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03/12/2016

Frankreich will Lebensmittelabfälle durch Supermärkte reduzieren

Gesundheit und Verbraucherschutz

Frankreich will Lebensmittelabfälle durch Supermärkte reduzieren

Die UN schätzt, dass 30 bis 50 Prozent der Lebensmittel verschwendet werden.

[Amy/Flickr]

Französische Supermarktketten wollen weniger Lebensmittel verschwenden. Das sicherten sie der französischen Umweltministerin Ségolène Royal zu. Royal hofft nun auch auf eine Reform des EU-weiten Systems für das Mindesthaltbarkeitsdatum bestimmter Lebensmittel. EurActiv Frankreich berichtet.

Die Abmachungen der französischen Supermärkte zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen sind zwar nicht verbindlich, aber sie sind ein Schritt in Richtung mehr Nachhaltigkeit im Nahrungsmittelsektor.

Am Donnerstag unterzeichneten Umweltministerin Ségolène Royal und die Vertreter führender Supermärkte Frankreichs eine Vereinbarung, wonach große Supermärkte unverkaufte Lebenmittel an Wohltätigkeitsverbände spenden müssen. Zudem ist es Supermärkten nicht gestattet, nicht verkaufte, aber noch essbaren Lebensmittel zu vernichten. Die Abschaffung von Mindesthaltbarkeitsdaten bestimmter Eigenmarken-Produkte, darunter Zucker und Essig, ist ebenfalls Teil der Vereinbarung.

Lebensmittelvernichtung verboten

„Es wurde eine Vereinbarung mit den Supermarkt-Ketten erzielt, die sich dazu verpflichteten den Artikel des Energiewendegesetzentwurfs für Lebensmittelabfälle anzuwenden, der vom Verfassungsrat entfernt wurde“, sagte Royal nach der Unterzeichnung des Abkommens.

Zunächst waren die Anforderungen für unverkaufte Lebensmittel aus Supermärkten in den Gesetzentwurf für die Energiewende und grünes Wachstum aufgenommen. Doch der französische Verfassungsrat schmetterte das Ganze ab. Dadurch war die Umweltministerin gezwungen, freiwillige Verpflichtungen einzuholen.

„Wir werden in drei Monaten Bilanz ziehen, um zu prüfen, dass die Verpflichtungen eingehalten werden“, sagte Royal. Sie will die ihr zu Verfügung stehenden legalen Instrumente für eine erfolgreiche Umsetzung der Vereinbarung nutzen.

Abschaffung von Mindesthaltbarkeitsdaten

Teil der jüngst beschlossenen Vereinbarung ist auch die Ausweitung der Produkte ohne Mindesthaltbarkeitsdatum. Momentan dürfen nur wenige Lebensmittel ein Etikett ohne Ablaufdatum sein. Dazu gehören Zucker, Salz und Essig. „Aber diese Liste wird von den europäischen Behörden gemanaged, und es zu verändern heißt, das Problem mit ihnen aufzugreifen“, so die Ministerin.

Die europäische Gesetzgebung verlangt ein Mindesthaltbarkeitsdatum. Viele Lebensmittel werden aufgrund dieses Systems mit Mindesthaltbarkeitsdatum weggeworfen. Obwohl man sie noch essen könnte.

Ségolène Royal plant die Einsetzung eines Expertenausschusses mit der Erstellung von Empfehlungen zur Aktualisierung dieser Liste. Sie soll dann den europäischen Entscheidungsträgern übermittelt werden.

140 Kilogramm pro Person pro Jahr

Diese Maßnahmen werden dabei helfen, Lebensmittelabfälle von Supermärkten zu reduzieren. Doch ein Bericht des Abgeordneten des französischen Parlaments, Guillaume Garot, vom April kommt zu dem Schluss, dass der größte Teil der Verschwendung in Haushalten und Restaurants geschieht.

Pro Person und pro Jahr werfen die Franzosen 20-30 Kilogramm Lebensmittel weg. Darunter fallen sieben Kilogramm ungeöffneter Lebensmittel. Wenn man die gesamte Nahrungsmittel-Lieferkette betrachte, steigt diese Zahl auf unglaubliche 140 Kilogramm pro Person und pro Jahr.

Lebensmittelabfälle sind kein französisches Problem. Weltweit werden 30 bis 50 Prozent der Lebensmittel verschwendet, schätzt die UN-Welternährungsorganisation.

Die Zahlen für die EU sind ebenfalls wenig ermutigend. Die EU-Bürger verschwenden pro Kopf 179 Kilogramm Lebensmittel. Die Lebensmittelabfälle in der EU könnten nach Schätzungen der Kommission bis 2020 auf 126 Millionen Tonnen pro Jahr ansteigen, wenn die Dinge so weiterlaufen. Das wäre ein Anstieg von 40 Prozent.

Doch Veränderungen brauchen viel Zeit.

Paket zur Kreislaufwirtschaft

Das Europaparlament forderte die Kommission 2012 dazu auf, Maßnahmen zur Reduzierung der Lebensmittelabfälle bis 2025 zu ergreifen. Die Kommission wollte das Problem 2014 in einem Paket zur Kreislaufwirtschaft angehen. Darin setzte sie das Ziel einer Abfallreduzierung von 30 Prozent.

Allerdings zog Brüssel das Paket im Januar 2015 zurück. Es umfasste auch Gesetzentwürfe zur Entsorgung von Verpackungen, alten Fahrzeugen, Batterien und elektronischen Abfällen.

Die EU-Kommission will bis Jahresende eine „ehrgeizigere“ Version des Pakets veröffentlichen. Dieser neue Vorschlag „wird die Optionen für eine Begrenzung der Lebensmittelabfälle genau prüfen“, sagte ein Kommissionssprecher gegenüber EurActiv.

Hintergrund

Das Paket zur Kreislaufwirtschaft sollte das Recyclinglevel anheben und die Regeln für Müllverbrennung und Deponien verschärfen.

Es besteht aus sechs Gesetzentwürfen für Abfälle, Verpackungen, Deponien, Altfahrzeuge, Batterien und Akkumulatoren und die Abfälle elektronischer Geräte.

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker beauftragte den Kommissionsvizepräsidenten Frans Timmermans damit, Bürokratie abzubauen und eine "bessere Rechtssetzung" zu liefern

Timmermans sagte, das Paket würde zurückgezogen und bis Ende 2015 neu vorgelegt werden.