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22/01/2017

Glyphosat: Nützliches Mittel oder gefährliches Gift?

Gesundheit und Verbraucherschutz

Glyphosat: Nützliches Mittel oder gefährliches Gift?

Die Erfolgsaussichten der Petition gegen Glyphosat in der EU stehen schlecht.

[Campact/Flickr]

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) gibt am Donnerstag ihre Stellungnahme zu Glyphosat ab. Das beliebte Düngemittel ist für die einen nützlich und hocheffizient – für die anderen ist der Unkrautvernichter ein lebensgefährliches Gift. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Was ist Glyphosat?

Glyphosat ist ein Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln (Pestiziden). Es dient der Unkrautvernichtung. Glyphosat kommt rund um die Welt zum Einsatz und wird unter verschiedenen Namen von verschiedenen Firmen vermarktet. Der US-Konzern Monsanto hat Glyphosat in den 1970er Jahren zum Pestizid entwickelt.

Wie wird Glyphosat in Deutschland genutzt?

In Deutschland werden pro Jahr geschätzt rund 5.000 Tonnen ausgebracht, vor allem in der konventionellen Landwirtschaft. Die Bauern brauchen dafür einen Sachkundenachweis. Ohne solchen Ausweis, aber dafür nur in kleinen Mengen, gibt es das Mittel auch für den eigenen Rasen im Gartencenter. Glyphosat kann darüber hinaus zum Beispiel bei der Pflege von Bahngleisen eingesetzt werden.

Warum gibt es Streit um Glyphosat?

Der Streit dreht sich um vor allem um mögliche Gesundheitsgefahren. Strittig sind nicht nur die Ergebnisse verschiedener Berichte und Studien, sondern die wissenschaftliche Herangehensweise insgesamt, zum Beispiel wann eine Studie glaubwürdig ist. Anlass für das Hochkochen des Streits ist, dass die Zulassung für Glyphosat demnächst ausläuft und verlängert werden soll.

Welche möglichen Gefahren sind benannt worden?

Bedenken äußerte im März die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC): Glyphosat sei „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“, erklärte die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende IARC. Der Biologie Tomas Brückmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hält das für glaubhaft und zählt daneben Schädigungen von Keimzellen, hormonelle Störungen und Auswirkungen auf die Darmflora auf. Der Grünen-Politiker Harald Ebner erklärt: „Vor allem in den Soja-Anbaugebieten Südamerikas wird eine extreme Zunahme an Missbildungen bei Neugeborenen, Fehlgeburten, Nierenschäden oder auch verschiedene Krebsarten registriert, die von einigen WissenschaftlerInnen auch auf den massiven Einsatz von Glyphosat zurückgeführt werden.“

Sind diese Bedenken haltbar?

„Glyphosat ist nicht krebserregend. Das kann man aufgrund einer breiten Basis von Studien sagen“, erklärt Thoralf Küchler vom Monsanto-Konzern. Insbesondere sei das IARC-Urteil „nur auf eine kleine Auswahl von Daten gestützt“. Daneben werde es oft missverstanden. Denn die IARC bewerte Gefährdungspotentiale – aber keine Risiken. Selbst wenn von Glyphosat ein Gefährdungspotential für Krebs ausginge, wäre dies nicht gleichbedeutend mit einem Krebsrisiko, denn der Mensch wäre dem Gefährdungspotential gar nicht ausgesetzt, erläutert Küchler, der über Pestizide promoviert hat. Und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) wies im September darauf hin, dass bei einer Reihe wichtiger Studien nicht die Wirkung von Glyphosat an sich, sondern verschiedener Gemische untersucht und daher auch nur deren Wirkungen festgestellt werden konnten.

Was wären die Alternativen zu Glyphosat?

Der Deutsche Bauernverband (DBV) kennt keinen gleichwertigen Ersatz. „Wenn Glyphosat nicht wieder zugelassen werden sollte, dann würden in Deutschland voraussichtlich verstärkt andere Pflanzenschutzmittel eingesetzt oder die Landwirte würden die Bodenbearbeitung wieder intensivieren“, urteilt Katja Börgermann vom DBV und macht auf die Konsequenzen aufmerksam. „So würde es weniger wirksame Maßnahmen gegen Erosionsschutz oder gegen die Austrocknung sandiger Böden geben.“ Ähnlich warnt die SPD-Europaabgeordnete und Diplom-Biologin Susanne Melior, die Politik dürfe sich nicht von vornherein auf ein Verbot von Glyphosat versteifen. Denn dann könnte am Ende herauskommen, „dass man fünf andere“ Pestizide hat, die es ersetzen und womöglich noch öfter ausgebracht werden müssten.

Was passiert jetzt?

Nach der Stellungnahme der Efsa ist die EU-Kommission am Zug. Sie muss in den kommenden Monaten und zusammen mit den EU-Staaten endgültig über die Neuzulassung entscheiden.