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23/08/2016

Gesundheitsexperten: Hoher Cholesterinspiegel erhöht Risiko für Krankheiten wie Alzheimer und Demenz

Gesundheit und Verbraucherschutz

Gesundheitsexperten: Hoher Cholesterinspiegel erhöht Risiko für Krankheiten wie Alzheimer und Demenz

Ruth Frikke-Schmidt während ihres Vortrags bei der EAS-Konferenz in Glasgow. Foto: Henriette Jacobsen

Hohe LDL-Cholesterinwerte bekommen als “stille Killer” nicht sehr viel Aufmerksamkeit, weil es oft keine sichtbaren Symptome gibt, bevor es zu spät ist. Forscher warnen jetzt: Die Erkrankung verursacht nicht nur Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern kann auch Gehirnstörungen wie Alzheimer und Demenz auslösen. EurActiv Brüssel berichtet. 

Patienten mit zu viel “bösem” oder schlechtem LDL-Cholesterin im Blut bekommen nicht genug Aufmerksamkeit, sagte Alberto Catapano, Professor für Pharmakologie an der Universität Mailand bei der Konferenz der Europäischen Atherosklerose-Gesellschaft (EAS) in Glasgow.

Experten hätten noch nicht festgelegt, ob Cholesterin gut oder schlecht ist und was seine Auswirkungen auf den Körper sind, so Catapano. Das könnte die Forscher daran gehindert haben, Zusammenhänge zwischen Cholesterin und anderen Erkrankungen zu finden.

Mit Krankheiten wie Typ-2-Diabetes geht man anders um. Die Zahl der Diabetespatienten stieg in den vergangenen zwanzig Jahren dramatisch an. Das gilt aufgrund der schlechten Lebensweise vor allem für die westlichen Länder. Die politischen Entscheider sind alarmiert, denn Diabetes stellt eine Belastung für die öffentlichen Gesundheitssysteme dar. Diabetiker sind auch eine Gefahr für ihre Umwelt, wenn sie fahren. Denn die Erkrankung hat auch Auswirkungen auf die Sehfähigkeit.

Patienten mit hohen Werten “bösen” Cholesterins seien dagegen in großen Studien unterrepräsentiert. Diese Studien würden bestimmen, wie oft Krankheiten in verschiedenen Gruppen auftreten und warum, sagte Robert Hegele vom kanadischen Forschungsinstitut Robarts am Montag bei der EAS-Konferenz.

Dies sei nicht nachzuvollziehen, so Hegele. Denn es sei bewiesen, dass ein hoher Cholesterinspiegel im Blut mit der hohen Sterberate von Patienten, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und ischämischen Herzkrankheiten leiden, korreliert.

54 Prozent aller Europäer haben nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu viel schlechtes Cholesterin im Blut.

Einem Bericht der Cardiovascular Resource Group von 2011 zufolge leiden in den fünf größten EU-Mitgliedsstaaten (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und das Vereinigte Königreich) 133,3 Millionen Menschen an erhöhten LDL-Cholesterinwerten.

Zusammenhang mit Gehirnstörungen

Es gebe einen Zusammenhang zwischen einem hohen LDL-Cholesterinspiegel und Gehirnstörungen, sagte Ruth Frikke-Schmidt von der Abteilung für klinische Biochemie im Rigshospitalet in Kopenhagen.

“Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Cholesterintransport und dem Gehirnareal. Das Gehirn ist das Organ mit der, gemessen am Gewicht, größten Cholesterinmenge, also ist es wichtig, etwas darüber zu wissen, um mehr über Demenz zu erfahren, eine sehr wichtige Krankheit in unserer alternden Bevölkerung, nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch in anderen Erdteilen”, sagte Frikke-Schmidt.

Demenz nimmt nach Angaben der WHO in den Ländern mit mittlerem Einkommen zu. Im Jahr 2050 werden demnach rund 150 Millionen Menschen daran leiden.

“Aus klinischer Sicht gibt es kein wirksames Medikament. Es gibt kein Medikament, das [die Krankheit] verhindern kann und es ist eine rein klinische Diagnose und große Teile der Biologie bleiben unbekannt. Also gibt es sicherlich Raum für Verbesserungen. Vielleicht kann uns die Genetik einige Hinweise geben”, so Frikke-Schmidt.

Die dänische Forscherin hob eine ihrer eigenen Studien hervor. Sie zeigt, dass es einen Zusammenhang zwischen einer geringen Anzahl des ApoE-Gens und dem Risiko, Alzheimer oder Demenz zu entwickeln, gibt. ApoE wird vornehmlich von der Leber produziert. Es führt den Cholesterinstoffwechsel herbei und transportiert das Cholesterin auch in das Lymphsystem und anschließend in das Blut.

Frikke-Schmidt und ihre Mitarbeiter unterteilten 75.000 Versuchspersonen in drei gleichgroße Gruppen. Sie fanden heraus, dass die Probanden mit den wenigsten ApoE-Genen ein drei Mal höheres Risiko für die Entwicklung von Demenz haben als diejenigen, bei denen die Wahrscheinlichkeit dafür am geringsten ist.

Kein Zusammenhang mit Diabetes

Die Forscher erkennen die Auswirkungen des Cholesterins auf das Gehirn an. Doch entgegen früherer Annahmen gebe es keinen Zusammenhang zwischen Cholesterin und Typ-2-Diabetes, erklärte Frikke-Schmidt. Hohe Werte des “guten” HDL-Cholesterins bedeuteten diesen Annahmen entsprechend ein geringeres Risiko für die Entwicklung von Diabetes. Studien hätten das aber widerlegt.

“In einer prospektiven Studie von 47.627 Einzelpersonen aus der allgemeinen Bevölkerung prüften wir, ob niedrige HDL-Cholesterinwerte ein Risiko für Typ-2-Diabetes vorhersagen. Wir prüften, ob genetische Varianten in Verbindung mit niedrigen HDK-Cholesterinwerten auch mit einem erhöhten Risiko für Typ-2-Diabetes zusammenhängen”, so Frikke-Schmidt. “Aber es gibt keinen Zusammenhang zwischen genetisch niedrigen HDL und Typ-2-Diabetes, was nahelegt, dass der HDL-Cholesterinspiegel kein ursächlicher Risikofaktor für Typ-2-Diabetes ist.”

Hintergrund

Die 83. Konferenz der Europäischen Arteriosklerose-Gesellschaft (EAS) findet in dieser Woche im schottischen Glasgow statt. Mit dieser Veranstaltung will man die wissenschaftliche Diskussion, die Diagnose und die Therapie von Arteriosklerose erleichtern. Arteriosklerose ist eine Herz-Kreislauf-Erkrankung, bei der sich die Arterien verhärten und verengen.