Große Unterschiede beim Renteneinkommen in Europa

Old people

Die Rentenangleichung zwischen Ost und West könnte bis zu 16 Milliarden Euro kosten. [Shutterstock]

Eine neue Studie zeigt enorme Unterschiede beim Renteneinkommen in Europa auf. Die größten Probleme liegen in Polen, Griechenland, Italien und der Tschechischen Republik. EURACTIV Brüssel berichtet.

In mehreren EU-Mitgliedsstaaten geben laut neusten SHARE-Forschungsergebnissen mehr als 50 Prozent der Haushalte an, nur schwer über die Runden zu kommen. SHARE (Survey of Health, Ageing and Retirement in Europe) untersucht die durch den demographischen Wandel hervorgerufenen sozialen Herausforderungen Europas. In Dänemark und Schweden geben nur etwa 20 Prozent der Haushalte an, finanzielle Probleme zu haben.

Die Studie widmet sich auch anderen Faktoren, die das Wohlbefinden Europas älterer Generationen bestimmen. So gehen in zahlreichen Ländern ältere Menschen verfrüht in Rente, da sie unter schlechten Arbeitsbedingungen oft monotoner oder stressiger Arbeit nachgehen.

Das Ungleichgewicht zwischen hohem Arbeitseinsatz und geringer Entlohnung führt oft zur Frühverrentung. Dies ist zum Beispiel in Polen und Griechenland der Fall, wo überdurchschnittlich viele Menschen angeben, früher in Rente gehen zu wollen.

Im Gegensatz dazu ist die Arbeitsqualität hinsichtlich des Verhältnisses von Einsatz und Vergütung in den nordischen Ländern und den Niederlanden im Durchschnitt recht hoch, so die SHARE-Umfrage. In diesen Ländern gehen die wenigsten älteren Beschäftigten verfrüht in Rente.

Ältere Bevölkerungen bringen größere Herausforderungen für die Sozial- und Gesundheitspolitik in Europa sowie in vielen anderen Ländern mit sich, in denen der Anteil der über 60-Jährigen innerhalb der nächsten 20 Jahre bald ein Drittel der Gesamtbevölkerung ausmachen wird. Das bedeutet, dass eine schrumpfende Anzahl von Erwerbstätigen immer mehr wirtschaftlich abhängige, ältere Menschen unterstützen muss.

Am Dienstag, den 29. Oktober, wurde die SHARE-Studie in Brüssel veröffentlicht. Dabei betonte Ruth Paserman, stellvertretende Kabinettsvorsitzende der Kommissarin für Beschäftigung, Marianne Thyssen, dass die EU-Exekutive die Studie nutzen wird, um herauszufinden, welche Anreize Regierungen schaffen können, um Menschen, die arbeiten wollen, länger auf dem Arbeitsmarkt zu halten.

Außerdem will die Kommission herausfinden, wie man der Diskriminierung älterer Angestellter am Arbeitsplatz entgegenwirken kann.

Dass das Altern der Bevölkerung in einer Gesellschaft zu einem Generationenkonflikt führe, sei zwar ein beliebtes Thema in Fernsehsendungen, sehe aber in der Realität ganz anders aus, so Axel Börsch-Supan, Direktor des Max-Planck-Instituts für Sozialrecht und Sozialpolitik und Koordinator der SHARE-Umfage.

„Die Kohäsion zwischen den Generationen ist in Europa noch immer sehr stark ausgeprägt. Daher hat eine gut ausgearbeitete Staatspolitik, die auf einer soliden Datengrundlage aufbaut, gute Chancen, den Lebensstandard der Menschen trotz alternder Bevölkerung zu erhöhen“, erklärt Börsch-Supan.

Die SHARE-Umfrage legt außerdem nahe, dass Europas ältere Generationen nach dem Renteneintritt nicht immer untätig sind. Vor allem in Nordeuropa arbeiten beispielsweise viele Rentner als Freiwillige.

In Deutschland, Frankreich, Österreich, Dänemark, den Niederlanden und Schweden, geben viele an, eine enge Eltern-Kind-Beziehung zu unterhalten. Im Mittelmeerraums ist es hingegen normal, dass mehrere Generationen zusammenleben und täglich in Kontakt stehen.

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