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25/09/2016

Glyphosat droht in ganz Europa das Aus

Gesundheit und Verbraucherschutz

Glyphosat droht in ganz Europa das Aus

Die Verlängerung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat steht auf der Kippe.

Foto: dpa

Im Streit innerhalb der Bundesregierung um die weitere Zulassung von Glyphosat bleiben die SPD-Minister bei ihrer Ablehnung. Dem Unkrautvernichter droht damit in ganz Europa das Ende.

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel würden „jede Form einer Verlängerung“ der Zulassung in der EU ausschließen, teilte das Bundesumweltministerium mit. Bleibt die Union bei ihrer Zustimmung, wäre Deutschlands Position bei der EU-weiten Abstimmung unentschieden – eine weitere Zulassung ist damit äußerst fraglich.

Hendricks erklärte ihre Ablehnung damit, dass Glyphosat „nicht ein Pflanzenschutzmittel unter vielen sei“. Aufgrund seiner häufigen Nutzung seien negative Auswirkungen potenziell erheblich. Von ihr werde bei dem Thema deshalb „zu Recht eine besondere Vorsicht erwartet“. Wegen seiner Gefahr für die biologische Vielfalt sei der Unkrautvernichter allein „aus Umweltsicht nicht genehmigungsfähig“ – es sei denn, bei der Anwendung würden strenge Risikominderungsmaßnahmen zur Pflicht.

Als noch bedeutsamer bewertete die Umweltministerin allerdings die mögliche Gefahr von Glyphosat für den Menschen. Zwar komme das Bundesinstitut für Risikobewertung anders als die Weltgesundheitsorganisation WHO nicht zu dem Schluss, dass das Mittel „wahrscheinlich krebserzeugend“ sei. Jedoch könne ein Wirkstoff nur genehmigt werden, wenn er auch „nicht das Potenzial hat, krebserzeugend zu sein“, erklärte Hendricks. Alle SPD-geführten Ressorts in der Bundesregierung verpflichteten sich hierbei dem sogenannten Vorsorgeprinzip.

Die Naturschutzorganisation BUND begrüßte das Nein der SPD. Um Menschen und Umwelt vor den Risiken des Pestizids zu schützen, dürften Mitgliedstaaten und
EU-Kommission „das Ackergift nicht länger zulassen“, erklärte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger. Auch wenn die krebserzeugende Wirkung nicht zweifelsfrei geklärt sei, trage es „massiv zum Artensterben in der Agrarlandschaft bei“. Landwirtschaft mit riskanten Chemikalien sei zudem ein „Auslaufmodell“, das „von der Gesellschaft immer weniger akzeptiert“ werde.

Da die SPD Glyphosat auch keine vorübergehende Zulassung für die Zeit nach Ablauf der Frist Ende Juni geben will, ist die Zukunft des Wirkstoffs in Europa gefährdet. Zwei Mal wurde die Entscheidung in der EU wegen Uneinigkeit zwischen den Staaten vertagt, bevor die EU-Kommission zuletzt mit einer vorübergehenden Verlängerung Zeit für eine langfristigen Entschluss zu erwirken versuchte. Auch dieser Zwischenlösung droht nun das Aus.