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03/12/2016

EU verbietet Beistoff von Glyphosat

Gesundheit und Verbraucherschutz

EU verbietet Beistoff von Glyphosat

Die Zulassung von Glyphosat wurde kürzlich um 18 Monate verlängert.

[Global Justice Now CC BY 2.0/ Flickr]

Die EU-Mitgliedsstaaten genehmigen Einschränkungen für das Unkrautbekämpfungsmittel Glyphosat, und verbieten damit den Beistoff POE-Tallowamin. EurActiv Brüssel berichtet.

Nationale Vertreter im Ständigen EU-Ausschuss für Pflanzen, Tiere, Lebensmittel und Futtermittel stimmten am gestrigen Montag mit einer qualifizierten Mehrheit für die Glyphosat-Beschränkungen der Kommission, bestätigte ein EU-Sprecher im Gespräch mit EurActiv. Pflanzenschutzmitteln auf Glyphosatbasis, einschließlich Monsantos RoundUp, dürfen somit keine POE-Tallowamine mehr beigemischt werden. Talgfettaminoxethylat (engl. Polyethoxylated tallow amine, POEA) ist ein Tensid, das die Wirksamkeit von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat verstärkt.

Glyphosat sorgt bereits seit einiger Zeit für hitzige Diskussionen. Während manche wissenschaftliche Studien attestieren, dass es bei richtiger Anwendung ungefährlich ist, warnen andere vor einem erhöhten Krebsrisiko. Im November 2015 veröffentlichte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) diesbezüglich ihr wissenschaftliches Gutachten. Darin kam sie zu dem Ergebnis, dass man nicht abschätzen könne, inwiefern Nutzer, Arbeiter, Umstehende, Anwohner und Verbraucher POE-Tallowaminen ausgesetzt seien. Alle untersuchten Endpunkte zeigten jedoch, „dass POE-Tallowamine im Vergleich zu Glyphosat eine höhere Toxizität aufweisen“.

Das Verbot von POE-Tallowaminen ist indes nicht die einzige Einschränkung. So bestätigte die Expertenrunde ebenfalls, dass strenger geprüft werden soll, ob Glyphosat vor der Ernte genutzt werden kann. Auch in öffentlichen Parks oder auf Spielplätzen darf es nur noch unter bestimmten Bedingungen verwendet werden. „[Die Mitgliedsstaaten] müssen vor allem darauf achten, das Grundwasser in den betroffenen Gebieten zu schützen, insbesondere wenn Glyphosat nicht zu Anbauzwecken genutzt wird“, heißt es in einer vom Ausschuss bewilligten EU-Verordnung.

Insgesamt stimmten 22 Mitgliedsstaaten für die Kommissionsvorschläge, darunter Großbritannien, Italien und Frankreich. Deutschland war eines der sechs Länder, die sich enthielten. Seltsam, denn eigentlich ist die Nutzung von POE-Tallowaminen in der Bundesrepublik bereits untersagt. Auch Malta enthielt sich, obwohl es damals als einziger EU-Staat gegen die 18-monatige Verlängerung der Glyphosatzulassung war.

Hogan verteidigt Komission

Die besagte Verlängerung wurde am 29. Juni von der EU-Kommission beschlossen. Sie ist noch 18 Monate gültig, bis die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki ihr eigenes wissenschaftliches Gutachten vorlegt. Diese Entscheidung wurde gefällt, nachdem es bei der Abstimmung der Mitgliedstaaten über die Neuzulassung des umstrittenen Unkrautbekämpfungsmittels keine qualifizierte Mehrheit gegeben hatte.

In seiner Rede bei der Kent County Show in Großbritannien am 8. Juli gab EU-Landwirtschaftskommissar Phil Hogan den EU-Ländern die Schuld an der Glyphosat-Pattsituation. „Ich weiß, dass das mancherorts ein kontroverses Thema ist. Bei dem jüngsten Neuzulassungsverfahren jedoch waren die EU-Staaten nicht in der Lage, eine klare Entscheidung zu fällen, obwohl ihnen bewusst war, dass ihr Scheitern die Kommission zum Handeln zwingen würde“, betonte er. Für die Nutzer von Glyphosat sei das vielleicht keine ideale Lösung, so Hogan, aber immerhin hätten sie dank der Kommission noch immer Zugang zu dem Pflanzenschutzmittel.

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