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02/12/2016

HIV: Unicef zeichnet düstere Prognose

Gesundheit und Verbraucherschutz

HIV: Unicef zeichnet düstere Prognose

Ein Kind am Rande des Flüchtlingslagers Dadaab (Kenia)

Seit Jahren ist die Zahl der weltweiten HIV-Neuinfektionen nicht gesunken. Zugleich gibt es aber immer weniger Todesfälle durch Aids. Am 1. Dezember, dem Welt-Aids-Tag, warten noch immer Millionen Betroffene auf dringend benötigte Hilfe.

Anlässlich des Welt-Aids-Tages haben Politiker und Aktivisten erneut dazu aufgerufen, weiter entschieden gegen die Immunschwächekrankheit zu kämpfen. Besonders gefährdet sind laut UNAIDS noch immer junge Mädchen und Frauen in Subsahara-Afrika. Von den 37 Millionen HIV-Infizierten leben demnach mehr als zwei Drittel im südlichen Afrika. Auch die internationale Lobbyorganisation ONE fordert in ihrem aktuellen Bericht „Im Leerlauf verfangen“ mehr Investitionen für die Bekämpfung des HI-Virus.

Nach Schätzungen des UN-Kinderhilfswerks Unicef könnte die Zahl der jährlichen Neuinfektionen unter Jugendlichen im Jahr 2030 bis zu 400.000 betragen. Grund dafür seien vor allem demografische Veränderungen, darunter auch eine starke Zunahme junger Menschen. „Die Welt hat enorme Fortschritte in den globalen Bemühungen gemacht, Aids zu beenden, aber der Kampf ist noch lang nicht vorbei, besonders für Kinder und Jugendliche“, sagte Unicef-Direktor Anthony Lake. Sollten sich die Schätzungen bewahrheiten, würde sich in knapp 15 Jahren durchschnittlich alle 90 Sekunden ein Teenager mit HIV infizieren.

TÖDLICHE STAGNATION 

Nach Angaben der deutschen Stiftung Weltbevölkerung ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen seit sechs Jahren nicht gesunken. Pro Jahr kommt es zu ca. 2,1 Millionen Neuinfektionen, davon etwa 240.000 bei Kindern. Die anhaltend hohen Zahlen verdeutlichen die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen  und von gezielter Aufklärung in der Bevölkerung.

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Allerdings gehen die Finanzhilfen seit 2014 zurück. Unicef fordert daher unter anderem mehr Investitionen, einen besseren Datenaustausch und ein Ende der Stigmatisierung, die mit der Krankheit verbunden ist. Auch ONE warnt vor den Folgen der Bevölkerungsentwicklung in Subsahara-Afrika. Es bleibe nur noch ein Vier-Jahres-Fenster, um der Krankheit zuvorzukommen und nicht langfristig die Kontrolle über die Situation zu verlieren.

„Es gibt keine wirklich neuen Zahlen, Trends oder Ergebnisse bei der globalen Aids-Bekämpfung. Und genau das ist das Problem“, so Stephan Exo-Kreischer, Deutschland-Direktor von ONE. „Wir können aber nicht einfach so weitermachen. Angesichts der Bevölkerungsentwicklung müssen wir jetzt beherzt handeln, um das Ende von Aids noch zu erreichen. Andernfalls sind sogar die bereits gemachten Erfolge in Gefahr, zunichte gemacht zu werden. Die insgesamt erfolgreiche Wiederauffüllung des Globalen Fonds hat gezeigt, dass die Weltgemeinschaft weiterhin bereit ist, den Kampf gegen Aids zu führen. Es fehlt jedoch der Ehrgeiz, ihn auch zu gewinnen.“

VORURTEILE IN DEUTSCHLAND

In Deutschland leben laut Robert-Koch-Institut etwa 85.000 Menschen, die mit dem HI-Virus infiziert sind oder bereits an Aids leiden. Zwar haben die meisten von ihnen dank moderner Medikamente eine fast normale Lebenserwartung. Wie in ganz Europa veränderte sich aber auch in Deutschland die Zahl der Neuinfektionen nicht merklich.

Das Thema der diesjährigen Kampagne in Deutschland zum Welt-Aids-Tag legt den Schwerpunkt auf die Ausgrenzung von HIV-Infizierten in der Gesellschaft. Unter dem Hastag #positivzusammenleben soll ein deutliches Zeichen für ein stärkeres Miteinander gesetzt werden. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sagte: „Mit erfolgreicher Präventionsarbeit und hochwertiger Behandlung haben wir es erreicht, dass Deutschland zu den Ländern mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa gehört. Wir dürfen jedoch nicht nachlassen, die Krankheit weiter zu bekämpfen und über Risiken aufzuklären.“

Auch Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sagte, in Deutschland müsse noch gegen Ängste und Vorurteile gegenüber HIV-Infizierten gekämpft werden: „Seit 1996 stehen hoch wirksame Medikamente zur Therapie zur Verfügung, die seitdem stetig verbessert wurden. Zur vollen AIDS- Erkrankung kommt es nicht mehr, wenn eine HIV-Infektion rechtzeitig behandelt und diagnostiziert wird. Sie ist dann eine chronische Krankheit. Mit unserer Kampagne #positivzusammenleben wollen wir einen Einblick in das Leben mit HIV geben und Mut machen. Den Mut, aufeinander zuzugehen, über Ängste zu sprechen und dazuzulernen. Damit sich niemand mehr verstecken muss und wir positiv zusammen leben können.“