EurActiv.de

Das führende Medium zur Europapolitik

06/12/2016

Foodwatch-Studie: Alles auf Zucker

Gesundheit und Verbraucherschutz

Foodwatch-Studie: Alles auf Zucker

Die Mehrzahl der Erfrischungsgetränke ist sehr zuckerhaltig, zeigt eine Untersuchung von Foodwatch.

Foto: benjamas11/ Shutterstock

Sommer, Sonne, kaltes Süß: Mehr als die Hälfte der Erfrischungsgetränke in Deutschland ist überzuckert, warnt Foodwatch. Verbraucherschützer und Gesundheitsexperten fordern nun eine Zuckersteuer.

Der Großteil aller sogenannten Erfrischungsgetränke ist überzuckert. Das zeigt eine aktuelle Studie der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Ob Saftschorle, Softdrink oder Eistee – 60 Prozent der insgesamt 463 getesteten gesüßten Getränke enthielten mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Das sind mehr als sechs Stück Würfelzucker in einem Glas mit 250 Millilitern.

Am süßesten waren laut den Foodwatch-Testern im Durchschnitt Energydrinks. Besonders viel Zucker  – durchschnittlich elf Prozent – enthielten Produkte des Unternehmens PepsiCo. Zum Vergleich: Im Schnitt enthielten alle getesteten Getränke 7,5 Prozent Zucker.

Gesundheitsexperten sind alarmiert. „Süßgetränke sind ein Faktor, der das Risiko für Fettleibigkeit, Typ-2-Diabetes und andere Krankheiten erhöht“, warnte Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universität Leipzig bei der Vorstellung der Studie in Berlin.

Energydrinks: Foodwatch warnt vor Gesundsheitsgefahren für Jugendliche

Energydrinks sind besonders bei jungen Menschen beliebt – und werden mit Herzstörungen, Nierenversagen und sogar Todesfällen in Verbindung gebracht. Nachdem auch Lettland ein Verkaufsverbot für Minderjährige eingeführt hat, fordert Foodwatch auch in Deutschland eine Altersgrenze. 

EurActiv.de

„Hersteller verdienen am Übergewicht“

Der Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), Baptist Gallwitz, sagte, die Ergebnisse der Marktstudie „demonstrieren wieder einmal auf deutliche Weise, dass die Mehrheit der Hersteller am Übergewicht verdient und Krankheitsfolgen wie Diabetes, Herzkreislauf- und Krebserkrankungen in Kauf nimmt.“ Die Bundesregierung sollte endlich dem Beispiel anderer Länder folgen und eine Steuer oder Herstellerabgabe auf stark zuckerhaltige Getränke einzuführen.

Foodwatch hatte alle Erfrischungsgetränke auf Zuckergehalt und Süßstoffe getestet, die in den drei größten deutschen Supermärkten angeboten werden. Das negativ-Prädikat „überzuckert“ bekamen alle Getränke, die mit einem  Anteil von mehr als fünf Prozent Zucker je 100 Milliliter jenen Wert erreichen, nach dem Großbritannien eine kürzlich beschlossenen Softdrink-Steuer vorschreibt. Ab 2018 müssen Hersteller auf der Insel – wo laut Regierungsangaben ein Drittel der Kinder und Jugendlichen zwischen zwei bis 15 Jahren übergewichtig ist – eine gestaffelte Abgabe auf überzuckerte Produkte zahlen.

Fettleibigkeit: Weltweit mehr übergewichtige als unterernährte Menschen

Immer mehr Menschen weltweit sind übergewichtig, zeigt eine Studie. Nehme die Weltbevölkerung weiterhin alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm an Gewicht zu, drohe Adipositas ein enormes globales Gesundheitsrisiko zu werden.

EurActiv.de

Auch Frankreich, Belgien, Ungarn, Mexiko und die skandinavischen Staaten haben eine Zuckersteuer eingeführt, um der wachsenden Fettleibigkeit vor allem bei Kindern und Jugendlichen zu Leibe zu rücken. Dass die Politik, und nicht nur der einzelne Bürger, beim Kampf gegen Übergewicht gefragt sei, hatte Margret Chan, Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), schon vor einigen Jahren angemahnt.

Wie die Bundesrepublik dies umsetzen könnte, dafür hat der DDG einen Vorschlag ausgearbeitet. Die Idee: Stark zuckerhaltige Getränke sollten mit dem vollen Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent besteuert werden, gesunde Lebensmittel dagegen von der Mehrwertsteuer befreit werden. „Damit würde man eine Preisspreizung erreichen, die gesünderes Konsumverhalten belohnt und ein Umdenken bei den Herstellern anstößt“, meint der DDG Geschäftsführer Dietrich Garlichs.