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07/12/2016

Heuschrecken und Nanomaterialien: Neuartige Lebensmittel sollen in EU leichter zugelassen werden

Gesundheit und Verbraucherschutz

Heuschrecken und Nanomaterialien: Neuartige Lebensmittel sollen in EU leichter zugelassen werden

Novel Food, wie Lebensmittel, die proteinreiche Insekten enthalten, sollen in der EU leichter zugelassen werden.

[EP]

Neuartige Nahrungsmittel, die etwa Nanomaterialien oder proteinreiche Insekten enthalten, sollen in der Europäischen Union künftig leichter zugelassen werden können.

Das EU-Parlament fordert eine einfachere Zulassung für neuartige Lebensmittel – auch „Novel Foods“ genannt. Eine entsprechende Verordnung haben Europas Volksvertreter am Mittwoch unter Dach und Fach gebracht. Der Rat, in dem die 28 EU-Staaten vertreten sind, hat dem Vorhaben bereits grundsätzlich zugestimmt. Er muss den Text nun noch formal absegnen, was in Kürze geschehen dürfte. Abschließend kann die Verordnung in Kraft treten.

Ziel der „Novel-Food“-Verordnung ist es, eine Regelung aus dem Jahre 1997 neuen Entwicklungen in der Lebensmittelbranche anzupassen. Betroffen sind Produkte, die damals nicht in nennenswerten Mengen auf dem europäischen Markt waren. Dies sind zum Beispiel Nahrungsmittel, die mit neuen Methoden – etwa Hochdruckverfahren – haltbar gemacht werden oder die bestimmte Mikroorganismen wie probiotische Bakterien enthalten. Unter die Neuregelung fallen auch Lebensmittel, die in Drittstaaten bereits seit langem traditionell verzehrt werden – wie proteinreiche Grillen, Heuschrecken und Mehlwürmer, Chinasamen oder Früchte des Noni-Baums.

Die Verordnung sieht ein zentrales Zulassungsverfahren für solche neuartigen Lebensmittel vor. Damit soll die Sicherheit der Produkte garantiert werden. Die genehmigten Lebensmittel werden anschließend in eine öffentliche EU-weite Liste aufgenommen.

Offene Tür für Klonfleisch?

Mehrere Abgeordnete äußerten Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit des Prüfverfahrens, für das die Europäische Nahrungsmittelbehörde Efsa zuständig sein soll. Dieser Behörde wurde wiederholt mangelhafte Transparenz und zu große Nähe zu bestimmten Lobbygruppen vorgeworfen.

Vor allem Sozialdemokraten befürchten zudem, dass die Verordnung ein Hintertürchen für den Import von Klonfleisch sein könnte. Sie hatten vergeblich eine Übergangsregel gefordert, bis ein Verbot von Klonfleisch – über das derzeit in der EU verhandelt wird – in Kraft getreten ist. Nach Angaben aus dem Parlament könnte es noch ein Jahr dauern, bis das Klonfleisch-Verbot geltendes Recht ist.

In diesem Zeitraum könne es eine Gesetzeslücke geben, durch die Klonfleisch etwa aus den USA in die EU gelangen könnte, warnte die SPD-Abgeordnete Susanne Melior. Außerdem kritisiert sie, dass auch Lebensmittel mit Nanopartikeln zugelassen werden könnten. „Bislang ist völlig unklar, wie sich die winzigen Nanopartikel nach der Aufnahme im Körper verhalten und welche Auswirkungen sie auf die Gesundheit haben.“