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09/12/2016

Fettleibigkeit: Weltweit mehr übergewichtige als unterernährte Menschen

Gesundheit und Verbraucherschutz

Fettleibigkeit: Weltweit mehr übergewichtige als unterernährte Menschen

Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen weltweit rasant zu.

Immer mehr Menschen weltweit sind übergewichtig, zeigt eine Studie. Nehme die Weltbevölkerung weiterhin alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm an Gewicht zu, drohe Adipositas ein enormes globales Gesundheitsrisiko zu werden.

Die Menschheit wächst – und das nicht nur in Bezug auf die globale Bevölkerungsentwicklung, sondern auch was den Leibesumfang betrifft. Seit 1975, so zeigen nun die Ergebnisse einer in der Fachzeitschrift „Lancet“ erschienenen Studie, wird die Weltbevölkerung alle zehn Jahre um 1,5 Kilogramm schwerer. Weltweit sind  bereits heute etwa 640 Millionen Menschen übergewichtig oder fettleibig, davon 375 Millionen Frauen und 266 Millionen Männer.

Unter den einkommensstarken Ländern weltweit haben demnach Japanerinnen und Japaner den tiefsten BMI, den höchsten BMI verzeichnen Männer und Frauen aus den USA. Die Metastudie hatte 1.700 Studien zum BMI der Bevölkerung ausgewertet und die Daten für eine Zeitspanne von 40 Jahren weltweit untersucht.

In Europa ist das Gewicht vor allem bei Männern in Zypern, Irland und Malta, und Frauen in der Republik Moldau überdurchschnittlich hoch. Das Großbritannien weist den dritthöchsten durchschnittlichen BMI in Europa für Frauen auf, gleich nach Irland und der Russischen Föderation. Bis zum Jahr 2025 werde das Vereinigte Königreich laut der Prognose mit 38 Prozent den größten Anteil an übergewichtigen Frauen in Europa haben, gefolgt von Irland (37 Prozent) und Malta (34 Prozent). Ähnliche Trends zeigen sich bei Männern. Zum Vergleich: 43 Prozent der US-Frauen und 45 Prozent der US-Männer werden voraussichtlich im Jahr 2025 fettleibig sein

Die bosnischen und niederländischen Männer und Schweizer Frauen haben hingegen die niedrigsten durchschnittlichen BMI in Europa.

Stabilisierung der Adipositas scheint unerreichbar

Rund um den Globus sind damit zurzeit 2,3 Prozent aller Männer und fünf Prozent aller Frauen stark fettleibig bzw. stark adipös – ihr Body-Mass-Index ist höher als 35 kg/m2. Dadurch vergrössert sich ihr individuelles Risiko für Diabetes, Krebs, eine Nieren- oder Herzkreislauf-Erkrankung signifikant. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) gilt ein BMI zwischen 25 bis 29,9 kg/m2 als Übergewicht und ab 30 kg/m2 als Fettleibigkeit.

„Anhand unserer Daten können wir die menschliche Variabilität aufzeigen, was für gesundheitspolitische Maßnahmen hilfreich ist“, sagt Studienmitautor Frank Rühli von der Universität Zürich.

Setzt sich der Trend zur Gewichtszunahme fort, werden im Jahr 2025 weltweit 18 Prozent der Männer und 21 Prozent der Frauen adipös sein, warnt die Studie. Das von der WHO deklarierte Ziel einer globalen Stabilisierung der Adipositas im Jahre 2025 auf dem Niveau von 2010 ist laut Studienautoren unrealistisch.

Insgesamt ist das Übergewicht vor allem in einigen wenigen Ländern besonders hoch: Fast ein Fünftel der adipösen Erwachsenen weltweit – 118 Millionen – leben der Untersuchung zufolge in nur sechs englischsprachigen Ländern mit hohem Einkommen: Australien, Kanada, Irland, Neuseeland, Großbritannien und den USA.     

In einem Kommentar zur Studie warnt Professor George Davey Smith von der School of Social and Community Medicine im britischen Bristol vor einer „fetteren, gesünderen und zunehmend ungleichen Welt“. Er weist darauf hin, dass, obwohl in Ländern mit hohem Einkommen Fettleibigkeit ein wachsendes Problem wird, Unterernährung in Ländern mit niedrigem Einkommen ein großes gesundheitliches Problem bleibe – und das auch für die Nachkommen von stark untergewichtigen Frauen. Ressourcen zur Bekämpfung von Adipositas dürften nicht auf Kosten der Unterernährten gehen.

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