Greenpeace: Pestizid-Rückstände an vielen Äpfeln aus Supermärkten

Agrargifte aus der deutschen Apfelproduktion landen auch im Supermarkt. [J. Triepke/Flickr]

Pestizid-Rückstände belasten laut einer Untersuchung der Umweltorganisation Greenpeace 83 Prozent konventionell produzierter Äpfel. 60 Prozent enthalten sogar Pestizid-Cocktails von 2 bis 8 Wirkstoffen.

Ein großangelegter Test der Umweltschutzorganisation Greenpeace bei Äpfeln in europäischen Supermärkten hat keine Hinweise auf Pestizid-Grenzwertüberschreitungen ergeben.

Bei allen 126 Proben aus elf Ländern hätten die Werte unter den zulässigen Höchstmengen gelegen, teilte Greenpeace am Mittwoch in Hamburg mit. Allerdings seien bei 91 Prozent der aus konventionellem Anbau stammenden Äpfel Rückstände von Pestiziden oder Abbauprodukte von Pestiziden nachweisbar gewesen. Nur biologisch angebaute Äpfel seien durchgehend frei von Rückständen gewesen.

Nach Darstellung von Greenpeace sind die Pestizidspuren wegen der schädlichen Auswirkungen der Mittel auf die Umwelt sowie teilweise nicht abschließend geklärter gesundheitlicher Risiken trotzdem problematisch. In vielen Fälle sei eine „klare und umfassende“ Analyse aufgrund von Datenlücken und Unsicherheiten bei der Einschätzung bestimmter Gefahrenpotenziale unmöglich.

„Greenpeace-Untersuchung grenzt an Verbrauchertäuschung“

Scharfe Kritik an der Greenpeace-Veröffentlichung übte der deutsche Industrieverband Agrar (IVA). Er warf der Organisation vor, das eigentlich erfreuliche Ergebnis des Tests durch die Warnungen vor „Pestizid-Cocktails“ bewusst zu konterkarieren. Zudem seien die Aussagen zu Bioäpfeln irreführend, weil auch deren Hersteller auf ihren Plantagen nicht ohne chemischen Pflanzenschutz durch Pyrethrine, Schwefel oder Kupferverbindungen auskämen. „Was Greenpeace hier macht, grenzt in vieler Hinsicht an Verbrauchertäuschung“, erklärte der IVA.

In Deutschland untersuchte Greenpeace 39 Apfelproben aus sieben verschiedenen Ladenketten, darunter waren sechs aus biologischer Produktion. Diese waren alle völlig frei von Pestizid-Rückständen. Bei den 33 Apfelproben aus konventionellem Anbau waren vier pestizidfrei, an den anderen fanden sich Spuren von teils mehreren Mitteln.

Generell müssten Supermärkte mit den Erzeugern darauf hinarbeiten, den Pestizid-Einsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren, forderte Greenpeace. Die Fülle der in der konventionellen Apfelzucht eingesetzten Pestizide biete in Kombination mit den bestehenden Wissenslücken „Anlass zu ernsthafter Sorge“. Akut gefährdend für Konsumenten sei aber keiner der gefundenen Rückstände, betonte die Organisation. Dafür seien die Konzentrationen zu gering.

Unter den in Deutschland nachgewiesenen Pestiziden waren den Angaben zufolge Substanzen, die giftig für Bienen oder Wasserorganismen sind oder aber sehr lange in der Umwelt überdauern könnten. Einige davon würden außerdem als „wahrscheinlich krebserregend, neurotoxisch oder schädlich für Fortpflanzung und Entwicklung“ eingestuft, erklärte Greenpeace. Alle seien aber offiziell erlaubt.

Für seinen Test kaufte Greenpeace nach eigenen Angaben zwischen dem 24. August und dem 17.September Tafeläpfel in diversen Supermärkten und ließ diese anschließend in einem Labor in Deutschland auf Pestizide untersuchen.

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