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03/12/2016

Experten kritisieren Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre

Gesundheit und Verbraucherschutz

Experten kritisieren Zulassung von Glyphosat für weitere 15 Jahre

Glyphosat ist das zurzeit am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutzmittel in der EU.

[Chafer Machinery/Flickr]

Obwohl Glyphosat als gesundheitsschädlich gilt, will die EU-Kommission das Pestizid weiterhin erlauben. Derweil ergab ein Test des Umweltinstituts München, dass viele deutsche Biere mit Glyphosat belastet sind.

Die EU-Kommission will die Zulassung des umstrittenen Pflanzengifts Glyphosat um 15 Jahre verlängern. Darauf wies deragrarpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Europaparlament, Martin Häusling, am Mittwoch in Brüssel hin. Aus Kreisen der Kommission verlautete, die Entscheidung werde am 7. und 8. März in einem Ausschuss zusammen mit Experten und Vertretern der EU-Mitgliedstaaten fallen.

Mit der Verlängerung der Zulassung bis 2031 verstoße die EU-Kommission gegen das Vorsorge-Prinzip und werfe „alle Bedenken von Wissenschaftlern über Bord“, kritisierte Häusling. „Die EU-Kommission hat offenbar nicht die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Blick, sondern die Interessen der Agrarindustrie wie die des Herstellers des Pestizids, Monsanto“, bemängelte Häusling. Seinen Angaben zufolge soll die Wiederzulassung „weitgehend ohne Mengen- und Anwendungsbeschränkung“ erfolgen.

„Sogar die schon sehr vorsichtigen Bedenken der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA berücksichtigt die EU-Kommission in ihrem Vorschlag nicht“, Häusling. Die EFSA habe immerhin auf die negativen Folgen für Biodiversität hingewiesen.

Glyphosat ist welt- und deutschlandweit einer der am meisten eingesetzten Wirkstoffe in Unkrautvernichtungsmitteln und das am weitesten verbreitete Pflanzengift. Das Mittel ist seit vielen Jahren umstritten. Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot von Glyphosat.

Grünen fordern von der Bundesregierung, der Wiederzulassung nicht zuzustimmen

Die Zulassung in Europa läuft im Sommer aus. Die Grünen fordern von der Bundesregierung, der Wiederzulassung nicht zuzustimmen, und wollen dazu am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Bundestag zur Abstimmung bringen.

„Gerade Deutschland muss jetzt bremsen in Brüssel“, forderte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Harald Ebner. Er appellierte vor allem an die SPD, für den Antrag seiner Partei zu stimmen. So könne die Partei zeigen, dass sie es ernst meine „mit ihren glyphosatkritischen Äußerungen der letzten Tage und Wochen“.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) sagte jedoch, er wolle den Einsatz des Pflanzengifts in der Landwirtschaft weiter erlauben. „Das ist was von Profis für Profis und auch die Profis müssen sehr vorsichtig damit umgehen“, sagte Schmidt am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Die private Verwendung wolle er aber „begrenzen, vielleicht auch verbieten“, fügte er hinzu. Es seien an die tausend Studien zu Glyphosat untersucht worden, und die Wissenschaftler seien zu dem Ergebnis gekommen, dass bei „Abwägung aller Betrachtungen eine weitere Nutzung von Glyphosat mit Einschränkungen möglich ist“, sagte er.

Derweil ergab eine heute veröffentlichte Untersuchung des Umweltinstituts München, dass deutsche Biere snd Glyphosat belastet sind. Ein Labor hatte im Auftrag des Umweltinstituts Biere der 14 beliebtesten Biermarken Deutschlands auf Spuren des Pestizids getestet und fand bei allen geprüften Produkten Spuren.

In einer nun vom Umweltinstitut gestarteten Online-Aktion können sich Verbraucher nun direkt an die Hersteller der getesteten Biere wenden können. Doch auch die Politik stehe in der Pflicht, heißt es aus dem Institut: Die Bundesregierung müsse auf europäischer Ebene gegen eine erneute Zulassung von Glyphosat stimmen.

Die EU-Kommission stützt sich auf eine Stellungnahme der EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa), die das Mittel im vergangenen November als wahrscheinlich nicht krebserregend beurteilte. Kritiker warnen dagegen seit Jahren vor möglichen Gesundheitsgefahren durch Glyphosat, beispielsweise Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Sogar die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) hat eine Gefährdung festgestellt. Die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Agentur urteilte im März 2015, dass Glyphosat „wahrscheinlich krebserzeugend bei Menschen“ sei.