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29/09/2016

GVOs: EU will neuen Genmais bewilligen

Gesundheit und Verbraucherschutz

GVOs: EU will neuen Genmais bewilligen

1507-Genmais soll vor bestimmten Lepidoptera-Schädlingen schützen.

[erfan a. setiawan CC BY 2.0/Flickr]

Die Kommission verhandelt seit dem Wochenende mit den Mitgliedsstaaten darüber, den Anbau von zwei neuen Genmaissorten in der EU zuzulassen. EurActiv Brüssel berichtet.

Am 8. Juli kam erstmalig der Ständige Ausschuss für Tiere, Pflanzen, Lebensmittel und Futtermittel zusammen, um die Zulassung zweier genetisch veränderter Organismen (GVOs) durchzusetzen. Bei den neuen Arten handelt es sich um Bt11- und 1507-Mais – kurz gesagt: Genmais. Auch die Zulassung von Monsantos insektenresistentem MON810-Mais soll verlängert werden. Alle drei Sorten seien einer strikten wissenschaftlichen Beurteilung unterzogen worden, erklären EU-Vertreter EurActiv gegenüber.

1507-Genmais wurde zum Schutz vor bestimmten Lepidoptera-Schädlingen wie dem Europäischen Maiszünsler entwickelt. Außerdem verfügt die Sorte über ein Gen, das sie dem Herbizid Glufosinat gegenüber tolerant macht. Bt11 ist eine insektenresistente und herbizidtolerante Maisart, deren Lizenz bei Syngenta Seeds liegt.

Auf der Tagesordnung vom 8. Juli standen lediglich erste Gespräche über das Thema. Abgestimmt wurde noch nicht. Weitere Diskussionen wolle man in der zweiten Jahreshälfte 2016 führen, heißt es aus EU-Kreisen.

Eine erst kürzlich eingeführte EU-Richtlinie (2015/412) bietet den Mitgliedsstaaten mehr Flexibilität, unter bestimmten Bedingungen selbst über den Anbau von GVOs zu entscheiden. Sie können beispielsweise im Rahmen des allgemeinen Zulassungsverfahrens darum bitten, den geografischen Anwendungsbereich so einzuschränken, dass ihr Territorium nicht unter die EU-Genehmigung fällt.

Selbst wenn eine GVO-Sorte schon autorisiert wurde, kann ein Mitgliedsland ihren Anbau noch immer verbieten oder einschränken, indem es zum Beispiel auf umwelt- oder landwirtschaftspolitische Zielsetzungen verweist. Die Anbaugenehmigung kann auch aus Gründen der Landschaftsplanung, der Sozialpolitik, des Zusammenlebens und der öffentlichen Ordnung verweigert werden.

17 Mitgliedsstaaten machten bei den zwei neuen Maissorten und MON810 bereits Gebrauch von ihrer Ausstiegsklausel. Auf ihrer gesamten Landesfläche ist somit der Anbau dieser GVOs verboten. Hierzu zählen: Lettland, Griechenland, Frankreich, Kroatien, Österreich, Ungarn, die Niederlande, Polen, Litauen, Zypern, Bulgarien, Italien, Dänemark, Slowenien, Luxemburg und Malta. In Deutschland ist ihr Anbau nur zu Forschungszwecken gestattet. Zwei weitere Mitgliedsstaaten haben die Ausstiegsklausel nur für Teile ihres Territoriums genutzt: Belgien für die Region Wallonien sowie Großbritannien für Schottland, Wales und Nordirland.

Sollten die Genmaissorten also tatsächlich genehmigt werden, bleibt ihnen ein Großteil der europäischen Anbaufläche verwehrt.