Großbritannien verzeichnet alarmierenden Anstieg an Diabetesfällen

Bei jedem vierten Todesfall in der EU ist Diabetes die Todesursache. [Shutterstock]

Dramatische Zahlen im Vereinigten Königreich: Innerhalb von nur zehn Jahren stieg die Zahl der Diabetiker dort um 1,2 Millionen. EURACTIV Brüssel berichtet.

Nach Angaben von Diabetes UK haben 3,3 Millionen Menschen in Großbritannien Diabetes, während es 2005 noch zwei Millionen waren.

Die vom Nationalen Gesundheitsdienst (NHS) zusammengestellten Zahlen berücksichtigen noch nicht einmal die Zahl der Menschen, die nichts von ihrer Erkrankung wissen. Sie wird auf 600.000 geschätzt.

„Im vergangenen Jahrzehnt ist die Zahl der Diabetiker im Vereinigten Königreich um über eine Million Menschen gestiegen, was der Bevölkerung eines kleinen Landes wie Zypern entspricht. Mit einer Rekordzahl von Menschen, die jetzt im Vereinigten Königreich mit Diabetes leben, ist keine Zeit zu verlieren – die Regierung muss jetzt handeln“, erklärte Barbara Young, CEO von Diabetes UK in einer Stellungnahme.

Alle zwei Minuten stirbt nach Angaben des European Diabetes Leadership Forum (EDLF) ein EU-Bürger an einer Erkrankung, die mit Diabetes im Zusammenhang steht. Das EDLF ist ein Interessensverband, der Diabetes auf der Agenda der öffentlichen Gesundheit nach oben bringen will.

Die Hälfte aller Diabetiker stirbt an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung. Damit ist Diabetes die vierthäufigste Todesursache in Europa, wie EDLF-Zahlen zeigen. Zehn bis 20 Prozent sterben demnach an Nierenversagen, zehn Prozent entwickeln ernsthafte Sehstörungen. 50 Prozent leiden an diabetischer Neuropathie.

Der Anstieg zeige die dringende Notwendigkeit für eine wirksame Gesundheitsversorgung für Diabetiker, warnt Diabetes UK. Die Organisation betont auch die Wichtigkeit der Prävention. Nicht zu handeln gefährde den NHS.

Diabetes koste den NHS pro Jahr bereits zehn Milliarden Pfund (14,1 Milliarden Euro), so Young. 80 Prozent werden für die Handhabung vermeidbarer Komplikationen ausgegeben.

„Also gibt es ein großes Potenzial zur Geldeinsparung und um den Druck auf die NHS-Krankenhäuser und Dienste zu reduzieren, indem man eine bessere Versorgung dafür bereitstellt, bei Menschen mit Diabetes die Entwicklung von fatalen und kostspieligen Komplikationen zu verhindern“, sagte sie.

Auch Dänemark verzeichnet einen dramatischen Anstieg bei der Zahl der Diabetesfälle. Zwischen 2002 und 2012 hatte das Land einen Anstieg von 84 Prozent – von 174.000 auf 320.500 Diagnosen. Diese Zahl soll sich bis 2025 verdoppeln. 

Hintergrund

Diabetes ist gekennzeichnet durch eine chronische Erhöhung des Blutzuckers, verbunden mit dem Risiko für schwere Begleit- und Folgeerkrankungen. Die Krankheit tritt auf, weil die Insulinproduktion unzureichend ist, weil die Körperzellen nicht richtig auf Insulin reagieren oder weil beide Fälle eintreten. Hohe Blutzuckerwerte führen zu vermehrtem Wasserlassen, zunehmendem Durst und Hunger.

Unbehandelt kann Diabetes viele Komplikationen wie Herzkrankheiten, Schlaganfälle, Nierenversagen, Fußulcera und Augenschäden verursachen.

Zeitstrahl

  • 14. November: Welt-Diabetes-Tag

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