energie-, und Wasserressourcen. Der Klimawandel sorgt für zusätzlichen Druck.

Rund 795 Millionen Menschen (mindestens 10,9 Prozent der Weltbevölkerung) leiden an chronischem Hunger und an chronischer Unterernährung.

Eine Folge der Unterernährung ist das sogenannte „stunting“. Das heißt: Die Kinder für ihre Alter zu klein. Ab dem zweiten Lebensjahr zeigen sich die Anzeichen einer Unterentwicklung. Rund ein Drittel der Kinder unter fünf Jahren sind kleinwüchsig. Das geht aus internationalen Standards für die Größe in diesem Lebensalter hervor – nach Angaben der Millennium Challenge Corporation.

Experten zufolge könnten angereicherte Lebensmittel ein Teil der Lösung sein.

Unter der Anreicherung von Lebensmitteln versteht man den Zusatz von Mikronährstoffen wie Vitaminen. Die verbreitetsten angereicherten Nahrungsmittel sind Getreide und Getreideprodukte, Milch und Milchprodukte, Fette und Öle, Tee und andere Getränke sowie Säuglingsanfangsnahrung.

Angereicherte Nahrungsmittel würden beim Bekämpfen der Mangelernährung eine wichtige Rolle spielen, aber sie seien nicht die einzige Lösung, da die Menschen eine diversifizierte Ernährung bräuchten, sagte Lynnda Kiess, Leiterin der Abteilung Ernährungspolitik beim UN-Welternährungsprogramm am EU-Stand der Expo.

„Angereicherte Lebensmittel werden nicht notwendigerweise Ballaststoffe oder andere Schlüsselelemente geben, die man bei einer normalen Ernährung braucht. Ihre Ernährung kann nicht nur aus angereicherten Nahrungsmitteln bestehen, doch angereicherte Lebensmittel können sehr viel beitragen“, so Kiess.

Ihren Angaben zufolge versuchen die Vereinten Nationen derzeit, Kinder mit den kostengünstigsten Zusatznahrungsmitteln zu erreichen. Sie sollen so ihren Nährstoffbedarf decken. Viele können es sich nicht leisten, zum Beispiel Fleisch zu kaufen. Hier spielen angereicherte ergänzende Lebensmittel eine Schlüsselrolle.

Angereicherte Lebensmittel könnten nicht alle Ernährungsprobleme lösen und eine vielfältige Ernährungsweise sei wichtig, sagte Anne Heughan, Leiterin der Abteilung Ernährung und Gesundheit beim britisch-niederländischen Unternehmen Unilever. Doch es gebe Gebiete, in denen eine massenhafte Anreicherung Ländern dabei helfen könne, eine schwierige Situation in der öffentlichen Gesundheit zu meistern.

Warren Lee ist Ernährungsreferent bei der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation (FAO) der Vereinten Nationen. Ihm zufolge haben insbesondere gefährdete Gruppen eine große Nachfrage für nährstoffreiche Lebensmittel, zum Beispiel für das Wachstum der Kinder.

Man müsse die Gemeinschaften außerdem dazu erziehen, lokale Lebensmittel zu essen. Denn es sei unklar, was passiert, wenn Menschen ihr ganzes Leben von angereicherten Nahrungsmitteln leben.

Angereicherte Lebensmittel seien lediglich ein Element in einer größeren Werkzeugkiste, sagte John Ingram, Leiter des Food Systems Programme an der Universität Oxford.

„Es gibt nicht die eine Antwort. Einige Instrumente sind bei einer bestimmten Gelegenheit wirksam, und die Frage ist, wie man das richtige Wissen hat und zu wissen, welches Instrument man wann nutzt.“

Hintergrund

Die Weltbevölkerung wird bis 2050 voraussichtlich die Neun-Milliarden-Grenze erreichen. Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen zufolge muss die Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigen, um die Bevölkerung ernähren zu können. Die globale Nachfrage für tierische Proteine würde sich so zwischen 2000 und 2050 verdoppeln.

Entwicklungshilfeorganisation liefern bereits angereicherte Lebensmittelprodukte an die Ärmsten, um die Mangelernährung zu bekämpfen.

Unter der Anreicherung von Lebensmitteln versteht man den Zusatz von Mikronährstoffen wie Vitaminen. Die verbreitetsten angereicherten Nahrungsmittel sind Getreide und Getreideprodukte, Milch und Milchprodukte, Fette und Öle, Tee und andere Getränke sowie Säuglingsanfangsnahrung.